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Buchcover: Mathias Jeschke: Die Geschichte vom Lastkran, der...

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die Geschichte vom Lastkran, der... von Mathias Jeschke

erschienen bei NP Buchverlag

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Der eigenwillige Titel und ein auf den ersten Blick eigenwilliger Illustrationsstil mit einer sehr stimmungsvollen Coverillustration – machen schon mal ganz schön neugierig auf dieses Kinderbuch aus dem NP-Buchverlag. Und ganz schön schnell sind wir dann auch schon mit unseren Kindern vertieft in die ereignisreiche und echt seemännische „Geschichte vom Lastkran, der eine Schiffsirene sein wollte“.

Der Vater von Jan Michel ist von Beruf Lastkranführer und arbeitet in einem riesigen Hafen. Hier kommen Schiffe aus aller Welt an und bringen alle möglichen Waren mit: Kaffee aus Kolumbien oder Tee aus Ceylon. Einmal bringt ein Schiff sogar eine echte Giraffe aus Afrika.

Am Wochenende fahren Hans Heinz Martens und sein Sohn Jan Michel mit ihrem eigenen Boot auf die See. Eines Tages entgehen Sie nur knapp einer Katastrophe. Während der Vater unter Deck nach dem Rechten sieht, kann Jan Michel, der am Steuer steht, nur mit größter Mühe einem Ozeanriesen ausweichen. Das kleine Boot wird fast zum Kentern gebracht und reichlich Wasser schwappt in das Boot. Der Schreck sitzt beiden noch tief in den Knochen, als sie sich zu Hause in Decken gehüllt gemeinsam mit der Mutter aufwärmen und unter der Begleitung von Hans Heinz Martens auf der Quetschkommode Seemannslieder singen, bevor es schließlich zu Bett geht.

Eines Tages geschieht etwas Merkwürdiges. Der Lastkran des Vaters macht fürchterliche, quietschende und kreischende Geräusche. Hans Heinz Martens ist ärgerlich und verliert zum ersten Mal in seinem Leben die Lust an der Arbeit. Und auch als kurz darauf Jan Michels größter Wunsch, einmal seinen Vater auf den Lastkran begleiten zu können, in Erfüllung geht, wird der Spaß durch die absonderlichen Geräusche des Krans verdorben. Schließlich bleibt der Kran nach einem ohrenbetäubenden Krach ganz stehen und rührt sich gar nicht mehr.

Der Vater macht sich an die Reparatur und nimmt die ausgetauschten Teile des Krans zu sich nach Hause. Beim abendlichen Angeln kommt Jan Michel der Gedanke, dass der Kran vielleicht einfach keine Lust mehr hatte ein Lastkran zu sein, sondern vielleicht eine Schiffssirene sein möchte. Das bringt den Vater auf eine Idee und er eilt nach Hause, um sich direkt in seiner Werkstatt einzuschließen. Ein unglaublicher Lärm aus der Werkstatt lässt Mutter und Sohn hochschrecken und sie eilen zu Hans Heinz Martens. Der steht vor einem riesigen Gerät: einer Sirene, die laut heult. Der Vater von Jan Michel hat sie aus den alten Teilen des Lastkrans zusammengebaut, sein Sohn hatte ihn auf diese Idee gebracht.

Am nächsten Wochenende geht dann auch gleich die ganze Familie im eigenen Boot auf See – mit der Schiffssirene. Jetzt können die großen Schiffe ruhig kommen…

Es sind vor allem die großen doppelseitigen Illustrationen von Katja Gehrmann, die innehalten lassen, die begeistern, die verwundern, die Spaß machen, die das Auge führen…Es scheint, als müsste Katja Gehrmann manchmal ihren Pinselstrich nahezu bändigen, so lebendig wirken ihre Bilder, machen sie auf die eine Art etwas befremdlich durch ihren ganz eigenen Stil, auf die andere Art wieder so vertraut, weil sie so viel offenbaren können. Die akribische Arbeit eröffnet sich uns dabei erst auf den zweiten Blick. Flächige, großzügige Pinselstriche und grobe Konturen werden übermalt oder nuanciert, immer wieder weitere Details hinzugefügt. Die Farbwahl ist sehr stimmungsvoll und üppig – es darf bunt im positivsten Sinne sein.

Der „lebendige“ Strich verleiht den Bildern enorm viel Bewegung, nimmt den Motiven das statische, momentane – es belebt die Szenerie. Wenn Vater und Sohn nebeneinander durch den Industriehafen schlendern, stehen wir mittendrin. Und am Ende der Geschichte öffnet Katja Gehrmann den Blick über den Hafen, auf die Weite des Meeres…

Ein herausragendes Motiv sei hier exemplarisch erwähnt: Mutter und Sohn eng aneinander gelehnt, sehr vertraut, dabei skeptisch und erwartungsvoll abwartend, stehen auf der einen Seite des Motivs. Der abgesperrte Schuppen, die Werksatt in der sich der Vater aufhält (Ein „Bitte nicht stören“-Schild angehängt) befindet sich auf der anderen Seite. Es entsteht ein bedeutungsvoller, spannender Moment des Abwartens im Mondschein…kurz bevor wir erfahren, was der Vater in dem Schuppen nun wirklich treibt.

Der Autor Mathias Jeschke ist selber zur See gefahren, das kann man seinen Zeilen auch stets entnehmen. Ganz souverän führt er uns durch die Passagen seiner Geschichte. Dabei überfordert er nicht mit unnötigem Seemannsjargon, lässt es sicher aber nicht nehmen, seine Charaktere – allen voran Hans Heinz Martens – „nordisches Blut“ zu verleihen, was wir seiner Sprache anmerken.

Etwas Ausdauer und Zeit sollte man für dieses Kinderbuch allerdings reservieren, denn Mathias Jeschke gestattet seiner Erzählung sich langsam zu entfalten, ohne hektische Szenenwechsel oder Gedankensprünge. Das trägt aber ganz wesentlich zur intensiven Stimmung bei.

Apropos Stimmung: Auch hier sei wieder der Tipp erlaubt, sich dem Kreischen und Quietschen des Kranes oder dem Heulen der Sirene akustisch ganz hinzugeben und den Kindern eine kleine Kostprobe der eigenen lautmalerischen Qualitäten zu präsentieren. Kurz gesagt: machen Sie Krach, wenn von Krach die Rede ist.

Auch wenn hier Vater und Sohn im Vordergrund stehen, so ist „Die Geschichte vom Lastkran…“ keine typische Vater-Sohn-Geschichte. Scheinbar nutzlose, defekte Dinge bekommen hier eine neue, elementare und das Leben bereichernde Bedeutung. Dabei ist für mich ein Aspekt ebenso interessant. Gestatten wir uns doch wieder mehr freie, unverkrampfte und uneingeschränkte Blicke auf Veränderungen und Begebenheiten unseres Lebens. Es zeigt, dass es uns den Horizont öffnen kann und neue Erfahrungen liefert.

Der Hinweis auf die möglichen Wesenszüge des Krans kommt natürlich vom Sohn. Denn gerade unsere Kinder haben glücklicherweise noch die bezaubernde Art, sich in derartige Gedanken und Phantasien zu begeben – ganz unbefangen und ganz wertfrei.

Fazit:

Mathias Jeschke und Katja Gehrmann schaffen gemeinsam ein stimmungsvolles Vorlese- und Zuhörerlebnis mit Großhafenambiente, seemännischem Flair und einer schönen Botschaft.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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