Inhalt überspringen

Buchcover: Wilhelm Matthießen: Das alte Haus

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Das alte Haus von Wilhelm Matthießen

erschienen bei Kerle bei Herder

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Die bezaubernden kleinen Geschichten aus dem „alten Haus“ sind schon 1923 erschienen. Nun wurde der Märchen-Klassiker im Kerle Verlag (bei Herder) wieder neu herausgebracht.

Es ist eine ganz eigene, eine sehr heile Welt, in der die Hauptfiguren der kleinen Märchengeschichten leben. Alle Geschichten spielen in dem Haus der lieben Großmutter. Sie wohnt dort mit ihren Tieren: dem alten Hund Bautz, dem uralten Hahn Krahks und der ururalten Katze Murks. Und dann sind da noch die beiden freundlichen Kinder Peter und Gretel. In etlichen Märchen und Abenteuern lernen sie die Bewohner und die Natur des alten Hauses und seiner Umgebung kennen. Die Sequenzen, die von Peter und Gretel und von den Märchen erzählen, wechseln sich ab. Für Kinder entsteht so eine Regelmäßigkeit im Erzählfluss.

Die Geschichten orientieren sich am Lauf der Jahreszeiten. Viele Gegebenheiten in der Natur werden aufgegriffen, so zum Beispiel die Kartoffelernte (Das Märchen von der Kartoffelmaus), die Waldbeeren (Das Märchen von dem Beerenfräulein) und das Gänseblümchen, das beinahe verdursten musste, weil der Knecht es mitsamt seinen Wurzeln aus der Erde gerissen hat (Das Märchen von dem armen Gänseblümchen und dem alten Besen). Die Kinder erfahren weiterhin von alten Nusshecken, von Quellen, vom Wald und vom Winter.

Alle Geschichten sind einfallsreich gestaltet. So finden sich etliche phantastische Gestalten, wie der Kartoffelkönig, ein Kasperl, ein sprechender Besen, die Tannenhexe, oder etwa die tanzenden Bohnenstangen. Auch die Orte der Geschichten sind märchenhaft: das alte Haus, der Wald, das Zwergenstüblein und etliche mehr. Diese Orte und auch Charaktere werden mancherorts Schlag auf Schlag angeboten, so dass man als Erwachsener das Gefühl bekommt, dem Geschehen nur noch ein wenig atemlos folgen zu können. Kinder der Altersstufe werden daran aber ihre Freude haben.

Die Geschichten sind in schlichter Sprache erzählt und beginnen oftmals mit den typischen Märchenanfängen: „Einmal…“, „Es war einmal…“Da waren einmal…„; und enden stets mit einer abschließenden Formel: “…und nun ist unser Märchen aus.„ Die Sprache des Buches orientiert sich am Sprachschatz kleiner Kinder. Dadurch dass das Buch schon 1923 erschienen ist, finden sich Wörter, die im heutigen Sprachgebrauch selten verwendet werden. Durch den märchenhaften Charakter des Buches, ist dies allerdings nicht als störend zu empfinden.

Die Illustrationen von Tamara Ramsay sind der Ausgabe von 1936 entnommen. Es sind schwarz-weiß Illustrationen, die den etwas altbackenen Charme des Buches unterstreichen.

Trotz der märchenhaften Ansätze sind die Geschichten aus dem “alten Haus„ nicht mit den üblichen überlieferten Märchen – z.B. der Brüder Grimm oder aber auch mit denen des Franzosen Charles Perrault zu vergleichen. Denn diese traditionellen Märchen glänzen durch ihre Symbolik, sei es die Zahlensymbolik oder die Tiersymbolik. Dadurch, dass sie menschliche Probleme, Urängste, Gefühle und Bedürfnisse thematisieren, sprechen sie den ganzen Menschen an. Dies alles bieten die Märchen aus dem “alten Haus„ nur ansatzweise. Und genau das scheinen sie auch so zu wollen: Es sind freundliche Märchen, die eine heile Welt anbieten. Es gibt zwar eindeutig gute und böse Charaktere (z.B. in dem Märchen “Die Hühnerkirmes – der gute Hund Bautz und der böse Steinmarder). Dennoch spielen sich die Konflikte auf relativ harmlosem Niveau ab. So wird dieses Buch zu einem Vorlesebuch für die Kleinsten.

Fazit:

Die heile Welt des alten Hauses ist eine nostalgische Welt. Sie hält die Erzählungen bewusst beschaulich und lädt die Kinder ein, daran teilzuhaben. So wird dieser phantastische Ort gewiss etliche Kinder und auch Eltern ansprechen. Wenn man seinen Kindern jedoch nicht nur eine „kleine, heile Welt“; als Lektüre anbieten möchte, sondern so „risikobereit“ ist, auch tiefer gehende menschliche Konflikte mit seinem Kind zu erlesen und zu besprechen, dann sollte man eher auf traditionelle Märchen zurückgreifen. Diese können dann auch in vereinfachten, kindgerechten Formulierungen angeboten werden.

