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Buchcover: Juma Kliebenstein: Der Tag, an dem ich cool wurde

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der Tag, an dem ich cool wurde von Juma Kliebenstein

erschienen bei Oetinger

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 9 Jahren]

Martin Ebermann scheint der lebende Beweis für „Murphy´s Law“ zu sein: Alles geht bei ihm schief, was schiefgehen kann. Schon der Start auf der neuen Schule ist ein Desaster. Und dann ist da noch die Sache mit seiner großen roten Brille und seiner vollschlanken Figur …wie gerne wäre er so cool wie die „FabFive“.

Martin, der lieber zu Hause hockt und naturwissenschaftliche Experimente durchführt, als draußen Fußball zu spielen, wird schnell zum Außenseiter in seiner neuen Klasse. Und das nutzen die supercoolen Jungs in seiner Klasse nun erbarmungslos aus. Angefangen von den üblichen Hänseleien bis hin zu Handgreiflichkeiten muss Martin so manches über sich ergehen lassen. Schließlich fährt er jeden Morgen einen Bus früher zur Schule, damit er den anderen so oft wie möglich aus dem Weg gehen kann. Martin schildert selbst, ganz nüchtern und frei von jedem Selbstmitleid, dass er auch ruhige Zeiten hatte, in denen die coole Gang ganz mit sich beschäftigt war und ihn nicht beachtet hat. Für den Rest seiner seiner Klasse ist er – auch da macht er sich nichts vor – eigentlich nicht existent.

Doch das ändert sich schlagartig, als „Karli“ in seine Klasse kommt. Mit seinen Segelohren, die immer rot leuchten, wenn er aufgeregt ist und seiner piepsigen Stimme, wird auch er schon am ersten Tag ausgelacht. Karli sitzt von nun an auf dem freien Platz neben Martin. Schnell finden die beiden Jungs heraus, wie viele Gemeinsamkeiten sie haben. Sie lieben Rock-Musik und erkennen amüsiert – denn sie können zum Glück noch über sich selbst lachen – dass sie wohl die „Freaks“ der Klasse sind. Das schweißt zusammen.

Noch immer auf der Schikaneliste der „coolen Jungs“ ganz oben, haben Martin und Karli es nicht leicht und sie nehmen sich vor, gemeinsam etwas gegen die fabelhaften Fünf zu unternehmen. Dabei spielt ihnen der Zufall in die Hände, denn sie hören heimlich mit an, dass die Bande nachts ins Schwimmbad einbrechen will. DIE Gelegenheit, ihnen alle Klamotten wegzunehmen, so dass sie splitterfasernackt quer durch die Stadt nach Hause laufen müssen!

Ihr Druckmittel gegen die Fünf soll sein, dass sie deren Eltern erzählen würden, wo sich ihre lieben Söhne nachts so herumtreiben – doch dabei machen sie einen gewaltigen Denkfehler: Wie hätten die Eltern nicht davon erfahren sollen, wenn ihre Jungs plötzlich mitten in der Nacht nackt vor ihrer Haustür stehen?

Ein Anruf von dem supercoolen Anführer Lucas genügt und Martin ist klar, dass Karli und er nun ein gewaltiges Problem haben.

Doch auch ihre Familien haben noch ein Hühnchen mit Martin und Karli zu rupfen, denn auch ihr nächtlicher Ausflug im Schwimmbad ist nicht unbemerkt geblieben, da Martin in einer Kinderrutsche stecken geblieben ist und von seinem Vater und seinem Opa gerettet werden musste.

Die „Strafe“: Karli und Martin fahren mit Opa und Eric, Martins Vater, in den Campingurlaub. Zunächst erleichtert, dass sie nun doch aus der Schusslinie der FabFive kommen, stellen sie bald fest, dass ihnen so manche Strafarbeit aufgebrummt wird. Aber nur so bekommen sie nach und nach ihre MP3Player, Nintendos und Computerzeitschriften zurück. Was zunächst wie ein großer Reinfall aussieht, entpuppt sich für die beiden Freunde zum richtigen Glücksfall. Denn so lernen sie auf ihrem Weg zum Bäcker zwei nette Mädchen kennen, machen mit deren Brüdern coole Rock-Musik und Martin verliert nicht nur an Gewicht, sondern auch seine schreckliche Brille, so dass er endlich Kontaktlinsen bekommt. Ihren Plan, wie sie im Urlaub üben wollen, cool zu werden, haben sie schon bald vergessen.

Und sie verlieren noch mehr „Ballast“, nämlich den Respekt vor Lucas, dem coolen Anführer der FabFive. Der ist nämlich gar nicht mit seinen angeblich so reichen Eltern auf Bali, sondern bei ihnen auf dem Campingplatz. Sie beobachten, wie Lucas unter seinen unglücklichen Eltern zu leiden hat – vor allem unter seinem tobsüchtigen Vater, der auch vor Schlägen nicht zurückschreckt. Obwohl es Martin und Karli gelingt, diesen Trumpf geschickt gegen die Lucas auszuspielen, so tut er ihnen doch leid und es fällt ihnen leicht, mit niemandem über die Wahrheit zu reden. Mehr noch: Sie verstecken Lucas vor dessen Vater und Martin hilft Lucas schließlich bei einem Vokaltest. Doch Freunde, da ist sich Martin sicher, Freunde werden die beiden nicht mehr, doch das ist O.K. Denn einen besten Freund hat er ja schon und wichtig ist ihm nur, dass sie nun endgültig in Ruhe gelassen werden. Er hat verstanden, dass sie gar nicht auf diese eine Weise cool sein müssen um toll zu sein; sie müssen einfach nur sie selbst sein, dann kann auch „Murphy´s Law“ dort bleiben, wo es hingehört, nämlich im Reich der grauen Theorien.

