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Buchcover: Thomas Lehr: Tixi Tigerhai

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Tixi Tigerhai von Thomas Lehr

erschienen bei Aufbau-Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

„Osterhasen kämpfen nicht“ – und so ist es ein grosses Glück, dass es Tixi Tigerhai gibt. Zusammen mit ihrem Freund Hänschen Haifischflosse und dem Osterinsel-König Tiwi gelingt es ihr, den bösen Gebrüdern Schwarzbauch das Spiel gründlich zu verderben. Und wer jetzt noch denkt, hier geht es um Ostern im klassischen Sinne, der hat sich gründlich getäuscht …

 …denn die rasante Geschichte um die Entführung der Osterhasen entwickelt sich nicht nur zu einem echten Abenteuer sondern auch zu einem regelrechten Krimi, der reich an abenteuerlichen Erfindungen, technisch faszinierenden Fahr- und Flugmaschinen und geheimnisvollen Verstecken ist.

Aber nun erst mal der Reihe nach: Tixi, die einst von Gangstern in einem Flugzeug entführt wurde, landet unter fast unglaublichen Bedingungen heil auf der Osterinsel. Mitten auf dem heissgeliebten Fernseher vom Häuptling und König Tiwi. Die Insulaner, die sich ohne Unterlass streiten, staunen für einen Moment nicht schlecht, doch dann verfallen sie wieder in ihren üblichen Streit und zanken nun darüber, ob Tixi Tigerhai auf ihrer Insel bleiben darf oder nicht. Doch für Tixi ist die Entscheidung längst gefallen und für den leidgeprüften Tiwi ist das Mädchen, das vom Himmel fiel, überaus willkommen: Endlich eine, die nicht immerzu streitet und ihn so von der Flimmerkiste fernhält.

Eines Tages klettert Tixi auf einem der grössten „Hauköpfe“ (so nennen die Eingeborenen die grossen Steinköpfe die überall auf der Osterinsel stehen) und wird ganz unerwartet unter die Erde befördert. Sie befindet sich in einem geheimnisvollen Gang mit leuchtenden Hasenspuren und kracht plötzlich mit jemandem zusammen: Hänschen Haifischflosse. Die beiden Kinder sind sich auf Anhieb sympathisch und auf ihrem Weg durch die „Hasengänge“ erzählt ein jeder seine Geschichte. Hänschen erzählt, dass er ebenfalls entführt wurde, aber an seinem Bestimmungsort angekommen ist: Im Heim der verlorenen Kinder. Doch aus der ausbruchssicheren Festung mitten im Gipfeleis kann er mit Hilfe eines Osterhasen fliehen. Seitdem lebe er bei ihm, dem Osterhasen Hubert Flitz. Doch nun, erkärt Hänschen, verschwinde ein Osterhase nach dem anderen auf unerklärliche Weise.

Es ist letztlich nicht verwunderlich, dass hinter all dem jenes Brüderpaar steckt, das geschäftsmässig Kinder entführt und sie gegen Lösegeld wieder zu ihren Eltern lässt. Jetzt haben die Brüder Schwarzbauch einen noch teuflischeren Plan: Sie wollen die Osterhasen entführen (17 von 40 haben sie bereits in ihrer Gewalt) und allen Kindern einen Erpresserbrief schreiben: Nur wenn ihre Eltern an jedem ersten Februar das geforderte Lösegeld auf ein bestimmtes Schweizer Bankkonto zahlten, könnten die Osterhasen auch weiterhin für sie die heissgeliebten Osternester verstecken.

Tixi und Hänschen, denen sich der Wunderaffe Graff-Graff und Häuptling Tiwi anschliessen, haben es mit gefährlichen Gegnern zu tun: Dr. Bonzo (der „Heimleiter“) und sein Bruder „Schwarzbauch“ (der Entführer) haben noch zahlreiche Helfer, u.a. anderem auch einen kollossalen Roboter, die es allesamt zu überwältigen gilt. Doch mit Hilfe der „Geheimwaffen“ die die Osterhasen erfunden haben und die laut Hänschen „ …mehr so Spasswaffen“ sind „ …eben das, was herauskommt, wenn Osterhasen sich einen großen Kampf vorstellen“, können die Freunde dennoch so manchen Übeltäter überlisten.

