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Buchcover: Jennifer A. Nielsen: Nicolas Calva - Das magische Amulett

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Nicolas Calva - Das magische Amulett von Jennifer A. Nielsen

erschienen bei Beltz und Gelberg

geeignet für Kinder im Alter ab 11 Jahren

in mein Bücherregal

Der Waisenjunge Nicolas Calva und seine Schwester Livia sind Sklaven in einem Bergwerk. Tief in den unterirdischen Höhlen soll Nic den geheimnisvollen Schatz des Julius Caesar finden – um genau zu sein, dessen Amulett, dem magische Kräfte zugesprochen werden. Bisher ist niemand aus den Tiefen der Höhlen zurückgekehrt und Nicolas ist sich sicher, dass auch er das Tageslicht nicht mehr sehen wird. Doch dann wird ihm Hilfe von einem ganz und gar ungewöhnlichen Geschöpf zuteil. Nic kann fliehen, zusammen mit dem Greif und dem magischen Amulett, der „Bulla“ Caesars.

Der Greif, ist ein Löwe, so groß wie ein Pferd, mit riesigen Schwingen und einem Adlerkopf. Er befreit Nicolas aus den Tiefen der Höhlen und bekommt von Nic den Namen „Fortis“. Es ist ein eigenwilliges Geschöpf, das aber aus unerklärlichen Gründen Nicolas Calva treu ergeben ist. Mag es an der „Bulla“ liegen, die Nicolas plötzliche Riesenkräfte verleiht? Das Amulett hatte einst Julius Caesar gehört und wurde von den Göttern mit großer Magie ausgestattet. Kinder tragen in Rom eine „Bulla“, sie bekommen sie von ihren Eltern zur Geburt. Wenn die Kinder dann älter werden, legen sie sie ab – doch Caesar hat sie einst zu seiner großen Macht verholfen – und nun hat Nic sie gefunden – und will sie nicht mehr hergeben.

Aber nicht nur dieser magische Gegenstand versetzt Nic in eine viel machtvollere Position, als es einem Sklaven überhaupt zustehen würde. Der Greif hat ihn gezeichnet und so sind in dem Jungen lange verborgene Kräfte hervorgebrochen, die sich nun mit denen der „Bulla“ verbinden. Zunächst begreift Nic überhaupt nicht wie ihm geschieht. Er wird, kaum in Freiheit angekommen, sofort wieder gefangen genommen – zusammen mit Fortis, dem das gar nicht gefällt. Aber um das Leben seines magischen Begleiters zu schützen, bitte Nic ihn, sich fesseln zu lassen. Fortis gehorcht abermals. Doch schon bald bereut Nic seinen Entschluss, denn er soll zusammen mit dem Greif im römischen Circus geopfert werden. Dabei soll das ohnehin schon wackelige Machtgefüge Roms ein für alle Mal aus den Fugen geraten. Nicht nur der General, der ihn in die Höhlen schickte, begehrt das magische Amulett, sondern auch hochrangige Senatoren – und nicht zuletzt der römische Kaiser selbst. Und dann ist da noch das Straßenmädchen Aurelia. Sie ist einfach nicht zu durchschauen: Einerseits hilft sie Nic, andererseits bekämpft sie ihn und ist nur allzu leicht bereit, ihn zu verraten. Jeder scheint nur seinen eigenen Vorteil im Blick zu haben; bis Nic beginnt zu durchschauen, wem er vielleicht trauen kann und wer ihn nur benutzen will, hat er so manchen Kampf und so manche Flucht zu überstehen. Am Ende erreicht er es schließlich, sich und seine Schwester aus der Sklaverei zu befreien. Aber der Preis dafür ist hoch.

Der erste Band von Jennifer A. Nielsen über den tapferen römischen Jungen hat wirklich alles, was Jungs und Mädchen ab 11 Jahren gerne „wegschmökern“. Neben den spannenden Kampfszenen in der Arena, den atemlosen Verfolgungsjagden durch die Gassen Roms auf dem Rücken des liebenswert-eigenbrötlerischen Greifen „Fortis“, gibt es eine ganze Reihe gut gewählter Zutaten. Da geht es um die erste Verliebtheit und welche Verwirrung dies bei unserem Helden anrichtet – was er sich natürlich nicht eingestehen will. Aber vor allem ist das temporeiche Abenteuer reich an Magie, Geheimnissen, unvorhersehbaren Ereignissen, Intrigen und interessanten Charakteren – und das alles vor der reizvollen Kulisse des gigantischen Roms der damaligen Zeit.

