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Buchcover: Emily Jenkins: Der unsichtbare Wink

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der unsichtbare Wink von Emily Jenkins

erschienen bei Carlsen

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Kinderbuch des Monats [10.2012]. Es stimmt schon, Hank hat eine blühende Fantasie. Und alle, die ihn kennen, wissen das. Doch was Hank eines Tages unter dem Spülbecken ertastet, erweist sich als ganz und gar real. Natürlich nimmt ihn niemand ernst, als er erzählt, er habe einen „unsichtbaren Freund“. Zum Glück! Denn so bleibt „Wink“, der wahrscheinlich letzte der „Bandapaten“, unentdeckt.

Hank ist ziemlich niedergeschlagen weil sein bester Freund, „Wainscotting“, vor kurzem fortgezogen ist. Hank hat keine Ahnung, wie er die vierte Klasse ohne seinen Freund überstehen soll. Die Sommerferien gehen dem Ende zu und Hank wird von einer derart lähmenden Langeweile heimgesucht, dass er seiner Familie nur dabei zusehen kann, wie sie ihre Eisdiele, „Der große runde Kürbis“, für den nächsten Tag herrichtet. Als er hinter der Verkaufstheke einige bunte Streusel fallenlässt, ertastet er beim Saubermachen etwas sehr Felliges und Kuscheliges unter dem Spülbecken. Doch als er genau hinschaut, ist dort rein gar nichts zu sehen.

Hank und das unsichtbare Fellwesen begegnen sich bald wieder, nämlich als Nachbarshund „Malzbier“ – der das Wesen zwar auch nicht sehen, aber dafür umso besser riechen kann – Jagd auf den kleinen Kerl macht. Hank begreift den Ernst der Lage schnell, nimmt das unsichtbare Pelztier auf den Arm und bringt es so vor „Malzbier“ in Sicherheit. Dann hört er plötzlich eine flüsternde Stimme – direkt an seinem Ohr: „Rette mich“.

Hank beschreibt es als „Fluffig. Kräftig. Weiche Ohren, dicker Schwanz und Füße mit Ballen darunter und harten kleinen Krallen“. Vor allem ist „Wink“ – wie er selbst behauptet – „ungeheuer niedlich, aber von Natur aus unsichtbar“. Wink macht seinem neuen Freund und Retter klar, dass „Bandapaten“, denn zu dieser Gattung gehört Wink, ganz unbedingt und dringend Kürbisse zum Überleben brauchen. Ein großes Missverständnis hat Wink also zu Hank geführt: „Der große runde Kürbis“! Nichtsdestotrotz hat Wink schwer mit der Enttäuschung zu kämpfen, dass im „großen runden Kürbis“ rein gar kein Kürbis zu finden ist.

Hank braucht dieser Tage dringend einen Freund. Doch alle Versuche Hanks, dem Bandapten einen Kürbis zu besorgen, schlagen leider fehl. Es wird klar, sobald Wink seine „Hetschnickel“ – also seine Ehrenschuld – beglichen hat, muss er fortgehen, um sich auf die Suche nach Kürbissen zu machen. Zunächst sieht es nicht danach aus als würde etwas oder jemand Hanks Leben bedrohen, doch leider hat Wink bald schon Gelegenheit, seine „Hetschnickel“ einzulösen:

Die Bedrohung kommt in Gestalt eines Jungen namens „Gillicut“ auf Hank zu – und so unerwartet, dass er von dem aggressiven Gebaren des anderen Jungen vollkommen überrumpelt wird. Fortan hat Gillicut den armen Hank auf dem Kieker und verlangt von nun an das Beste aus Hanks Lunchpaket: Vor allem die bunten Schoko-Streusel aus der Eisdiele.

Wink hat ziemlich eindeutige Ansichten zu so einem Verhalten. Aber Hank hat gelernt, dass man sich nur mit Worten wehren soll – Gillicut aber setzt seine Fäuste und die damit verbundenen Drohungen ganz ungeniert ein. Als sich Hank endlich in seiner Verzweiflung an die Erwachsenen wendet, erhält er keinerlei Unterstützung. Im Gegenteil. Er solle Verständnis haben, denn der „Kleine“ müsse gerade mit der Trennung seiner Eltern klarkommen.

