2. Die Sprachentwicklung

Eltern-Kind-Beziehung

Damit ein Kind seine Sprache entwickeln kann, benötig es viele physiologische Fähigkeiten. In erster Linie ist aber eine gute Eltern – Kind – Beziehung wichtig. Ein Kind muss sprechen und sich mitteilen dürfen. So wird es auch zum Sprechen und zur Nachahmung von Sprache angeregt. Die Eltern sind die ersten Kommunikationspartner des Kindes und entscheiden, in wie weit es in seiner Sprache angeregt wird und sich entwickeln kann.

Liebe, Wärme und Akzeptanz sind die Basis für eine gute Sprachentwicklung. Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind und hören Sie ihm zu. Erzählen Sie selber viel von dem, was Sie erlebt und empfunden haben und beziehen Sie Ihr Kind in den alltäglichen Ablauf mit ein. Fragen Sie auch nach dem Empfinden des Kindes und nach dem, was es bewegt. Erfährt ein Kind einen ehrlichen und offenen Umgang und ein Interesse an seiner Person, wird es sich selber auch öffnen und von sich erzählen wollen. Intensive Momente (Vorlesen) und vielfältige sprachliche Anregungen aktivieren das Kind zum Sprechen. Sie als Eltern entscheiden, welche Anregungen Ihr Kind erhält, wie es Sprache erlebt und dementsprechend auch, welche Möglichkeiten es hat, sich sprachlich zu entwickeln.

Hörvermögen

Die Vorraussetzung für den ungestörten Spracherwerb ist ein normales Hörvermögen. Denn nur so kann ein Kind die richtigen Wörter und Laute hören, sie voneinander unterscheiden und sprechen lernen. Doch auch der Gehörsinn kann verkümmern, wenn er nicht trainiert wird. Dieses Training bedeutet, dass alle unnötigen Geräusche ausgeschaltet werden sollten, das Kind viele Phasen der Stille erleben sollte, um auch leise Töne differenziert wahrzunehmen und sensibel dafür zu werden.

Vermeiden Sie stetige Geräuschkulissen im Hintergrund, wie den permanent laufenden Fernseher oder stetiges Musik und Kassetten hören, wenn das Kind eigentlich mit etwas anderem beschäftigt ist. Hören Sie bewusst mit Ihrem Kind und machen Sie daraus ein Spiel. Verhalten Sie sich ganz ruhig im Raum oder im Wald und lauschen Sie intensiv den doch noch vorhandenen Geräuschen. Sie werden erstaunt sein, was es alles zu entdecken gibt.

Machen Sie Musik (mit selbst gebastelten Instrumenten) und erleben Sie gemeinsam die Vielfalt der Töne, von laut bis leise, von hoch bis tief. Finden Sie heraus, womit man noch alles Töne erzeugen kann. Machen Sie einen Spaziergang durch die Wohnung oder durch den Garten und klopfen dabei an die unterschiedlichsten Gegenstände. Schon ein paar Gläser mit unterschiedlich viel Wasser darin, laden zu einem Konzert ein.

So genanntes Richtungshören ist ebenfalls sehr wichtig für Kinder. Verstecken Sie einen Wecker an einer Stelle. Nur aufgrund des Klingelns soll Ihr Kind diesen finden. Auch können Sie Ihrem Kind die Augen verbinden und von verschiedenen Seiten her Töne erzeugen, dabei soll Ihr Kind in die Richtung zeigen, aus der, der Ton kommt. Viel Freude macht es Kindern auch, ihre eigene Stimme aufzunehmen und sich anzuhören, ebenso können auf diesem Wege lustige Rätsel entstehen.

Sehvermögen

Auch Sehen gehört zum Sprechen lernen. Das Sehen unterstützt die Entwicklung des Sprachverständnisses, weil das Kind den Gegenstand, den es sieht, mit dem Wort, das es hört, verbindet. Durch die Imitation von Sprechbewegungen lernt ein Kind allmählich Laute zu bilden. Hier ist das Sehen von höchster Wichtigkeit. Blinde Kinder haben zu einem hohen Prozentsatz Verzögerungen in der Sprachentwicklung.

Suchen Sie stets den Blickkontakt, wenn Sie mit Ihrem Kind reden. Achten Sie darauf, ob Ihr Kind Gegenstände mit den Augen verfolgen kann. Bilderbücher mit so genannten Wimmelbildern sind ebenfalls gut, um differenziertes Sehen zu üben. Die Umgebung eines Kindes sollte zwar fröhlich gestaltet sein, zu viele Farben, z.B. im Kinderzimmer oder beim Spielzeug irritieren aber und führen zu Unruhe. Das Kind kann seinen Blick dann nicht mehr entspannen und ist überreizt.

