Die Geisterflüsterer lesen vor

Die „Geisterflüsterer“ lesen vor.

Am 11. August 2009 gaben die Essener „Geisterflüsterer“, die Gewinner des Deutschen Vorlesepreies 2008, in dem „Alten Speicher Frenkingshof“ im münsterländischen Appelhülsen ihr ebenso komisches wie gruseliges Vorleseprogramm zum Besten. Jörg Köchling, Vorsitzender eines regionalen Bündnisses für Familien (FamilJA) und selbst Lehrer, ist auf die „Geisterflüsterer“ des Viktoria Gymnasiums in Essen aufmerksam geworden und sie als Schlusspunkt des diesjährigen Ferienprogramms der Gemeinde eingeladen.

Die Geisterflüsterer lesen vor

Mit allerlei gruseligem Accessoire und einer alten Standuhr im Hintergrund sind die drei Essener Schüler von einer Atmosphäre umgeben, die passender kaum sein könnte. Die drei Dreizehnjährigen, Poline (Links), Carina (Rechts) und Leander (Mitte), der an dem Flügel, gleich nebenan, sein Publikum auch musikalisch entsprechend einzustimmen weiß, sehen sich etwa dreißig Kindern im Alter von etwa sechs bis neun Jahren gegenüber, die gespannt auf die Geschichten der „Geisterflüsterer“ warten.

Begleitet werden die drei von ihrer Lehrerin Angelika Kusenberg, die die Vorlesetalente seit Bestehen der Gruppe unterstützt. „Unsere Lesegruppe besteht im Augenblick aus 7 Kindern, 5 Kindern aus der 8. Klasse, einem Jungen aus der 11. und einem Mädchen aus der 13,“ so Frau Kusenberg. Ebenso ist auch die Mutter Leanders anwesend; beide erzählen mir ein wenig über die Lesebegeisterung der Kinder und wie überwältigend der Moment war, als die „Geisterflüsterer“ tatsächlich den Deutschen Vorlesepreis gewonnen hatten. „Schon die Nominierung hat uns überrascht. Aber wir hatten nie damit gerechnet, daß wir den Preis bekommen würden. Es war ein toller Abend …Auf meine Frage, wie es mit der Lesebegeisterung an ihrer Schule stünde, antwortet Frau Kusenberg: “Lesen muß ein Event sein." Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass so der Funke zum Weiterlesen überspringen kann. Vielleicht können Polina, Carina und Leander auch an diesem sonnigen Abend, hinter zugezogenen Vorhängen, den Kindern eine echten Ansporn geben, sich selbst einmal in die unendliche Welt der Bücher zu versenken.

Die Geisterflüsterer lesen vor

Schaurige Geschichten und ein gebanntes Publikum

Die erste kurze Geschichte, „Die Nacht bei Sir Walter“ stammt von Leander, der bereits seit dem zweiten Schuljahr eigene Geschichten verfasst. Die darauffolgende, zotige Geschichte von Christine Nöstlinger mit dem Titel „Florenz Tschinglbell“ gehört schon zum bewährten Programm der Gruppe. „Diese Geschichte haben wir schon öfter vorgelesen, weil sie genial ist, sie kommt gut an bei Kindergartenkindern, unserer Unterstufe und bei geistig behinderten Kindern. Jeder lacht allerdings an einer anderen Stelle!“ Berichtet Frau Kusenberg schmunzelnd.

Nun erwartet die Zuhörer eine wahrhaft schaurige Geschichte. Diejenigen, die eher zartbesaitet oder doch ein wenig zu jung sind, entschließen sich, währenddessen ihren Spaß woanders zu suchen; doch die Mehrheit ist unbedingt für echten Grusel! Polina, Carina und Leander lesen eine Geschichte von Lothar Sauer mit dem Titel „Freund Heiner“.

Eine rätselhafte Geschichte, die auf Anhieb neugierig macht und unbedingt fesselt. Offene Münder, große Augen und die entrückten Mienen des Publkums zeigen ziemlich eindeutig, wie gut die Geschichte ankommt. Immer mehr dem Boden zustrebend, lauschen sie ebenso entspannt wie gespannt der Geschichte. Verblüffend, wie lange das doch noch ziemlich junge Publikum so ruhig verharrt und keinen Mucks von sich gibt. Die drei „Geisterflüsterer“ lesen ruhig und betont vor. Es fällt leicht, ihren klaren und deutlichen Stimmen zuzuhören.

Die Geisterflüsterer lesen vor

Am Schluss erhalten die drei „Geisterflüsterer“ einen satten Applaus von ihrem Publikum, das sie über fünfzig Minuten bestens unterhalten haben. Auch jetzt noch sind die vielen Kinder auf angenehme Weise ruhig und ausgeglichen, obwohl es mittlerweile schon auf die 20.00 Uhr zugeht. Für mich wieder einmal ein Beweis dafür, daß Lesen auch den unruhigsten Geist besänftigen kann. Ich hoffe, dass das erfolgreiche Projekt sowie die Leseförderung des Viktoria Gymnasiums auch weiterhin Schule machen wird, so dass Aktionen wie diese Kindern häufiger geboten werden können.

„Die längste Vorlesestaffel der Welt“

Bei den Geisterflüsterern geht es schon bald mit einer neuen Aktion weiter: Sie nehmen bei dem Guinessbuch-Rekord „Die Längste Vorlesestaffel der Welt“ teil. Als Mitstreiter der Vorlesestaffel, bei der an 100 Orten – von der Zugspitze bis nach Sylt – immer eine Seite pro Tag aus dem neuen Sams Buch vom Oetinger Verlag vorgelesen werden soll, sind die Geisterflüsterer am 17. September mit der Buchseite 92 von „Onkel Alwin und Sams“ an der Reihe und werden in der Zeche Carl vorlesen. Na, da bleibt mir den sympathischen Vorlesern nur ein herzliches „Glück auf!“zu wünschen.
(Mehr über „Die längste Vorlesestaffel der Welt“ : www.derdeutschevorlesepreis.de oder www.stiftunglesen.de.

Wer die „Geisterflüsterer“ auch einmal einladen möchte, kann über die Seite des Viktoria Gymnasiums Kontakt aufnehmen: www.viktoriaschule-essen.de oder sich direkt an Frau Kusenberg wenden: angelika.kusenberg (at) gmx.de.

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Mit Kindern Lesen

Weitere Informationen zum Thema Leseförderung finden Sie in unserem Beitrag: Mit Kindern Lesen

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