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Buchcover: Birte Müller: Heute ist alles blöd, Mama!

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Heute ist alles blöd, Mama! von Birte Müller

erschienen bei NordSüd

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

in mein Bücherregal

Ein Tag wie jeder andere? Nein, für den kleinen Timm ist das ganz und gar nicht so. Er steht sozusagen schon am Morgen mit „einem linken Bein“ auf und seine Laune bessert sich auch nicht im Laufe des Tages. Im Gegenteil. So einen Tag muss ein kleiner Racker erst einmal verkraften und da ist jede verständnisvolle Geste wichtig.

Jeder kennt so einen Tag: Nichts macht Spass. Einen solchen Tag erlebt auch Timm. Schon am Morgen wacht er mit diesem seltsamen Gefühl auf. Er hat keine Lust aufzustehen und sich anzuziehen, aber mit Pyjama im Bett liegen zu bleiben, ist auch blöd! Timm will nicht essen und nicht zum Kindergarten gehen, alles blöd! Im Kindergarten darf keiner mit seinem Teddy spielen, und somit ist er allein. Seinen Freund Hannes schickt er weg, im Sandkasten spielen ist auch wieder blöd, aber allein dazusitzen, macht wirklich keinen Spass. Auf dem Heimweg ist Timm traurig und wütend zugleich. Ob Hannes noch sein Freund ist? Zuhause brüllt er seine Schwester Anna an. Er will nicht mit ihr spielen. Es ist schon ein blöder Tag! Voller Scham über sein Verhalten und mit der Angst, dass ihn keiner mehr lieb hat, geht er schon früh ins Bett. Die Einzige, die trotz seines „Geh weg“ zu ihm kommt und ihn einfach (und endlich!) in die Arme nimmt, ist seine Mama. Timm merkt, wie sehr er diesen Halt gebraucht hat und gibt seinen Widerstand auf. Seine Mutter weiß, dass es solche Tage nun einmal gibt – für jeden von uns – aber dass sie auch wieder vergehen. Nach dem Abendbrot und einer Guten-Nacht-Geschichte von Papa ist alles wieder gut. Er krabbelt zu Anna ins Bett, um doch noch kurz mit ihr zu spielen und will Hannes am nächsten Morgen auf dem Weg zum Kindergarten abholen.

Die junge, in Hamburg lebende Künstlerin, Autorin und Illustratorin Birte Müller, zeigt in diesem Buch,
wie negative Gefühle wie Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit auch Kinder betreffen können. Wer kennt nicht einen solchen blöden Tag? Nichts gelingt, nichts macht Spass und obendrein kränkt man mit seiner schlechten Laune noch die liebsten Menschen um sich herum. Dieses führt nur dazu, dass man sich noch elender fühlt. Zu dieser schlechten Laune gesellt sich dann noch das schlechte Gewissen, dass uns dann plagt und obendrein noch die Angst schürt vollkommen allein auf der Welt zu sein. Denn wer möchte schon mit einem solchen Menschen zusammen sein? Auch unsere Kinder erwischt ein solcher Tag ab und an. Wie gut, dass wir Erwachsenen es schon gelernt haben, mit so einem Tag umzugehen und zu wissen, dass so ein Tag vergeht. So zeigt es auch Timm`s Mutter und fängt ihren Sohn mit dieser Erfahrung auf. Dieses Auffangen zeigt uns Birte Müller wunderbar mit ihrem Bild, indem sie die Mutter zeigt, die Timm und den Teddy fest umarmt. Diese wohltuende Geste springt direkt auf den Betrachter über. Der warme Gelbton als Hintergrundfarbe lässt regelrecht die Sonne wieder erstrahlen. Damit lässt Birte Müller jedoch nicht das Buch enden. Sie zeigt auf der letzten Seite, wie Timm mit seiner Schwester im Bett liegt und sie noch kurz mit den Teddies spielen. Alle lachen, auch die Teddies. Timm hat seine Mutter prima verstanden, er will gleich am nächsten Tag seinen Freund Hannes abholen und die Welt wieder gerade sein lassen. Diese Botschaft ist so klar definiert, das jedes Kind sich hier leicht mit Timm identifizieren kann, und diese Erfahrung in sein eigenes Leben umsetzen kann.

Die typografisch klar und geradlinige strukturierte Aufmachung des Buches ist im harmonischen Einklang mit den schönen Illustrationen. Auf ausschliesslich doppelseitigen Illustrationen mit kräftigen Farben und einer dynamischen Bildgestaltung wirken ihre Darstellungen ausdrucksstark und humorvoll. Dabei fliegen die Haare von Timms Schwester nach hinten, weil er sie so anschreit und die Miene vonTimms ständigem Begleiter, Teddy, stimmt exakt mit Timms Stimmung überein – und diese ist ja bekanntermassen an diesem Tag besonders mies. Da hängt der Teddy genauso lustlos am Frühstückstisch wie Timm herum, lacht aber am Ende des Buches auch mit ihm, als er zusammen mit seiner Familie den Tag doch noch gut beenden kann. Die Sprache besteht aus kurzen, prägnanten Sätzen und ist damit ebenso klar und unmissverständlich wie die Bilder. Nichts lenkt vom Wesentlichen der Geschichte ab.

Fazit:

Ein wirklich gut gelungenes Buch von Birte Müller. Sicherlich beruhigt diese Geschichte auch die zuhörenden Kinder, wenn sie mal einen so schlechten Tag wie Timm erwischen. Mit klar strukturierten Bildern und einem eindeutigen, gut verständlichen Text wird durch die Geschichte geführt, die zeigt, dass es nichts außergewöhnliches ist, mal schlecht „;drauf“ zu sein. Wie wichtig dabei die Akzeptanz ist – nicht nur die eigene, sondern auch die der Mitmenschen – transportiert ihre Geschichte ebenso schlicht wie eindeutig.

Sylke Wilmer-Gruchmann


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