Alexandra v. Plüskow


Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Horst L. meint:
Judith Sch. meint:
Christina Grosjean meint:
Heute habe ich, begeisterte Leserin der Märchenbücher "Das alte Haus" usw. ,das erste Mal den Autor im Internet recherchiert und bin aus allen Wolken gefallen! Von Antisemitismus habe ich in allen Märchen nicht einmal etwas gespürt.
Begeistert bin ich als ehemalige Erzieherin immer wieder von der Phanthasie
und den tollen Namen der Personen in den Büchern.
Ich kenne das o.g. Buch bereits seit fast 60 Jahren aus meinem eigenen Kindergarten und habe später in meinem Berufsleben und dem eigenen Kind immer gerne aus allen Kinderbüchern des Autors vorgelesen. Das Lieblingsbuch von mir und meinem Pflegekind ist zur Zeit "die Katzenburg".
Wolfgang Faßbender meint:
Ich glaube das alte Haus war und ist für mich eines der wichtigsten Bücher überhaupt. Ich habe es so mit 5-6 Jahren zu Weihnachten bekommen und meine Mutter hat es mir und meinem Brüder vorgelesen.Später habe ich von Zeit zu Zeit darin herum gelesen um einen Freunden nahe zu sein. Natürlich kamen dann später "Die grüne Schule" ,in der die Geschichte von Peter und Gretel weiter geht und "Das Rote U". beides tolle Bücher, aber an das "Alte Haus " kommen sie nicht heran. Inzwischen ist meiner Tochter "Das Alte Haus" genauso wichtig, und meine Enkel werden das Buch von mir bekommen und ich hoffe auch so lieben.
Ursula Kreutz meint:
Dieses kindgerechte, (für Kinder ab 4 Jahre geeignete) Märchenbuch erinnert mich an gemütliche, entspannende und in kuscheliger Atmosphäre erlebte Vorlesestunden, die uns Kinder immer wieder aufs Neue faszinierten.
Die "Alte Haus"-Geschichten verkörperten für uns eine ganz eigene, heile Welt, die uns ins Staunen versetzte, unsere Phantasie anregte und uns in eine Traumwelt entführte.
Alle Geschwister und ich ( heute 55, 54, 51 und 47 Jahre) waren gleichermaßen begeistert, genossen diesen Märchenklassiker und erinnern uns bis heute an diese positiven, teils etwas spannenden, frohmachenden Geschichten. Ich werde das Buch auch eigenen Enkeln und anderen Kindern( mit denen ich als Heilpädagogin arbeite) immer wieder sehr gerne und begeistert vorlesen und es auch Verwandten, Bekannten, Kollegen und Eltern weiterempfehlen.
Toll, dass das "Alte Haus" neu aufgelegt wurde und wieder zu kaufen ist!!!!!
Mario S. meint:
HAllo, um zum Thema "Wilhelm Matthießen = Antisemit" mal einen Nachweis anzuführen, sollten die Interessierten doch bitte mal die von mir erst kürzlich aktualisierte Wikipedia-Seite besuchen. Dort befindet sich seit kurzem eine Kopie einer persönlichen Widmung von Guido von List an einen Herrn Dr. Wilhelm Matthießen ... Wer Guido von List war, also DAS findet man ja heutzutage per Google leicht heraus! ;D Viel Spass bei der weiteren Recherche!
Elke meint:
Meine Tochter heute 23 Jahre und selber Mutter , hat mich heute nach diesem Buch gefragt, damit sie meinem Enkel daraus vorlesen kann.
Die Geschichten sind sehr kindgerecht geschreiben, und regen die Fantasie der Kinder an.
Auch ich habe vor 20 Jahren gerne die Geschichten vorgelesen.
Einfach ein wunderschönes Kinderbuch.Das in unserer Familie wohl Tradition findet.
Hiltrud meint:
Ich liebe auch dieses Buch aus meinen Kindertagen, vor allen Dingen gab es auch noch "Die grüne Schule" und "Hinter den sieben Bergen". Meine Mutter hat uns Kindern immer aus diesen drei Büchern vorgelesen, gerade im Winter wenn es draußen geschneit hat war es einfach nur wunderschön bei Kerzenschein und Bratapfel.
Ich erinnere mich immer noch sehr, sehr gerne an diese Kindertage und ich kann jeder Mutter empfehlen diese Bücher ihren Kindern vorzulesen.
Katrin meint:
Ich habe noch eine Uraltausgabe dieses Buches. Meine Mutter hat es, laut der Widmung im Buch 1954 zum 6. Geburtstag geschenkt bekommen, da sie es aus dem Kindergarten kannte und es so toll fand. Ich habe es in meiner Kindheit sehr oft und gern gelesen und mittlerweile hören meine Kinder gespannt zu. Selbst meine Tochter, die "normale" Märchen, in denen Hexen vorkommen, haßt hört gern zu.

Ich finde es super, dass das Buch wieder im Handel erhältlich ist.
Irmgard Manno-Kortz meint:
Hallo und guten Abend, weiß vielleicht jemand, ob "Der brave Knipperdalles" in diesem Buch drinsteht? Ich suche diese Geschichte für meine Mutter, die sie als Kind gerne hatte. Danke für die Info!
Ihre Meinung zu diesem Buch

Inhalte von www.kinderbuch-couch.de:

über die Kinderbuch-Couch:

Machen Sie es sich auch auf unseren anderen Online-Angeboten der Literatur-Couch gemütlich:

  • Krimi-Couch.de
  • Phantastik-Couch.de
  • Histo-Couch.de
  • Belletristik-Couch.de
  • Jugendbuch-Couch.de
  • Kochbuch-Couch.de
Kinderbuch-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2004–2016 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.