Ebenso sollte beim Fernsehen und bei Computerspielen, die sowieso nur einen ganz geringen Teil des Spieles bestimmen sollten, auf gute Grafiken und nicht zu schnell wechselnde Bilder geachtet werden. Bei vielen Zeichentricksendungen ist die Bildfolge so immens schnell, dass Kinder weder dieser, noch dem Inhalt der Geschichte folgen können. Gehen Sie auch regelmäßig mit Ihrem Kind zum Augenarzt!

Bewegung

Je mehr Möglichkeiten ein Kind hat, sich zu bewegen, desto geschickter und differenzierter werden seine Bewegungen. So entwickelt sich allmählich auch die schwierige Feinmotorik, die für das Ausführen der Sprechbewegungen ein hohes Maß an Perfektion erfordert. Diese feinen Bewegungsabläufe müssen beim Sprechen automatisiert sein, so dass dabei nicht mehr nachgedacht werden muss. Dies ist aber nur möglich, wenn sie oft genug trainiert wurden.

Geben Sie Ihrem Kind jeden Tag die Möglichkeit sich viel zu bewegen. Kinder finden es toll auch bei Regen draußen zu sein und mit geeigneter Kleidung ist dies kein Problem. Das Problem sind hier meist die Erwachsenen. Beziehen Sie Bewegung in den Alltag ein. Kurze Wege können zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt werden, statt des Aufzuges kann man die Treppe benutzen, machen Sie Familienausflüge in den Wald, zu Abenteuerspielplätzen, ins Schwimmbad, große Radtouren, anstatt ins Kino oder zum Kaffeeklatsch zu fahren.

Leben Sie Ihren Kindern selber einen bewegungsfreudigen Alltag vor. Zeigen Sie Interesse an Sport, toben Sie mit Ihrem Kind, spielen Sie Fangen und halten sich viel draußen auf. Lassen Sie Ihr Kind so früh es geht laufen, auch wenn der Weg dann länger dauert, anstatt es mit dem Kiddyboard oder dem Kinderwagen zu fahren und anschließend einen Motopäden aufzusuchen. Eine „kindersichere“ Wohnung lässt Kinder Spaß am Klettern und Bewegen erleben. Mit einfachen Mitteln, kann ein Kinderzimmer oder ein Keller in eine tolle Turnhalle umgebaut werden. Hierfür reichen ein paar große Pappkartons, Matratzen, Decken, ein Tisch und kindliches Ideenreichtum, um ein Abendteuerland entstehen zu lassen. Auch eine Schaukel im Haus ist sehr verlockend.

Die Feinmotorik kann gefördert werden, indem das Kind von klein auf den Zugang zu Kreativmaterialien, wie Schere, Stiften, Fingerfarben bekommt. Es wird hiermit experimentieren und mit der Zeit immer differenzierter umgehen können. Dabei ist es egal, wie das Ergebnis aussieht. Kostenloses Bastelmaterial, wie Joghurtbecher, Klopapierrollen, Korken, Bierdeckel, Papierreste, Wolle, Stoffe usw. finden bei den Kindern großen Anklang und Sie werden erstaunt sein, mit welcher Phantasie die tollsten Kunstwerke entstehen. Für ältere Kinder eignen sich sehr gut Webrahmen und Bügelperlen. Loben Sie Ihr Kind für das, was es getan hat. Hier ist eindeutig der Weg das Ziel. Lassen Sie Ihr Kind in der Küche helfen. Selbst zweijährige können gefahrlos mit einem stumpfen Messer umgehen und brauchen auch nicht mehr gefüttert werden.

Tastsinn

Die Haut ist unser erstes Kontaktorgan Ein Kind erfährt seine Umwelt auch über den Tastsinn. Auch bei der Bildung von Lauten spielen die Hautempfindungen eine Rolle. Zu Beginn der Lallphase produzieren Kinder immer mehr Lallmonologe, weil sie spüren, dass es sich gut anfühlt, wenn sie sich mit der Zunge am Gaumen berühren. Die differenzierten Sprechbewegungen im Mundbereich, sind über den Tastsinn zu kontrollieren.

Nehmen Sie möglichst oft Körperkontakt zu Ihrem Kind auf. Warum werden Babys stets im Maxi – Cosi durch die Welt getragen, anstatt auf dem Arm der Eltern? An dieser Stelle beginnen bereits erste Störungen des Tastsinnes und der Eltern-Kind-Beziehung, die anschließend aufwendig therapiert werden müssen.