Ganz unbeschert-verspielt lockt Thomas Lehr seine Leser in eine ganz und gar unerwartete Welt: Die Osterinsel ist bekannt, doch wer hat schon gewusst, dass es dort eine unterseeische Schokoladenfabrik unter einer riesigen Glaskuppel , Glasröhren unter dem Meer, unterirdische Gänge, einen Kraterlandeplatz in einem der Vulkane oder eine unsichtbarmachende Folie gibt...? Thomas Lehr kommt hinter jeder Kurve mit neuen Ideen, die irgendwie an die Erfindungen des berühmten „Q“ erinnern. Fast wie in einem Agentenfilm sind die Osterhasen mit allen technischen Raffinessen ausgerüstet – zum Beispiel dem HB, den Hasenbschleuniger, der das weltweit flächendeckende Osternesterverstecken erst möglich macht – und gerade Jungs schwer beeindrucken dürften. Mit viel Liebe zum Detail beschreibt er „seine“ Erfindungen. Sie sind es am Ende auch, die das Kämpfen besonders originell und witzig machen; turbulent und ganz und gar gewaltfrei sind die Osterhasen-Geheimwaffen. Bis an den Rand angefüllt mit Fantasie.

Aber auch die Infrastruktur der Bösewichte ist nicht übel. Das Heim der verlorenen Kinder ist auf eigenwillige Weise minutiös durchorganisiert. Und der Plan der Verbrecher ist am Ende klar zu durchschauen. Ihre Foltermethode das „Extrem-Fernsehgucken“ – Nonstop auf mehreren Kanälen gleichzeitig- bringen die friedlichen Osterhasen dazu, zu eigenartigen, in schwarz gekleideten Sicherheitsmännern zu mutieren – „Smartmen“ genannt-, die die Kinder in ihrem unfreiwilligen Heim bewachen. Der tägliche Straf-Fernsehkonsum für die Kinder im Heim dient dazu, sie möglichst dumm zu halten. Die Botschaft von Thomas Lehr ist klar: Fernsehen macht krank, komisch und dumm.

Selbst der aus lauter Unglück fernsehsüchtige Tiwi gesteht ein: „Wir sind Wilde, wir schauen Fernsehen...“ Dem gegenüber stellt Thomas Lehr ganz klar die Faszinantion der Bücher und die Kraft des Vorlesens.

Es ist beeindruckend, wie Thomas Lehr ganz und gar überraschende Wendungen und Einfälle in seine Geschichte einbringt, die gleichermassen fesselnd wie amüsant sind. Vermisst man am Anfang -falls schon etwas über die „wirklichen“ Osterinseln bekannt ist- einige Erklärungen, finden sie sich schließlich auf ganz unerwartete Weise mitten im Geschehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es der Realität entspricht oder ganz seiner Fantasie entstammt – Thomas Lehr verknüpft beides spielerisch. So findet er auch eine wunderbare Erklärung dafür, wie die berühmten, grossen Steinköpfe auf die Osterinsel gekommen sind. Ebenso unterhaltsam wie einprägsam sind seine Worterfindungen und Sprachspiele. Die eigenwilligen Dialekte und Akzente seiner Akteuere finden zielsicher den Lachmuskel seiner Leser; sei es das „Eierspanisch“ oder die Tatsache, dass alle Osterhasen ein recht verkorkste Art zu sprechen haben. Es kommt viel Englisch vor, wenn Häuptling Tiwi spricht, und ebenso auch Spanisch (Alles wird natürlich entsprechend erklärt und übersetzt). Und genau das macht die Dialoge so lebendig und abwechslungsreich.

Thomas Lehrs Erzählweise ist sehr ausführlich und nahe bei den Kindern. Alle Details im Auge behaltend, stellt er immer wieder alle wichtigen Zusammenhänge her. Manchmal sind seine Sätze aber ein wenig zu lang und verschachtelt (das macht das Vorlesen stellenweise nicht ganz leicht) oder kleben zu lange an den technischen Raffinessen – doch im Grossen und Ganzen ist es durchaus für Kinder ab acht Jahren geeignet; wenn jemand vorliest, auch für Siebenjährige. Auf diese Weise ist es auch am schönsten, denn dann kann man die vielen verrückten Aussprachen und Dialekte der Darsteller laut zum Besten geben.

Fazit:

Thomas Lehr lässt Fakten und Fantasie geschickt verschmelzen – und ist das Buch als Osterlektüre sicherlich angebracht, lockt viel mehr das „Südsee-Abenteuer-Ambiente“, und das geht immer: In den Sommerferien wie auch im Winter, eingkuschelt auf dem gemütlichen Sofa. Sprachverliebt und überraschend einfallsreich stellt Thomas Lehr hier ein unwiderstehliches „;Überraschungsei“ zusammen. Da gibt es Oster-Süssigkeiten im Überfluss, eine Menge unglaublicher Erfindungen und zahlreiche sympathische Helden auf geheimer Mission zur Rettung der liebenswert-komischen Osterhasen.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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