48. Kinderbuchmesse Bologna

Die 48. Kinderbuchmesse in Bologna.

Was ist das? Zwischen all den perfekten Büchern, die mit ihren bunt glänzenden Einbänden um die Wette locken, liegt etwas Graues: Es ist gerade mal handgroß und sieht mit seinen Buchdeckeln aus dicker Pappe aus, als wenn es gebastelt wurde. Es passt so überhaupt nicht in das Bild: Jemand muss es vergessen haben, vielleicht ein Illustrator? Egal, jedenfalls macht es schrecklich neugierig: „Rabbit“ steht auf dem kleinen Bild auf der Vorderseite und über einem kohlrabenschwarzen Fenster schaut ein schneeweißes Häschen zu uns in die Welt hinein. Oder aus ihr hinaus? Jedenfalls kommt es aus einem anderen Kosmos mit seinen rosenroten Bäckchen und den riesenlangen Ohren. Mit einem wachsamen Blick nach rechts und links nimmt man vorsichtig die kleine Preziose in die Hand und wartet einen bangen Moment, als hätte man etwas Unerlaubtes getan. Aber nachdem sich auch dann noch niemand mit einem entsetzten Schrei auf einen gestürzt und das Büchlein aus der Hand gerissen hat, wird man es so schnell auch nicht wieder hergeben.

48. Kinderbuchmesse Bologna

Schrilles, Oberflächliches, Grellbuntes und auch Glattes konnte man auf der 48. Kinderbuchmesse in Bologna entdecken. Aber auch lyrische Kostbarkeiten wie „Rabbit“: Fast ohne Worte erzählt die Koreanerin Jisun Lee in poetischen und skurrilen Bildern und bizarr märchenhaften Collagen die Geschichte eines kleinen Hasen – geträumt von einem kleinen Jungen -, die sich immer mehr verzweigt, neue Fenster, neue Türen öffnet in neue Welten mit neuen Erkenntnissen, neuen Wahrheiten, neuen Zaubern.

Es ist tatsächlich ein Prototyp, ein Leporello, den Jisun Lee einfach unauffällig zu den anderen Bücher legte. Prämiert wurde ihr veröffentlichtes Buch „The Black Lion“ zwar nicht, aber die Jury wählte für den renommierten internationalen Kinderbuchpreis zwei andere koreanische Bücher aus: In der Kategorie „Non Fiction“ bekam „A House of the Mind: Maum“ von Kim Hee-Kyung den ersten Preis: eine Suche nach der Heimat im Herzen, das man nicht flach auf den Tisch legt, das seine Dreidimensionalität entfalten muss. „The Stories shouldn’t be true“ von Gang Gyeong-Su wurde lobend erwähnt, wie auch eine deutsch-polnische Koproduktion, „Fantje“ von Adam Jaromir und illustriert von Gabriela Cichowska, erschienen bei den Verlagen Muchomor (Warschau) und Gimpel (Hannover).

48. Kinderbuchmesse Bologna

Mehr als 1200 Verlage aus über 60 Ländern trafen sich auch dieses Jahr wieder auf der Kinderbuchmesse in Bologna, bei der Litauen Gastland war. In Bologna spielt die Poesie des Wortes und des Bildes eine viel größere Rolle als anderswo. Hier werden Lizenzen gekauft und verkauft und dennoch geht es familiär zu. Illustratoren mit dicken Mappen stehen hoffnungsvoll Schlange: Im Zehnminutentakt schauen sich die Lektoren die Zeichnungen an, und es ist bemerkenswert, mit welch freundlicher Geduld sie sich auf jeden einzelnen einlassen. Viel Neues bot die Messe nicht, da waren sich die deutschen Verlage einig. Collagierte Bücher, die man hauptsächlich bei den Italienern fand, kommen bei den Deutschen nicht so gut an. Dafür Themen wie Weltuntergang (100 Jahre Titanic), „sprechende Handys und sprechende weibliche Bleistifte“ (Thienemann Verlag). Auch die Begeisterung für Pop-ups hat abgenommen, dafür liegt 3-D im Trend, vor allem beim Sachbuch, wo sich die Zielgruppe zu Jüngeren verlagert.

48. Kinderbuchmesse Bologna

Aber die Kinderbuchmesse ist nicht nur auf dem Messegelände. Sie durchzieht Bologna wie ein Spinnennetz. Schon im Bus dorthin wird über Bücher geredet, spricht der ältere israelische Autor Yehuda Atlas drei junge Frauen aus Litauen an, drückt ihnen sein neuestes Buch in die Hand: „It’s me“ erzählt auf eine unprätentiöse Art die Erlebnis- und Gedankenwelt eines kleinen Jungen: vom Fingerspitzenhändewaschen bis zum Suppe-, Salat- oder Schokoladeessen („Schokolade will ich immer.“). Und abends trifft man sie in den Restaurants wieder, die Norwegerin Johanne, die Französin Coline und den Japaner Komagata: Die Kinderbuchmesse ist in ganz Bologna.

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www. Bolognachildrensbookfair.com

 

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