Lesen bildet

Warum (Vor-)Lesen so wichtig für Ihr Kind ist.

Hin und her gingen die Diskussionen in den letzten Monaten. Da gab es die so genannten Tigermütter, die alles unternahmen, um ihrem Kind bestmögliche Förderung zugute kommen zu lassen. Und auf der anderen Seite diejenigen, die die „armen Superkinder“ bedauerten, die dem ständigen Förderwahn ausgesetzt sind.

Doch schon zuvor und immer noch gingen und gehen Diskussionen unter Eltern weiter, welches Maß an Förderung bzw. Forderung das richtige ist – für den eigenen Sprössling. Welchen Beitrag das tägliche (Vor-) Lesen in der Familie hier leisten kann, veranschaulicht das Special der Kinderbuch-Couch.

Lesen in der Familie.

In vielen Familien gehört das Vorlesen schon von früh an zum Familienalltag. Zunächst „lesen“ Eltern und Kinder altersgerechte Buggy- oder Stoffbücher mit Fühlelementen, später Bilder- und Wimmelbücher, dann Vorlesegeschichten wie Märchen und Erzählungen und schließlich gehört Kinder- bzw. Jugendliteratur einfach dazu. Doch – was hat das tägliche (Vor-) Lesen mit der Förderung der Kinder zu tun? Eine ganze Menge, denn das familiäre Lesen vermag Fähigkeiten und Kenntnisse in Ihrem Kind auszubilden, die es später in der Schule und im Beruf benötigt.

Lesen fördert die Sprachentwicklung.

Lesen in der Familie hilft Ihrem Kind, wichtige „pre-literacy“ Fähigkeiten zu entwickeln. Fähigkeiten also, die ihm das Sprechen und auch die Welt der Schriftsprache eröffnen.

Das gemeinsame Betrachten von Bilder- und Wimmelbüchern fördert schon von einem frühen Zeitpunkt an die Sprachentwicklung Ihres Kindes. Es lernt neue Wörter kennen, übt Satzstrukturen und trainiert, sich treffend auszudrücken. Fähigkeiten, die es einerseits im täglichen Schulunterricht, vor allem aber im Deutschunterricht benötigt. Auch für den Fremdsprachenerwerb ist dies von Nutzen. Denn – je positiver Ihr Kind den Spracherwerb erlebt hat, desto aufgeschlossener begegnet es anderen Sprachen.

Neben dem Ausbau des Wortschatzes nennt Dyer zusätzlich die Fähigkeit, über Sprache nachzudenken, die Einsicht in Buchstaben und die Motivation, diese zu schreiben – und die so genannte „phonologische Bewusstheit“ als Teile der „pre-literacy skills“. Im Rahmen der „phonologischen Bewusstheit“ gehen die Kinder mit Reimen, Silben und Lauten um. Sie reimen selbst und können beispielsweise Silben in Wörtern klatschen. Die phonologische Bewusstheit ist von besonderer Bedeutung beim Erwerb der Schriftsprache. Kinder, die hier Schwierigkeiten haben, können beim Lesen und Rechtschreiben auch Probleme entwickeln.

Lesen fördert die ästhetische Wahrnehmung.

Das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern, das genaue Benennen von Farben und Figuren fördern die ästhetische Wahrnehmung Ihres Kindes. Es lernt, genau hinzuschauen und Dinge treffend zu benennen. Nicht nur im Rahmen des Deutschunterrichtes – etwa bei der Aufsatzerziehung – sind diese Fähigkeiten gefragt. Später werden beispielsweise Gedichte bedeutsam, wenn es darum geht, sprachliche Ästhetik zu empfinden.

Auch im Kunstunterricht hilft es Ihrem Kind, Bilder genau betrachten und auch anschaulich beschreiben zu können. Ein Kind, das in der Lage ist, Bilder differenziert wahrzunehmen, wird selbst facettenreiche Bilder malen.

Lesen weckt Kreativität.