Nielsen beschreibt das sehr eindrucksvoll und sie nimmt auch historische Fakten in die Geschichte auf und erklärt sie. Das gelingt ihr ganz elegant, denn auch für unseren Helden Nic ist das prachtvolle Rom und sein Machtgefüge vollkommenes Neuland. Sie lässt politische Zustände der damaligen Zeit in die magische Geschichte einfließen und erzeugt so einen historisch-fantastischen Abenteuerroman, der der Kinder mühelos fesseln kann. Spannend auch: Die Geheimnisse um die Herkunft Nics und das Amulett, sowie seiner magischen Fähigkeiten, werden im ersten Band aufgeworfen, aber noch nicht so ganz enthüllt. Und wem das noch nicht genug Grund zum Weiterlesen ist, der wird spätestens beim Auftritt des Greifs „Fortis“ mitfiebern. Das ist wirklich ein toller Charakter und ich hoffe, dass die Folgebände mehr Geschichten von dem eigenwilligen Greifen enthalten.

Die erfolgreiche amerikanische Fantasy-Autorin hat hier sicherlich ihre ganze Routine spielen lassen; sie weiß, was junge Leser/innen fesselt. Wenn es dann auch noch größtenteils gut geschrieben ist – wie im vorliegenden ersten Band der Nicolas Calvas Reihe – dann kann man wirklich nicht meckern. Und ist die Story ist gar nicht mal so trivial, denn Jennifer Nielsen vermeidet es, alles nur schwarz-weiß zu zeichnen. Die Leser/innen müssen sich selbst ein Bild machen und werden feststellen, dass beide Seiten ihre Gründe haben, so zu agieren wie sie es nun einmal tun. Nur, diese beiden Seiten müssen erstmal ausgemacht werden. Erst dann begreift auch der arme Nic, dass er genau zwischen den Fronten steht. Ganz aus Nics Perspektive erzählt – die auch viele humorvolle Kommentare von ihm enthält -, bezieht Nielsen ihre Leser/innen mit in diesen Prozess ein und fordert sie dazu heraus, eine nicht ganz so einfache Geschichte zu durchschauen – aber mit Spaß. Zum größten Teil jedenfalls, denn im Mittelteil – und das ist sicherlich auch ein Ergebnis davon, dass Nielsen ihren Leser/innen die Gelegenheit geben möchte, sich selbst ein Bild zu machen – gibt es eine Menge Gedankenkonstrukte, in die sie Nic zunächst folgen müssen. Das bremst den Lesefluss des so temporeich und gut erzählten Einstiegs. Einige Dialoge wirken dann doch zu konstruiert und der Verlauf gerät ein wenig ins Stocken, da so viel nachgedacht und abgewägt werden muss. Gegen Ende des ersten Bandes prescht die Autorin dann aber umso rasanter vor. Schließlich wird dann doch sehr viel auf den Punkt gebracht, was einen entsprechend guten Absprung für den Folgeband bietet.

Natürlich ist das Thema – auch dem Protagonisten nach – ganz auf der Linie von Jungs, die hier in ein toll erzähltes, abwechslungsreiches Abenteuer eintauchen können. Also auf jeden Fall wirkungsvoll für die vielleicht etwas lesemüden Jungs. Dazu kommt der Vorteil einer Serie: Haben sie einmal Gefallen an dem Abenteuer gefunden, werden sie eher bereit sein, dauerhaft zu lesen. Nicolas Calva ist ein guter Lese-Tipp für alle, die Latein in der der Schule haben und/oder sich für römische Geschichte interessieren, hier wird sie auf spannende Weise lebendig. Aber auch für Mädchen, die lieber rasante Abenteuer mögen, statt rosarote Prinzessinnen-Freundinnen Konstellationen.

Fazit:

Die neue Serie um den römischen Jungen Nicolas Calva hat alles, was junge Abenteurer mögen. Die bekannten Zutaten hat es natürlich auch, aber auch einige Überraschungen, die die neue Serie zu einem sehr gut durchdachten und spannenden Lesestoff gerade für Jungs ab 11 Jahren machen. Ein weiteres Plus: Es ist wirklich gut geschrieben ist, auf einem Niveau, das jungen Leser/innen Spaß macht und sie herausfordert.

Stefanie Eckmann-Schmechta, Oktober 2016

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