Massagen und viele Streichel- und Schmusephasen sind für Babys und Kinder überlebenswichtig. Sind die Kinder bereits älter, ab 3. LJ, können Massagen auch in kleine Spiele umgewandelt werden. So kann man auf dem Rücken der Kinder eine Pizza backen oder einen Spaziergang durch den Zoo machen. Hierbei erzählt man oder auch das Kind eine Geschichte, z.B. welche Tiere es im Zoo gibt, und macht deren Laufbewegungen auf dem Rücken nach. So trippelt eine Maus ganz schnell und leicht, wogegen der Elefant mächtig stampft.

Ebenso Ratespiele, bei denen einer die Augen verbunden bekommt und der andere auf eine bestimmte Körperstelle tippt, und dies nun erraten werden muss fördern Körperbewusstsein und erweitern den Wortschatz. Lassen Sie Ihr Kind, Kind sein und schützen sie es vor übermäßiger Hygiene. Krabbelkinder sollen verschiedene Untergründe kennen lernen, lassen Sie Ihr Kind draußen krabbeln und die Welt entdecken. Das Tolle an Kindern ist, dass sie so leicht zu reinigen sind: lassen Sie Ihr Kind matschen und buddeln, wie es will, es bekommt so bergeweise Erfahrungen über seinen Tastsinn. Auch Barfuss laufen birgt eine Menge Informationen in sich.

Konzentration

Ein hohes Maß an Konzentration ist notwendig, um den schwierigen Prozess des Sprechen Lernens erfolgreich zu bewältigen. Die Automatisierung des Sprechens, d.h. sprechen, ohne über das nächst folgende Wort nachdenken zu müssen, ist nur möglich, wenn alle Sinneswahrnehmungen miteinander verknüpft werden.

Schaffen Sie Ihrem Kind, wie oben beschrieben, vielfältige Möglichkeiten zur Sinneswahrnehmung. Ein Kind das sich und seinen eigenen Körper gut kennt, ist auch mit zunehmendem Alter mehr und mehr in der Lage sich zu konzentrieren. Es ist sich seiner selbst sicher und kann sich dem zur Folge mit Eindrücken beschäftigen, die auf ihn einströmen, ohne sich permanent um sich selber kümmern zu müssen. Dies bedeutet z.B. dass Kinder, die motorisch gut entwickelt sind, sich meist auch in Spielsituationen gut konzentrieren können. Sie müssen auf dem Bauteppich nicht mehr überlegen, wie sie einen Stein anfassen müssen, sondern haben dies bereits automatisiert.

Gleiches gilt z.B. beim Malen und besonders beim aktiven teilnehmen an größeren Gruppen. So können Kinder, die Sinneswahrnehmungen gelernt haben zu verarbeiten, im Stuhlkreis oder in der Schule besser zuhören, da sie in der Lage sind, sich auf den Inhalt zu konzentrieren und nicht mehr so viel mit sich selber beschäftigt sind und sich nicht so leicht ablenken lassen. Ruhephasen sind wichtig, um Kindern Konzentration beizubringen. Dazu gehört z.B. geduldiges Vorlesen und Spielen mit dem Kind. Wie soll ein Kind lernen, sich auf eine Sache zu konzentrieren, wenn Erwachsene während des Spieles mehrmals zum Telefon laufen oder nebenbei etwas anderes machen, womöglich noch der Fernseher läuft? Achten Sie, besonders einige Zeit vor Schuleintritt, darauf, dass Ihr Kind in der Lage ist sich ca. 20 min mit einer, egal welcher, Sache intensiv zu beschäftigen.

Das Sprachverständnis entwickelt sich vor dem Sprechen lernen. Das Kind nimmt seine Umwelt immer differenzierter wahr und lernt ähnliche Dinge voneinander zu unterscheiden und diese auch mit unterschiedlichen Wörtern zu betiteln. Es ist daher wichtig, dass Eltern ein gesprochenes Wort mit der jeweiligen Situation in Verbindung bringen. Ihr Handeln also kommentieren. Mimik, Gestik und Tonfall machen dem Kind den sprachlichen Inhalt weitergehend klar.

Erläutern Sie Ihrem Kind, was Sie gerade tun, z.B. wenn Sie Ihr Kind wickeln, verbalisieren Sie jeden Handlungsschritt oder bei der Hausarbeit. So hört das Kind viele Begrifflichkeiten und lernt, diese mit dem eigenen Handeln in Verbindung zu bringen und einzelnen Dingen zuzuordnen. Sprechen Sie von Anfang an sehr viel mit Ihrem Kind, singen, lesen und erzählen sie selbst. Eine Kassette hat nicht die Wirkung, dass sie das Sprachverständnis eines Kindes erhöht, zumal das Kind hier keinen sichtbaren Bezug zur Realität findet. Anstatt im Auto das Radio laufen zu lassen, können Sie kommentieren, was Sie draußen sehen, singen, Geschichten erzählen oder, sobald das Kind beginnt zu sprechen, Spiele wie „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ spielen.

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