Juma Kliebenstein beginnt allerdings ihre witzige Erzählung voller Selbstironie an einer Station, die für Murphy´s Law wie geschaffen zu sein scheint: Martin steckt in dem Elefantenrüssel einer Kinderrutsche fest – und das ausgerechnet, kurz bevor die fabelhaften Mobber ins Schwimmbad kommen. Martin schildert seine Geschichte bis zu diesem Punkt in Rückblenden, während er da so feststeckt, und fährt schließlich mit der Geschichte fort; angefangen von dem Denkfehler in ihrem genialen Plan bis hin zu dem Moment, da für Martin endlich alles so ist, wie es sein sollte – und wie es sich richtig gut anfühlt.

Sehr alltagsnahe und pointiert erzählt Juma Kliebenstein durch die Perspektive Martins, der durch seinen nahezu analytischen Durchblick bestens zu unterhalten weiß. Natürlich schildert Martin seine überaus peinlichen Missgeschicke ziemlich humorvoll, doch man spürt auch seine Verzweiflung. Seinen Eltern erzählt er natürlich nichts von seiner Außenseiter-Rolle. Aber auch wenn seine Familie ziemlich merkwürdig ist und seine Eltern sich scheinbar einen sportlichen Wettkampf im Streiten mit anschließendem Schmollen liefern, fällt ihm gerade an Lukas Familie auf, wie falsch der äußere Schein doch sein kann und wie herzlich der Umgang in seiner Familie ist. Der Urlaub auf dem Campingplatz eröffnet Martin in vielerlei Hinsicht eine neue Perspektive; losgelöst vom Außenseiter- und Freak-Image kann er neue Erfahrungen machen und Menschen begegnen, die ihm eine Person spiegeln, die er bisher noch nicht wahrgenommen hat. Er war so sehr darauf fixiert, so zu werden wie die vermeintlich Coolen, dass ihm dieser andere Martin verborgen blieb. Wie wichtig dabei Freundschaften sind, das zeigt Juma Kliebenstein sehr eindrucks- und geradezu liebevoll, nämlich immer dann, wenn Martin Karlis ganz besondere Eigenheiten schildert.

Wie sich vom absoluten Tiefpunkt aus alles nach und nach zum Guten wendet, das ist eine durchweg unterhaltsame und achtsame Geschichte für alle Jungs ab neun Jahren. Ganz auf Augenhöhe begegnet die Autorin durch Martin ihren Lesern, bringt sie zum Lachen, benennt Wahrheiten auf so schlichte und dennoch so prägnante Weise, dass sie zweifellos die Zustimmung der Jungs im gleichen Alter erntet. Ihre Sprache ist einfallsreich und sehr nahe an der Art, wie Jungs eben so denken und sprechen. Besonders die Art, wie Martin die Dinge beschreibt, zeigt, wie klug er einerseits ist aber auch wie stark er sein muss, um diesem täglichen Druck stand zu halten. Über diesen sympathischen und glaubwürdigen Protagonisten und Erzähler ist es leicht, Jungen eine wichtige Botschaft zu vermitteln: Cool zu sein bedeutet nicht, einem gängigen Muster zu entsprechen. Juma Kliebenstein ermutigt damit Jungs, zu sich und zu ihren Stärken und Schwächen zu stehen und wie Karli und Martin ihr eigenes Ding zu machen.

Ein wenig „pädagogisch wertvoll“ wirkt es schließlich dann doch noch, als Martin lernt, dass draußen mit Freunden zu sein mehr Spaß macht, als immer nur im Zimmer zu hocken; und dass mehr Bewegung den Bauch schrumpfen lässt – was nicht nur gesünder ist, sondern auch besser aussieht – wird auch mal ganz nebenbei klar. Ein bisschen muss diese innere „Wandlung“ ja auch äußerlich erkennbar sein, so dass aus dem komischen dicken Jungen am Ende ein ansehnlicher Kerl wird, den die Mädchen mit großen Augen anschauen. Aber das ist O.K., denn es wird den Jungs gefallen und das ist die Hauptsache.

Fazit:

Juma Kliebenstein kann selbst die scheinbar alltäglichsten Dinge so erzählen, dass man nur zu gerne in ihre Geschichte folgt. Mit viel Humor und Wortwitz erschafft sie sympathische Akteure mit großem Identifikationspotential – und nebenbei auch so manch schräge Nebenfigur. Auch wenn manches fast zu schön wirkt, um wahr zu sein: Jungs werden das Buch mögen und die witzige Geschichte über die alltäglichen Katastrophen macht ihnen hoffentlich Mut, zu sich selbst zu stehen und sich nicht unterkriegen zu lassen.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

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