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Buchcover: Gary Northfield: Julius Zebra - Raufen mit den Römern

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Julius Zebra - Raufen mit den Römern von Gary Northfield

erschienen bei cbt

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Julius ist ein Zebrajunge und ganz zufrieden mit seinem Leben in der Steppe. Sein Bruder, der Angeber, nervt ein bisschen, seine Mutter schleift ihn immer mit zum Wasserloch, auf das er eigentlich keine richtige Lust hat, und dann immer diese Löwen, aber sonst …Bis er eines Tages entführt wird, gefangen von römischen Tierjägern, und zusammen mit anderen Wildtieren nach Rom gebracht, in den Zirkus Maximus. Eher aus Versehen wird er zum Liebling der Zuschauer und am Ende zum großen Helden der Arena.

Dass es einen Leseknick gibt und dass er besonders bei Jungen im Alter von 9, 10, 11 Jahren auftritt, ist mittlerweile quasi Allgemeinbildung: die Leselust und die mit Lesen verbrachte Zeit werden drastisch weniger – und die Erwachsenen leiden in der Regel mehr darunter als die Kinder. (Die machen in der Zeit ja andere Dinge, die ihnen Spaß machen und außerdem lesen sie ja noch genug; halt eher wenig gedruckte, gebundene Romane, aber Arbeitsblätter und Schulbuchtexte, jede Menge WhatsApp, die Surfzeitschrift, verschiedene Game-Blogs und – als eBooks – Comics und andere Dinge, aber das ist ein anderes Thema.) Jedenfalls gibt es eine Menge Bücher, die versuchen, solche Wenigleser doch (wieder) für Bücher zu begeistern und wenn es eine Liste an Grundzutaten gäbe für ein solches Buch, dann stünde vermutlich dies drauf: wenig Text, viel Comics und Humor, Humor, Humor, vor allem solcher rundum die Gürtellinie, dann Slapstick und Kloppe, lustige Typen, am besten auch bekannt aus Funk und Fernsehen, historische Helden und Situationskomik. Und dann hätte dieses Buch alles drin.

Wenig Text, denn es geht los mit einer Doppelseite und einem einzigen Satz: „Du glaubst, du weißt Bescheid über Zebras?“ Und darunter ein doppelseitig gezeichnetes Zebra. Umblättern. Als nächstes dann ein doppelseitiger Comicstrip: „Die meisten Leute glauben, dass Zebras nur Gras fressen“- Auf dem Bild ist ein Zebra, das auf dem Rücken liegt und rülpst (Fäkalhumor, hurra!). „Zebras sind doof?“ – ein Zebra das ein unbeeindrucktes Warzenschwein zu beeindrucken versucht mit einem riesigen Popel (noch mehr Fäkalhumor, hurra!) und dann wie es in echt ist: Zebras lieben ihre Familie und Freunde, sie sind schneller als der schnellste Löwe und sie fressen wirklich viel Gras – und auf dem Bild rülpst das Zebra dann gleich nochmal. Schon wieder ein Doppelseite geschafft. Auf der nächsten lernen wir Julius kennen, den Hauptdarsteller, ein Zebra, das in Afrika lebt zur Zeit der Römer. (Historisches!) Und – noch mal umblättern – da sehen wir zwei Römer, die sich ordentlich kloppen. Bekannte Figuren: haut nicht ganz hin, hat aber viele Anleihen aus den Madagaskar-Filmen und Asterix und Obelix. Und Situationskomik gibt es „en masse“.

Julius und mit ihm zusammen ein Warzenschwein und ein Löwe werden von Römern gefangen und per Schiff in den Circus Maximus gebracht, um dort in der Arena aufzutreten. Allein die Schiffsreise ist für den Leser Amüsement pur. Für Julius weniger, denn der weiß nicht, was schlimmer ist: das Geschaukel auf dem Wasser oder das Gelaber vom Warzenschwein. Überschrift des Kapitels: Ich kam, ich sah, ich kotzte – veni, vidi, vomit. In der Arena dann mausern sich die Tiere zum Publikumsliebling, der Kaiser begnadigt sie, damit sie noch mehrmals auftreten können – sie müssen also fortan in der Gladiatorenschule trainieren. Blöd nur, dass Julius es sich mit denen von Anfang an verscherzt, als er sie als Affen begrüßt hat. Nicht bös gemeint, sondern aus seiner Vorstellung heraus, dass im Zirkus jonglierende Affen auftreten. Aber fortan mobben die Gladiatoren die Tiere, die sich aber durchaus revanchieren. Und dann gibt es noch den Running-Gag, dass alle den Namen von Julius immer falsch verstehen, mal Debra, mal Barbara und dann halten sie ihn auch noch für ein Pferd. Was ihn regelmäßig auf die Palme bringt, denn Zebras sind viel toller als Pferde, die ja so blöde sind, Leute auf sich sitzen zu lassen.

Alles drin also. Und wunderbarerweise nicht nur die Grundzutaten, sondern auch noch die persönliche Geheimgewürzmischung des Autors, so dass ein richtig, richtig, richtig gutes Buch daraus geworden ist. Das Spaß macht und dass lehrreich ist, auf eine lustige Art: Das Warzenschwein weiß wirklich viel und erklärt viel, Fachwissen über Rom, die Antike und die Welt der Gladiatoren; Julius versteht immer die Hälfte falsch oder gar nicht. So dass Kinder, die noch wenig wissen, sich nicht belehrt fühlen; und Kindern, die schon viel wissen, bescheren die lustigen Dialoge auch noch Aha-Effekte und kleine Synapsenfreudensprünge.

Auch die Zeichnungen machen großen Spaß, weil sie dem Leser eins ums andere Mal lustige Lichter aufgehen lassen. Sie wirken lässig bis nachlässig dahingezeichnet, sind aber punktgenau was Mimik, Stimmung und Komik angeht. Sie übernehmen teilweise die Erzählfunktion des Textes, zusätzlichen Schwung geben sie ihm sowieso.

Der Textanteil steigert sich von Seite zu Seite, zwischendurch auf fast dreiviertelvolle Seiten. Aber bevor man denkt, hey, das ist jetzt aber wirklich ganz schön viel Text, gibt es sofort wieder eine Seite mit fast nur ein paar Sätzen, wie zur Erholung. Bis der Text dann wieder mehr und mehr Fahrt aufnimmt und so geht es weiter. Bis am Ende auch die Lesegeknickten nicht nur durchgehalten haben, sondern begeistert sind. Vom Buch und davon, dass sie ein so gehaltvolles Buch geschafft haben. Und wenn es ganz gut läuft, fragen sie vielleicht nach einem zweiten Band. Gibt es schon: Boxen mit den Briten. Viel Vergnügen.

Fazit:

Madagaskar trifft Asterix: Viel Comic, wenig Text und einmal angefangen, entwickelt sich das Buch zu einem lehrreichen Vergnügen mit so vielen Humor-Facetten, dass für jeden Geschmack was zum Kichern dabei ist. Und wer gerne über alles Mögliche kichert, wird gar nicht mehr aufhören können. Und am Ende haben dann alle ein durchaus dickes Buch geschafft, ein bisschen wie Julius, das Zebra, der zum Löwenfutter bestimmt war und sich zum Helden der Arena gemausert hat, ohne genau zu wissen wie.

Sigrid Tinz, Oktober 2016

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