Was wäre, wenn …Indem Kinder Geschichten weiterspinnen oder aber andere Geschichten rund um ihre Lieblingsfiguren erfinden, werden sie kreativ. Vielfach malen und schreiben sie „ihre“ eigenen Bücher – was sie in der Schule auch immer wieder anwenden. Das Weitererfinden einer Geschichte ist eine wichtige Lesetechnik, die schon im Grundschulunterricht angewendet wird.

Fördern können Sie dies bei Ihrem Kind mithilfe so genannter „Textabbruchstellen“. Lesen Sie die Geschichte selbst vor der gemeinsamen Lektüre einmal durch. Überlegen Sie, an welcher Stelle Sie das Vorlesen unterbrechen könnten, sodass Sie gemeinsam mit Ihrem Kind überlegen, wie die Handlung weitergehen könnte. Lassen Sie Ihr Kind sein Ende der Geschichte aufmalen. Anschließend vergleichen Sie das Ergebnis Ihres Kindes mit dem tatsächlichen Ende.

Lesen fördert die Konzentration, Logik, Wahrnehmungs- und Merkfähigkeit Ihres Kindes.

Konzentration, Logik, Wahrnehmungs- und Merkfähigkeit – diesen Begriffen begegnen Sie und Ihr Kind in der Schule immer wieder. Ein Buch zu lesen, erfordert ein „sich darauf Einlassen“. Es erfordert außerdem Ausdauer und Konzentration, um über längere Passagen hinweg zu lesen. Figuren, Handlungen und Orte müssen wahrgenommen und permanent in einen Zusammenhang gebracht werden. Dazu ist es nötig, dass Ihr Kind sich immer wieder seiner Merkfähigkeit und Logik bedient.

All diese Fähigkeiten sind auch in Bezug auf mögliche Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben bedeutsam. Achten Sie deshalb zu Hause darauf, immer wieder Übungen einfließen zu lassen, die Ihrem Kind helfen, sich zu konzentrieren und eine Aufgabe ausdauernd zu bearbeiten. Spielerisch verpackt – etwa in Form von Memo-Spielen oder dem klassischen „Köfferchen packen“ – wird Ihr Sprössling diese mitmachen.

Lesen schafft Gemeinschaft.

Die oben genannten Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten sind zweifellos von besonderer Bedeutung für die schulische Laufbahn Ihres Kindes. Besonders wichtig ist es aber auch, dass Ihr Kind erfährt, dass Lesen keine einsame, sondern eine gemeinschaftliche Tätigkeit ist. Dies ist natürlich beim Betrachten von Bilderbüchern der Fall und auch beim Vorlesen. Doch auch später sollte das gemeinsame Lesen nicht zu kurz kommen. Ältere Kinder ziehen es vor, Bücher allein zu lesen – sie freuen sich aber dennoch sehr, darüber ins Gespräch zu kommen. Etwa dann, wenn ein Elternteil dasselbe Buch gelesen hat. Nutzen Sie zu Hause vielfältige Möglichkeiten, mit Ihrem Sprössling über das Gelesene ins Gespräch zu kommen. Interessieren Sie sich für den Lesegeschmack Ihres Kindes und beginnen Sie damit, Leseerfahrungen „zu teilen“.

Natürlich sollte jedes Elternteil am besten für sein Kind wissen, welche Form von Förderung diesem nützlich ist. Dass das Lesen mit all seinen Facetten aber einen nicht zu unterschätzenden Beitrag in Sachen „Förderung“ bedeutet, sollte gleichsam immer bewusst sein. Tag für Tag – und ganz ohne Zwang.

Literaturtipp:

Laura Dyer. Look who`s talking. Meadowbrook Press. 2004
Heide Niemann. Leselust: Kinder und Bücher – ein Ratgeber. Kallmeyer Verlag. 2004
Prof. Dr. med. Gerd Schulte-Körne. Ratgeber Legasthenie. Knaur Taschenbuch Verlag. 2009
David Wray/ Jane Medwell/ Louise Poulson and Richard Fox. Teaching Literacy effectively in the primary school. Routledge. 2002

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in unserem Special: „Mit Kindern lesen.“

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