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Buchcover: Ruan Jamon Jimenez: Platero und ich

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Platero und ich von Ruan Jamon Jimenez

erschienen bei Ravensburger

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 7 Jahren]

Eine der berühmtesten Prosadichtungen der spanischen Literatur „ Platero und ich“ hat der Ravensburger Verlag nun, für Kinder erzählt, veröffentlicht. Juan Ramón Jiménez zeigt mit dem kleinen, flauschigen und ganz sanften Esel Platero, dass die „Grautiere“ feinfühlige und neugierige Zeitgenossen sein können und sich, im Falle Plateros, nur zu gerne mit den bewegenden Fragen des Lebens auseinandersetzen.

Der Erzähler, der Dichter Juan Ramón Jiménez, und sein kleiner Esel Platero durchstreifen vom Frühjahr bis Winter Moguer, ein andalusisches Örtchen, sowie dessen einsame Umgebung. Juan Ramón Jiménez beschreibt die Welt des ländlichen Andalusiens durch die Augen eines neugierigen, erstaunten und wissbegierigen Kindes, da Platero erst vier Jahre alt ist.

Beide Protagnisten haben eine starke Beziehung zur Natur. Sie erleben gemeinsam die Ankunft der Schwalben im Frühjahr, die ersten warmen Sonnenstrahlen, fröhlich herumhüpfende Spatzen im Sommer bis hin zu den Tropfen an den Winterzweigen der Bäume, die aussehen wie kleine Diamanten. Sie lernen Freundschaften – und ganz besonders die Freundschaft zueinander – schätzen, die sich durch Hilfsbereitschaft und gegenseitiger Anteilnahme auszeichnet. Dabei erörtern sie bei ihren vielen Spaziergängen „ihre“ Themen, wie zum Beispiel die Frage, warum Platero nun einmal nicht zur Schule gehen kann. Beide lieben es, den Schmetterlingen nachzuschauen und würden am liebsten selbst fliegen können.

Doch eines Tages stirbt Platero im Beisein von seinem Freund und ständigen Begleiter Juan Ramón. Platero hatte vermutlich eine giftige Wurzel gefressen. Ein Schmetterling fliegt zu dieser traurigen Stunde im Stall umher. Juan Ramón ist nach dem plötzlichen Tod seines kleinen Freundes sehr bedrückt. Bei einem Besuch an Plateros Grab begegnet ihm wieder ein Schmetterling, den er als Plateros Antwort versteht auf die Frage, ob auch Platero an ihn denkt.

Ein Jahr nachdem Juan Ramón die Geschichte von Platero geschrieben hat, schenkt eine Freundin ihm einen Pappesel, der Platero ein wenig ähnelt. Juan Ramón fühlt sich noch immer einsam, aber die Erinnerungen an die vielen schönen Momente mit seinem Platero sind so kraftvoll, dass Juan Ramón wieder neuen Mut schöpfen kann, denn auf ganz besondere Weise erleichtern sie ihm sein Leben.

So niedlich der hübsche und freundlich dreinblickende Esel inmitten eines Blumenfeldes auf dem Cover auch erscheint; man sollte sich nicht von der kindgerechten Aufmachung, mit den zahlreichen stimmungsvollen Illustrationen von Bettina Gotzen-Beek, täuschen lassen. Seiner Aufmachung nach scheinbar für Kinder unter sechs Jahren gemacht, eignet es sich durch die teilweise anspruchsvolle Sprache nur bedingt für diese Altersgruppe. Für 7- oder 8-jährige Kinder (wie vom Verlag empfohlen) hingegen scheint mir das Thema wenig reizvoll, da es zahlreiche andere Titel für das Alter gibt, die auf Anhieb mehr interessieren dürften. Für eine Altersempfehlung also eine schwierig einzuordnende Mischung. Dennoch: „Platero und ich“ ist ein wunderschönes, leises Buch, das, hat man einmal seine Poesie für sich entdeckt, vielleicht auch gerne seinen Kinder vorstellen möchte.

