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Buchcover: Martin Baltscheit: Grüne Bande

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Grüne Bande von Martin Baltscheit

erschienen bei Beltz und Gelberg

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Eine ganze Bande grüner Papageien fliegt umher und nistet in kahlen Großstadtbäumen – die „Grüne Bande“. Und es gibt sie in echt, in unseren Städten, hauptsächlich entlang des Rheins, weil dort die Winter so schön mild sind, Halsbandsittiche und vermutlich die Nachfahren von vor rund 50 Jahren aus dem Kölner Zoo entflohener Käfigtiere. Die, exotisch hin oder her, offenbar prima zurechtkommen im Großstadtdschungel. Dieser wahre Hintergrund ist der Auftakt zu dieser buchgewordenen Gedankenreise über Menschen, Tiere und das bunte Leben.

Auftakt des Buches bildet die Tatsache, dass in unseren Städten exotische Papageien leben und zwar gut. Gefangengenommen in ihrer warmen Heimat, um sie in Zoos oder als Haustier zu halten, sind sie entflohen. Sie kommen prima zurecht, haben sich fleißig vermehrt und hier eine neue Heimat gefunden.

Die Hauptperson Tier ganz unvermenschlicht, aber auch nicht als Sache; sondern so, dass sich die Kinder mit ihnen identifizieren können, auf jeden Fall Empathie entwickeln für diese Mitgeschöpfe und fast automatisch das denken, was der Ich-Erzähler dann auf den nächsten Seiten als Frage aufwirft: wie muss es sich angefühlt haben, gefangen zu werden, in ein Flugzeug verladen und in ein fremdes, kaltes Land gebracht zu werden?
Perfekt untermalt wird das von den Illustrationen: grüne, farbsatt gepinselte Vögel im Vordergrund, hier frei in der Luft, da gedrängt im dunklen vollen Laderaum des Flugzeugs.
Dem sich dann gleich die etwas weniger ernsthafte und getragene Überlegung anschließt, was denn wohl wäre, wenn eine Bande Affen ausgebrochen wäre. Oder Schlangen. Oder Kolibris.

Auch das ist im wahren Leben ja eine Tatsache: Krokodile im Badesee oder Panther im Stadtwald hat es schon gegeben. Manche sind aus Zoos oder Tierhandlungen entlaufen, andere eher zufällig im Reisegepäck oder Container aus anderen Ländern mitgereist. Oft sind es aber auch ehemalige exotische Haustiere, von ihren Besitzern ausgesetzt, weil sie vielleicht zu groß oder zu lästig wurden. Oft trifft es Schildkröten, die man ja vermeintlich leicht in den Teich im Stadtpark oder den Badesee setzen kann. Das ist meist nicht wirklich witzig. Für die Tiere nicht, weil sie in der Mehrzahl nur bis zum Winter durchhalten. Und auch nicht für uns alle – alle Schildkröten haben scharfe Zähne und schon der Biss einer eigentlich harmlosen Schmuckschildkröte tut weh. Richtig gefährlich sind aber Schnapp- und Geierschildkröten. Die haben starke Kiefer und Kraft genug haben, dir einen Finger oder Zeh abzubeißen und sind auch noch sehr angriffslustig.

Hier auf den Buchseiten bleibt es aber beim lustigen Fantasiespiel, das transportieren auch die sehr bunten, lebendigen Bilder. Am Ende der Sequenz sind nur noch knallbunte, fröhlich flatternde Kolibris zu sehen.

Man kann leicht versucht sein, zu schreiben, welche Botschaft dieses Buch hat: es könnte ein Buch „über“ sein, über so vieles. Migration, Mitgefühl und Integration, Freiheit, Einsamkeit, Tierrechte, Empathie, Vielfalt, Flucht, Heimat und ein eigenes Zuhause.

Aber das steht gar nicht so drin. Eigentlich kommt gar keine Botschaft klar heraus, vielleicht eher die Haltung des Autors, mit seinem knappen Text die Gedanken des Lesers nicht lenken zu wollen, sondern ihn auf dessen ganz persönliche Reise zu schicken. Manchmal ist nur der Teil eines Satzes auf einer Seite: „Manchmal stelle ich mir auch vor, sie steckten mich in einen Käfig ...“ und bis es weitergeht, ist mindestens ein Umblättern dazwischen, währenddessen die Gedanken schon weiterreisen um dann auf der nächsten Seite beim nächsten Satzteil zwischen zu landen: „ …und schickten mich fort.“ An was kann ein Kind dabei alles denken, Urlaub, Umzug, Klassenfahrt, diffuse Verlustängsten, Hänseleien, ans Lieblingstier oder an das neue Kind in der Klasse, das im LKW-Laderaum nach Deutschland gekommen ist.

„Ich würde auch fliehen und wäre froh...“
„ …über eine Platz in den Bäumen...“
„...unter Papageien“

So endet das Buch, das Kind auf einem Ast, neben ihm drei bunte Menschen mit bunter Kleidung, bunten Haare, bunter Schminke. Auch das lässt natürlich wieder viele ganz eigene persönliche Interpretationen zu. Genau wie die Widmung am Anfang: Für alle bunten Vögel. Sicher hat jeder beim Lesen etwas vor Augen, was damit gemeint sein könnte, aber es ist genauso sicher von Kind zu Kind und von Eltern zu Eltern verschieden; und vielleicht sogar von Mal zu Mal. „Grüne Bande“ ist kein Buch über Vielfalt sondern: „Grüne Bande“ ist Vielfalt.

Fazit

Papageien in freier mitteleuropäischer Wildbahn gibt es wirklich und sie lösen immer wieder Verwunderung und Staunen aus. Den Autor dieses Buches haben sie zu einer farbenprächtigen Gedankenreise inspiriert über Freiheit und Vielfalt, über das „Sich-zu-Hause-fühlen“, das Verhältnis von Mensch und Tier und über alles Mögliche: Zwischen all den Bildern und Metaphern wird jeder seine eigene Botschaft sehen und fühlen.

Sigrid Tinz

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