Als wäre alles nicht schon schlimm genug, zieht Hank, der darauf brennt zu sehen wie Wink wirklich aussieht, ein ziemlich linkes Ding mit seinem Freund durch. Wink ist tief verletzt und enttäuscht. Doch am „Pizzatag“ ist Wink zur rechten Stelle, um Gillicut ein für allemal klar zu machen, dass jetzt Schluss mit Erpressung ist. Und das ganz und gar auf Bandapaten-Art …

Willkommen im Leben von Hank Wolowitz. Zwischen Schule und dem „großen runden Kürbis“, bewahrt er ein großes Geheimnis und ist umgeben von einer ganzen Reihe liebenswerter und lebendiger Nebencharaktere. Das besondere New Yorker Alltagsflair, das sich in einer Gegend von Brooklyn langsam entwickelt, hat sich Emily Jenkins aus mehreren Schauplätzen ausgedacht und neu komponiert. Ihre Geschichte hätte aber auch überall passieren können.

Das englische „to wink“ bedeutet im Deutschen so viel wie Zwinkern, Blinzeln. Vielleicht hat die New Yorkerin Emily Jenkins diesen Namen für das überaus niedliche Wesen ausgesucht, weil man es vielleicht nur manchmal, ganz kurz, vor einem Spiegel vorbeihuschen sieht. Und so real Wink für Hank auch sein mag, seine Umwelt bekommt von dem flauschigen, kleinen Kerl nichts mit.

Dass Hank einen unsichtbaren Freund hat, kann dieser ohne großes Erstaunen oder Besorgnis zu erregen, behaupten, denn schon beim kleinsten Anlass beginnt Hanks Fantasie sehr eigenwillige Blüten zu treiben. Kein Gedanke scheint Hank dabei zu absurd, um nicht zu Ende – oder zumindest weitergedacht zu werden.

Obwohl oder gerade weil Wink selbst ziemlich absurde Geschichten erzählt, ist Hank in ihrer gemeinsamen Welt, in der alles geschehen kann, vollkommen glücklich. Wink und Hank werden dicke Freunde und sie entwickeln schnell so etwas wie eine alltägliche Routine. Obwohl Hank nicht einsam ist – schließlich hat er seine liebevollen Eltern und seine große, kluge Schwester – fühlt Hank sich mit Wink zum ersten Mal vollständig. Vielleicht liegt es daran, dass man seine Fantasie akzeptiert aber seinen Ideen nicht wirklich Beachtung schenkt. Immerhin, so deutet es Emily Jenkins an, haben die Eltern einige Sorgen wegen ihres Geschäfts. Vielleicht wird zu schnell gelächelt und das Thema gewechselt, vielleicht wäre ein genaues Hinhören das, was Hank gebraucht hätte – vor allem als Hank sich seinem Vater anvertraut und ihm davon berichtet, dass er von Gillicut auf übelste Weise gemobbt wird. Nun hat er Wink, der ihm zuhört und selbst die haarsträubendsten Geschichten beisteuern kann.

Die Gedanken, die uns Hank in Ich-Form mitteilt, zeigen sehr plastisch und gut nachvollziehbar, was in dem Jungen vorgeht. Emily Jenkins schreibt voller Humor – sogar ziemlich trockenem Humor -aber immer schwingt auch einen sehr ernsthafter und anrührender Ton mit. Diese Mischung macht das Kinderbuch-Debüt der New Yorkerin zu einer ganz eigenen, besonderen Variante zu dem allseits bekannten Thema „unsichtbarer Freund“. In der Kinderliteratur findet er sich immer wieder und wie auch hier werden wir ein wenig im Unklaren gelassen, ob es Wink nun wirklich gibt oder nicht. Es ist die Warmherzigkeit und die Originalität in Emily Jenkins Erzählweise, das diese Interpretation des Themas neu und frisch wirken lässt. Dass der kleine Kerl auch noch so niedlich ist, wird auch den stärksten Jungen mitreissen. Jede Wette.

Und für all jene, die immer noch nicht recht glauben mögen, was Hank widerfahren ist, der kann auf dem Buchcover den Wink in der Scheibe sehe – „Den Wink finden und sichtbar reiben“ steht auf einem Button. Eine schöne und originelle Einladung, wie ich finde, auch den Wink im Buch zu entdecken.

Fazit:

Emily Jenkins erzählt in ihrem Kinderbuch-Debüt locker, klug und pointiert von dem besten unsichtbaren Freund den ein Junge nur haben kann. Manchmal selbstironisch, manchmal nachdenklich zeigt sie mit Hanks Blick auf die Welt viele gefühlvolle, spannende und witzige Momente voller Situationskomik.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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