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Buchcover: Chris O´Dowd und Nick Murphy: Moone Boy - Eine Mütze voll Chaos

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Moone Boy - Eine Mütze voll Chaos von Chris O´Dowd und Nick Murphy

erschienen bei Sauerländer

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Martin Moone ist kleiner Bruder von drei großen Schwestern, ein Nachzügler, wie man so sagt. Oder: ein Versehen. So nennen ihn seine Schwestern. Und so fühlt er sich auch in seiner Familie. Auch in der Schule ist alles ein Alptraum, er ist das Lieblingsopfer eines schlägernden Bruderpaares und sein bester Freund ist ein grenzdebiler Bauernsohn. Aber immerhin: der hat eine Idee. Martin könnte sich doch einen imaginären Freund zulegen, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.

Ein unsichtbarer Freund, ein Begleiter, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht, das wäre cool und genau das Richtige, findet Martin Moone, genannt Moone Boy. Wo er doch der einzige Junge ist unter drei großen Schwestern und wo auch in der Schule alles nicht besonders gut läuft. Und so ist er sofort dabei, als sein Freund Patrick ihm vorschlägt, sich einen zu bestellen: Loopy Lou. Leider ein totaler Reinfall, albern, anhänglich, unselbständig und eine Nervensäge durch und durch. Der nette Kundendienstberater von der Imaginäre-Freund-Behörde, Sean, der kommt, um sich Martins Beschwerden und Umtauschwunsch anzuhören, wäre da schon viel besser. Aber: er ist eben nur Beamter im Innendienst und nicht imaginärer Freund im Außendienst, und einen einmal bestellten Imaginären Freund kann man auch nicht mal eben so wieder loswerden, sondern nur unter bestimmten Bedingungen. Und schon hat Martin noch ein paar Probleme mehr, neben seiner Familie und speziell seinen Schwestern und neben den Jonner-Brüdern, die ihn als ihr Lieblingsopfer ausgesucht haben und ihn jedes Mal verprügeln, wenn sie ihn sehen. (Falls das jemandem bekannt vorkommen sollte: Moone Boy ist auch eine irische Fernsehserie.)

Und falls es jemandem so vorkommt, die Slapstik-Story könnte was sein für den eigenen Nachwuchs, dann noch ein paar Hinweise: Das Buch ist ziemlich dick, kein lustiger Comicroman, den man ja auch erwarten könnte; man muss Lesen mögen. Und man muss Lesen, trotz der vielen kleinen – tollen, lustigen, schrägen, vielseitigen, grotesken – Illustrationen. Und richtig lustig, im Sinne von fröhlich-unbeschwert ist das Buch nicht. Es ist das wahre Leben, mit Galgenhumor und einem Faible für drastische und ehrliche Komik. Martins Familie ist nett und normal, aber auf keinen Fall eine Heile-Welt-und-wir-wollen-doch-hier-nicht-streiten-Familie. Die Eltern sind mit ihrer Arbeit und ihrem Leben und dem Haushalt mit vier Kindern vollauf beschäftigt, die drei Schwestern reichen Gemeinheit um Gemeinheit an ihren kleinen Bruder durch, das Versehen, wie sie ihn nennen. Und es kommen Wörter wie Knallkopf, Idiot, Vollpfosten oder Tittengrabschen drin vor. Und es kommt sogar Tittengrabschen in echt drin vor.

Weil Martin den Dauersitzenbleiber und Anführer des Pausenhofs um Schutz vor den Jonner-Brüdern bittet, die ihn sich als Lieblingsopfer ausgesucht haben. Der ist gerne bereit dafür. „Für einmal Tittengrabschen bei deiner Schwester.“ Martin sagt zu und muss jetzt nur noch rausfinden, welche Schwester die größten Titten hat – was er versucht, in dem er sich die BHs seiner Schwestern der Reihe nach auf den Kopf setzt, um die Größe herauszufinden. Wobei ihn die ganze Familie fasziniert beobachtet. Das ganze Buch steckt voll mit solchen Gags, Ideen, skurrilen Wendungen, die man schlecht beschreiben kann und auch besser gar nicht beschreiben sollte, weil es viel schöner ist, das alles selber zu erlesen und zu erfahren, dabei zu lachen und zu schmunzeln und ein bisschen zu schaudern. „Wenn du Blödsinn magst, dann ist das hier dein Buch“, heißt es im Vorwort. Und das trifft die Sache auf den Kopf. Und wem es richtig gut gefällt, auf den wartet schon Band 2.

Fazit:

Wer Blödsinn mag und ehrlichen Humor, das normale Familienleben nicht als heile Welt sieht, sondern als Chaos, aber das irgendwie ganz liebevoll, wer nicht enttäuscht ist, dass der ersehnte Imaginäre Freund kein sternenstaubsprühender Golddrache ist, sondern erst ein durchgeknallter Clown und dann ein bärtiger Beamter, der wird Martin Moone sehr mögen. Und wer ein kleiner Bruder von großen Schwestern ist, ganz besonders: denn endlich sagt mal jemand, wie es ist.

Sigrid Tinz, Oktober 2016

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