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Buchcover: Susie Morgenstern: Ich werde Wunder vollbringen

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Ich werde Wunder vollbringen von Susie Morgenstern

erschienen bei Bloomsbury

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

Ein im wahrsten Sinne des Wortes viel versprechender Titel, den das Bilderbuch von Susie Morgenstern und Chen Jianghong trägt. Ein kleiner Junge träumt davon, seine Welt ein ganzes Stück besser zu machen. Aber bevor er damit so richtig loslegen kann, gibt es doch noch etwas zu tun …

Was soll ein kleiner Junge schon antworten, wenn er immer wieder gefragt wird, was er denn später einmal werden möchte. Also lässt er sich einfach etwas einfallen, Pilot zum Beispiel. Als er aber eines Tages den Sonnenaufgang beobachtet lässt er sich inspirieren und stell sich vor, wie es wäre, wenn er die Wogen des Meeres aufstörte und damit ihr Konzert anhörte. Er würde die Kranken heilen oder gar Tote erwachen lassen und mit ihnen fröhlich sein. Verbrecher würde er mit der Polizei in die Falle locken bis es schließlich kein Unrecht mehr gibt. Er würde die Hungersnot stillen und jedem nackten Kind ein kleid nähen. Er würde die Sorgen vertreiben, Glück bringen und eine Welt voller Weisheit entfalten – ein Gott will er werden, der alles besser macht.

„Doch halt, da fällt mir etwas ein:
Es könnte vielleicht klüger sein,
ich lass´ das mit dem zaubern bleiben
Und lerne erst das Lesen und das Schreiben.“

Auffällig ist schon das beeindruckende Format des bei Bloomsbury erschienen Bilderbuches. Mit aufgeklappten knapp 70 x 30 cm muss ein wenig Platz her, wenn man mit Kindern gemeinsam lesen möchte – und für die ist es dann beinahe, als spanne man eine kleine Kinoleinwand auf. Es empfiehlt sich daher unbedingt, ein wenig mehr Abstand als gewöhnlich zu den Bildern zu halten, denn so können sie ihre Wirkung erst richtig entfalten.

Mit ausladendem Schwung und tiefen kräftigen, zumeist dunklen Farben verschafft der in Paris lebende Künstler Chen Jianghong den Wünschen des Jungen gebührende Aufmerksamkeit. Die Format füllenden Bilder sind unglaublich dominierend, drängen sich beinahe auf und faszinieren dennoch gerade durch ihre einnehmende Präsenz. Chen Jianghongs setzt auch hier wieder das für ihn typische Stilmittel ein. Er mischt nasse und trockene Flächen und betont die Figur des Jungen mit deutlich feineren Konturen. Zusätzlich schafft er mit reinen Weißflächen wirkungsvolle Kontraste.

Die häufig nur durch flächige Farbcollagen markierte Symbolik ist sehr ausdruckstark, aber von oder mit Kindern teilweise noch zu entschlüsseln. Dann etwa, wenn zum Text „Ich ersticke den Hass und die Feuergluten“ rote und schwarze ineinander fließende Flächen die Doppelseite einnehmen und der Junge mit geschlossenen Augen, die Hände vorgestreckt, sich dieser intensiven „Wolkenwand“ entgegenstellt. Einen fast schon bizarren Eindruck macht die Szene auf den Leser, in welcher der Junge strahlend von einem Reigen tanzender Skelette gefeiert wird. Die Bildsprache ist nicht sanft, sondern wirkt so manches Mal, betrachtet man etwa die Gestik und die Gesichter der eingesperrten Verbrecher, bedrohlich. Doch diese „ungeschminkten Wahrheiten“, die die Fantasie der Kinder ebenso antreiben wie die schönen Dinge dieser Welt, sind ehrlich. Sie zeigen die ganze Dramatik und machen den unbedingten Wunsch, das Schreckliche ändern zu können, in seiner ganzen Tragweite nachvollziehbar. Die Welt ist nicht immer schön. Das begreifen Kinder schon früh und sie wollen es verstehen, es behandeln und, wie auch dieser Junge, am liebsten ein großer Zauberer, ja Gott sein, um alles Schlechte von dieser Welt verbannen zu können.

Inmitten der kraftvoll visualisierten, ehrgeizigen Träume steht der Junge mit seiner Zartheit und Verletzlichkeit; sein Gesichtsausdruck wirkt ernst und konzentriert. Dennoch signalisiert er ein unerschütterliches Selbstvertrauen durch die Kraft seiner Gedanken. Immer weiter entfernt Susie Morgenstern diese Gedanken des Jungen von der Realität und den zunächst poetisch anmutenden Motiven. Immer größer und grenzenloser werden seine Vorstellungen, um den Leser dann, am Ende, mit einem Schlag in den kindlichen Alltag zurück zu holen. Der wunderbar harmonische Ausklang schließlich strahlt Ruhe, Gelassenheit und Nähe aus. Wir können wieder Abstand zu den beinahe übermächtigen Wünschen und inneren Bildern gewinnen und landen auf dem Boden der Realität, die uns daran erinnert, dass auch der weiteste Weg mit vielen kleinen Schritten beginnt.

Fazit:

„;Ich will Wunder vollbringen“ ist eine von visueller Intensität geprägte, beeindruckende Reise durch die kraftvolle Traumwelt unserer Kinder. Susie Morgenstern und Chen Jinaghong kreieren ein faszinierendes aber auch für Kinder unter sechs Jahren sicherlich nur schwer zu fassendes Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion.

Stefanie Eckmann-Schmechta


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