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Buchcover: Madeleine Rogers: Wilde Freunde im Wald

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Wilde Freunde im Wald von Madeleine Rogers

erschienen bei Coppenrath

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Das ist doch jetzt kein Buch mehr. Könnte man sagen, sondern eine Art Spielwelt-Bastelbogen mit Begleittext. Und es stimmt auch irgendwie. Das Buch an sich ist zwar noch ein Buch – fünf Tiere des Waldes werden in kurzen, einfachen Reimen vorgestellt – aber die eigentlichen Geschichten zu erleben und zu erfahren ist dann Sache der Kinder: mit den beigelegten, ausgestanzten und dann zusammengebastelten fünf Papptieren und dem Schutzumschlag als aufstellbare Waldkulisse.

Los geht es so: „Im Wald ist alles ruhig und still, bloß Baum und Strauch, kein Tier. Doch schaust du mal genauer hin, siehst du fünf Freunde hier.“ Gemeint sind damit: der Bär, der Wolf, der Fischotter, das Reh und das Eichhörnchen. Die sind im wahren Waldleben zwar so gar nicht befreundet – und werden auch in diesem Buch trotz Titel textlich kein bisschen in einen freundschaftlichen Zusammenhang gestellt.

Jedes Tier hat seine eigenen zwei Doppelseiten, auf denen es vorgestellt wird, ebenfalls in Reimform: „Der Bär mit dickem weichem Fell ist riesig stark und groß, er fängt den Fisch und frisst sich rund, im Winter schläft er bloß.“ Oder: „Ein Rudel Wölfe flink und grau, jagt durch den Winterwald. Ihr Heulen tönt von nah und fern, die Nacht beginnt nun bald.“
Das war es dann aber jeweils schon an Text. Kurz. Und schlicht. Kinder können Reime fürs Sprachgefühl gut gebrauchen und wenn sie gut verständlich sind, hat auch das seine Qualität. Es muss nicht immer ein preiswürdiges Gedicht sein.

Aber: inhaltlich ist das arg kurz und knapp, und stellenweise zu verkürzt, zumindest um dieses Buch guten Gewissens als Sachbilderbuch bezeichnen zu können. „Der Hirsch im Wald trägt ein Geweih, das Reh ist ruhig und scheu. Im Herbst da fällt der Kopfschmuck ab, im Frühjahr wächst er neu“ und dazu ein Bild vom Reh, das gibt keinerlei Antwort auf die ewige Kinderfrage, ob der Hirsch wohl der Mann vom Reh ist. Im Gegenteil, statt zu klären, dass es im echten Wald natürlich auch Hirschfrauen gibt und Rehmänner – mit Geweih, übrigens – legt es eher den umgekehrten Schluss sogar nahe. Erklärungen wie in einem Sachbuch, das will das vorliegende Buch aber auch gar nicht leisten und beansprucht dies auch nicht für sich, aber es möchte auf sehr schöne Weise die Fantasie der Kinder beflügeln.

Und da sind wir auch schon bei den Illustrationen, die schlicht großartig sind: sehr grafisch, sehr reduziert und doch liebenswert und anziehend. Das leicht Kantige gibt den Tieren ihre ganz eigene Persönlichkeit und ermöglicht es, sie eins zu eins wie im Buch auch als ausgestanzte Pappfiguren zu gestalten. Die sind hinten im Buch beigelegt, vorgestanzt, zum Herausdrücken und Zusammenkleben. Klappt gut, ist aber ein bisschen frickelig und je kleiner das Kind, desto mehr ist Hilfe Willkommen; zu schade, wenn dem Reh ein Öhrchen abreißt. Der Schutzumschlag lässt sich aufstellen und dient als Spielkulisse. Und schon ist das Kind dabei, den Fischotter mit dem Bären zu verheiraten, den Wolf mit dem Reh um die Wette rennen zu lassen, das Eichhörnchen ist das Kind von beiden, befreundet sind sie jetzt sowieso alle miteinander und machen zusammen Winterschlaf und kurze Zeit später sind die fünf Pappfreunde ordentlich in Playmobilbettchen schlafen gelegt und die Waldkulisse dient für andere Figuren aus der Spielekiste als Tummelplatz. Das, was die Kinder draus machen, sind die eigentlichen Geschichten, die dieses Buch erzählt.

Wer als Eltern das Wissen über die Natur des Waldes und das Leben der Tiere nicht ausschließlich der Fantasie seines Kindes überlassen will, kann sich mit ein paar Fakten wappnen oder ein wirkliches Sachbilderbuch zur Hand nehmen.

Fazit:

Nicht wirklich ein Buch und schon gar kein Sachbuch, aber die Kinder haben fantasievollen Spaß mit der Aufstellkulisse und den beigelegten Pappfiguren. Angeregt durchs kurze Vorlesen, verschwinden sie damit schwupps in ihrer eigenen Geschichtenwelt. Perfekt für eine Zugfahrt, einen Restaurantbesuch, Erwachsenen-Kaffeekränzchen ohne Spielkameraden und ähnliche Situationen. Wem es gefällt: Wilde Freunde gibt es auch „In der Luft“ und „In der Savanne“.

Sigrid Tinz

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