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Buchcover: Kate DiCamillo: Little Miss Florida

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Little Miss Florida von Kate DiCamillo

erschienen bei dtv

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Louisiana ist Waise und so arm, dass ihre Großmutter Essen stiehlt und sie in ihrem ärmlichen Zuhause keinen Strom haben. Raymies Vater ist ohne ein Wort gegangen, um mit seiner Geliebten ein neues Leben anzufangen; und sie hofft, ihn zurückholen zu können. Und Beverly ist ein toughes Mädchen, das von ihrer Mutter zu einem Casting und Wettbewerb nach dem anderen geprügelt wird, im wahrsten Sinne des Wortes. Am Anfang verbindet die drei Mädchen nur, dass sie alle am Wettbewerb „Little Miss Florida“ teilnehmen wollen. Am Ende hat das Leben Freundinnen aus ihnen gemacht.

Das Cover sieht aus wie ein Drei-Ausrufezeichen Abklatsch für kleine Mädchen und das ist ungünstig. Einerseits wird keiner, der nicht auf Drei-Ausrufezeichen und ähnlichen Detektiv-Freundinnen-Alltag steht, das Buch in die Hand nehmen und andererseits wird, wer es in die Hand nimmt, weil er einen Band Girlie-Lesefutter erwartet, damit nicht viel anfangen können. Denn die Geschichte um Louisiana, Raymie und Beverly ist viel härter und trauriger, komischer und skurriler, verwickelter und lebendiger, märchenhafter und fantastischer als das Cover vermuten lassen würde.

Die drei haben deutlich mehr Probleme als die sonst typischen Mittelschichts-Buchprotagonisten, die mit einem überstrengen Lehrer und einer leicht verrückten Oma ausreichend ausgelastet sind, vor allem, wenn die Mutter auch noch auf dem Vollwerttrip ist und kein Nutella mehr kauft. Alle drei wollen „Little Miss Florida“ werden, das ist auch der Grund, warum sie sich treffen: beim Unterricht fürs Stockschwingen, das man beim Wettbewerb können sollte. Raymie will mit dem Titel ihren Vater beeindrucken und ihn damit nach Hause zurück holen. Louisiana braucht das Preisgeld als Lebensunterhalt für ihre Großmutter und sich und hofft außerdem, dann vielleicht ihren Kater Archie aus dem Tierheim zurückholen zu können. Und Beverly, die anders als ihre Mutter den ganzen Flitterkram solcher Wettbewerbe hasst, will „Little Miss Florida“ sabotieren.

Weil auf dem Anmeldebogen für den Wettbewerb nach guten Taten gefragt wird, will Raymie im Altenheim vorlesen. Das Geschrei einer dementen alten Dame erschreckt sie fast zu Tode, sie rennt weg – und vergisst das Buch, ein Büchereibuch, das sie natürlich wieder zurückgeben muss. Sie überredet die anderen beiden Mädchen ihr zu helfen, und verspricht, danach auch Kater Archie zu befreien.

Das alles ist schon sehr ernst, hat aber auch viel Komisches, weil die Kinder einfach so klasse sind. Louisiana ist theatralisch und oft in einer anderen Welt, außerdem lungenkrank und fällt wirklich ab und zu mal in Ohnmacht. Beverly besteht auf ihrer Toughheit, zeigt ihre blauen Flecken und schwingt das Taschenmesser und Raymie ist immer nur verwirrt und hat das Gefühl nichts zu verstehen, macht aber oft einfach genau das Richtige. Und wenn gar nichts hilft, sagt sie zu sich selbst „Phhhht&.“, so wie ihre alte Nachbarin, der sie ab und zu die Fußnägel schneidet. Die Erwachsenen sind mindestens genauso verschroben und überfordert, wenn nicht noch mehr, weil eigentlich müssten sie, nun ja, erwachsen sein eben. Ausnahme ist die Sekretärin von Raymies Vater, die auf jeden Fall immer Süßigkeiten und ein liebevolles Wort zu verteilen hat. Und die Krankenschwester Ruthie, die den großen Showdown managt. Denn am Ende wird es noch ziemlich verwickelt:

Die drei holen das Buch und machen sich dann auf ins Tierheim. Kater Archie ist da nicht, dafür ein verwahrloster schrecklich heulender Hund, den die drei kurzerhand mitnehmen. Weil Louisiana und auch der Hund nicht mehr so schnell können, schieben sie die beiden in einem geklauten Einkaufswagen. Der macht sich sperrig selbständig und rast die abschüssige Straße runter ein einen Teich. „Ich kann nicht schwimmen“, ruft Louisiana noch. Aber Raymie hat in den letzten Ferien einen Rettungsschwimmerkurs absolviert – was ihre Mutter im Übrigen genauso überspannt fand wie jetzt das Stockschwingen und den Wettbewerb – und sie rettet Louisiana, bringt sie dazu, das Wasser auszuspucken und lotst den Trupp dann zum Krankenhaus. Wo die Mädchen glücklicherweise und endlich auf ebenjene Schwester Ruthie treffen, die alles in die Hand nimmt und am Ende ist das Ende „happyer“ als gedacht, wenn auch anders.

Fazit

Das Cover ist viel zu süß für dieses verschrobene, ehrliche und wundervolle Märchen, in dem das armes Waisenkind Louisiana, die toughe Beverly und die vaterlose Raymie von Konkurrentinnen zu ziemlich besten Freundinnen werden und es auch noch hinkriegen, das am Ende zwar nicht alles gut wird, aber doch viel besser als gedacht.

Sigrid Tinz

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