„Platero und ich“ ist eine fast volkstümliche und unterhaltsame Geschichte. Juan Ramón bringt uns mit jeder seiner kurzen Episoden die Schönheit und die wunderbare Vielfalt der Natur näher. Erstmals erschien „Platero und ich“ 1914 in einer noch unvollständigen Ausgabe, dann, drei Jahre später, in der endgültigen Fassung. „Platero und ich“ gehört heute zur Weltliteratur.

Die vorliegende Nacherzählung für Kinder von Rosa Navarro Duran, ins Deutsche übersetzt von Katharina Diestelmeier, schildert die sehr emotionale Geschichte auf eine ruhige und meist verständliche Weise. Doch im Hinblick auf die manchmal komplexe Betrachtungsweise des Autors kann sein Inhalt die junge Leserschaft zunächst natürlich nur oberflächig berühren, schließlich verfügen Kinder nicht über den Erfahrungsschatz eines Erwachsenen. Die Sprache ist klar und von einer schönen Poesie. Lange, verschachtelte Sätze wechseln sich jedoch immer wieder mit leicht verständlichen Textabschnitten ab.

Die Handlung erstreckt sich in über 58 Begebenheiten im Leben der beiden besonderen Freunde – allesamt in abgeschlossenen Geschichten unterteilt – und eignen sich daher gut, Stück für Stück vorgelesen, bzw. gelesen zu werden.

Wichtige Werte des Lebens, wie Freundschaft und Hilfsbereitschaft, werden klar hervorgehoben, obgleich die Traurigkeit des Erzählers Juan Ramón Jiménez nicht nur eine vorübergehende Depression zu sein scheint, sondern sein Lebensgefühl darstellt. Er zieht sich zurück, mag keine Menschenansammlungen, wie sie es anlässlich der Stierkämpfe oder beim Karneval gibt. Er geniesst vielmehr die scheinbare Zweisamkeit mit seinem Esel Platero, mit dem er seine philosophischen Gedanken teilen kann. Auf diese Weise wird Platero zum Bindeglied zwischen Mensch und Natur.

Am Ende stirbt der Esel – bei sensiblen Zuhörern könnte das Tränen geben oder wenigstens ein großes imaginäres Fragezeichen über den Köpfen der Kinder. Zwar schildert Jiménez, was ihm von Platero bleibt und wie sehr ihn seine Erinnerungen trösten; doch für ein Kind ist das Ende keine leicht verdauliche Kost und bedarf ein wenig Begleitung durch einen Erwachsenen.

Jedes der 58 Kapitel wird von einer kleinen, zum Titel passenden Illustration eröffnet. Desweiteren finden wir 41 begleitende Illustrationen von Betina Gotzen-Beek, die die Stimmung der Geschichte wunderbar aufgreifen und unterstreichen. Neben den schönen Darstellungen der Natur- und Pflanzenwelt gibt es zahlreiche Illustrationen, die die Stimmung der Geschichte oder der beschriebenen Landschaft wiedergeben. Die hier abgebildete Ruhe überträgt sich auch beim Lesen und Betrachten des poetisch-liebenswerten Buches.

Fazit:

„Platero und ich“ ist ein Stück Weltliteratur, das auch Kinder mit seiner leichten und etwas schwermütigen Poesie beeindrucken kann. Sogar für kleine „Actionliebhaber“, die hier vielleicht nicht auf Anhieb auf ihre Kosten kommen, besteht die Möglichkeit, sich über die Sympathie zu dem kleinen Esel der ruhigen und gefühlvollen Geschichte anzunähern. Ein Versuch wäre es allemal wert.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

Meinungen zu diesem Buch

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Carlos Melches meint:
Das Buch wurde in Spanien und vielen lateinamerikanischen Ländern in der Schule gelesen. Aufgrund der andalusischen Umgebung ist es evtl. erforderlich, Hintergrundinformation bei den Übersetzungen zu liefern. Ein sehr schönes Werk!
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