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Buchcover: Oliver Jeffers: Pinguin gefunden

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Pinguin gefunden von Oliver Jeffers

erschienen bei Aufbau-Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

in mein Bücherregal

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Kinderbuch des Monats [02.2011]. Man muss sich einmal vorstellen, es klingelt und vor der Tür steht ein Pinguin. Geht gar nicht? Geht doch! Und ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft …

Eines Morgens klingelt es an der Haustür. Ein kleiner Junge öffnet und erblickt einen Pinguin. Der Junge weiß zwar nicht, wie der Pinguin dahin gekommen ist, aber ab dann folgt der Pinguin dem Jungen überall hin. Doch der Pinguin sieht traurig aus und der Junge ist sich sicher, dass der Pinguin sich verirrt hat. Im Fundbüro hat keiner eine Vermisstenanzeige aufgegeben, die Vögel helfen auch nicht weiter und auch die Quietscheente des Jungen weiß keinen Rat. Der Junge wird immer trauriger, denn so gern möchte er dem Pinguin helfen. Er befragt ein Buch und findet heraus, dass Pinguine eigentlich am Südpol leben. Doch wie soll sein Pinguin dahin kommen, denn sicher hat er Heimweh? Er beschließt, ihn selbst in einem Boot dorthin zu rudern. Sie packen alles, was sie brauchen, ins Boot und brechen zu ihrer langen Reise über das große Meer auf. Sie geraten in einen Sturm mit hohen Wellen, aber erreichen schließlich wohlbehalten den Südpol. Der Junge hilft dem Pinguin aus dem Boot und verabschiedet sich. Doch als er davon rudert, sieht der Pinguin so unglücklich aus, wie noch nie zuvor. Und auch dem Jungen kommt es komisch vor, plötzlich allein zu sein. Er denkt nach und plötzlich geht ihm auf, dass der Pinguin sich gar nicht verirrt hatte, sondern einsam gewesen war! Und nun wieder ist! Eilig rudert er zum Südpol zurück, aber der Pinguin ist verschwunden. Traurig macht sich der Junge auf den Heimweg und plötzlich, als er die Hoffnung schon fast aufgegeben hat, sieht er am Horizont seinen Pinguin. Nun machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Hause.

Manch einem wird die Geschichte des kleinen Jungen mit dem stillen Pinguin vielleicht bekannt vorkommen und tatsächlich wurde bereits einige Male der Animationsfilm zum Buch im Fernsehen ausgestrahlt. Dabei ist dies keineswegs das Buch zum Film, denn bereits im Jahr 2005 erschien als Buch unter dem Titel „Lost and Found“ die liebenswerte Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Im Jahr 2008 erfolgte dann im britischen Fernsehen die Erstausstrahlung der Filmversion und ist seitdem immer mal wieder im Fernsehprogramm zu finden. Nun endlich können wir das Buch auch in der deutschen Ausgabe in den Händen halten und uns immer dann, wenn uns der Sinn danach steht, in dieser wunderbaren Geschichte verlieren.

Dabei ist erstaunlich, welche Ruhe die Handlung ausstrahlt und auf die Leser abfärbt. Denn obwohl dem Jungen wahrlich Ungewöhnliches passiert und er in gefährliche Situationen kommt, bricht er nicht in Panik oder Hektik aus. Still und besonnen, aber hartnäckig, sucht er nach einer Lösung des Problems, denn er ist sich sicher, dass sich der Pinguin verirrt hat. Mit großer Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein packt er das Problem an und trifft Entscheidungen, die gestandenen Männern Angst machen würden – und alles das, weil er dem Pinguin helfen will. Unerschütterlich geht er seinen Weg, setzt sich selbst auf dem Meer großen Gefahren aus und beendet seine Mission, um anschließend zu erkennen, dass er seinen stillen Freund falsch verstanden hat. Geschickt lässt Jeffers hier einen zweiten Spannungsbogen nach dem ersten entstehen, denn nun folgt die Suche nach dem Pinguin, der sich seinerseits mittlerweile auf die Suche nach dem Jungen gemacht hat. Doch dies weiß nur der Betrachter der Bilder, der Junge ahnt nichts davon und mit diesem Wissensvorsprung steigt die Spannung, ob Pinguin und Junge wieder zueinander finden. Die Lösung dieser Frage wird bis kurz vor dem Ende aufgespart und wendet sich glücklicherweise zum Guten.

Auch wenn die Handlung mit wenigen Elementen auskommt, die Zahl der Protagonisten auf zwei beschränkt ist und der Plot geradlinig verfolgt wird, fesselt die Geschichte vom Anfang bis zum Ende und ist dabei spannend und anrührend zugleich. Denn diesen kleinen Jungen, der sich so tapfer und unerschrocken für andere einsetzt, schließt man einfach schnell ins Herz ebenso wie den stillen, aber treuen, Pinguin.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines außen stehenden Erzählers, der den Verlauf der Geschichte sachlich wieder gibt und dabei aber auch Einblick in die Gedanken und Gefühlswelt des Jungen hat. Er bedient sich einer einfachen Sprache und beschränkt sich auf wenige Sätze, die gut von Kindern nachempfunden werden können. Die Gedanken- und Gefühlswelt des Pinguins verschließt sich allerdings auch diesem Erzähler und so bleibt der fremde Gast ein Mysterium, welches nicht immer einfach zu deuten ist und dadurch für Spannung bis zum Schluss sorgt.

Die Illustrationen des Buches scheinen wie für eine Vorlage eines Animationsfilms gemacht. Großflächige Farbwelten wechseln sich ab mit kleinen Details auf viel Weißraum, die Stimmung der Bilder unterstreicht den jeweiligen Handlungsstand hervorragend. Häufig sind der Junge und sein Pinguin im Vergleich zu anderen Dingen zu sehen – dem Meer, der Badewanne, dem Schiff – und wirken dabei so klein und hilflos, dass ihre Leistung am Ende fast doppelt so groß wirkt. Jeffers gelingt es dabei, mit wenigen Strichen feine Nuancen in Mimik und Gestik der beiden Charaktere darzustellen und dadurch der Handlung emotionale Tiefe zu verleihen.

Es ist auffällig, dass Oliver Jeffers darauf verzichtet hat, dem Jungen einen Namen zu geben und immer nur von „dem Jungen“ spricht. Dadurch wird diese Figur ein Symbol, an dessen Stelle sich leicht jeder kleine Leser setzen kann, der Mut braucht, die großen Dinge, die er sich vorgenommen hat, in Angriff zu nehmen.

Fazit:

Kinder können Großes leisten. Der kleine Junge beweist es wieder einmal mehr in seinem Bestreben, nur das Beste für seinen Pinguin zu wollen. Ein wunderschönes, stilles und ergreifendes Buch über eines der höchsten Güter – die Freundschaft.

Claudia Goldammer

 

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