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Buchcover: Margret Nußbaum: Heute geh ich in die Kirche

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Heute geh ich in die Kirche von Margret Nußbaum

erschienen bei Pattloch

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Ein kleines handliches Büchlein, das überall und eben auch in die Kirche mitgenommen werden kann, erklärt Kindern, was sie in einer Kirche antreffen und wie ein ganz normaler katholischer Gottesdienst abläuft. Dabei erfahren wir, warum wir wann, welches Gebet beten und was die Hintergründe der vielen Handlungen sind, die den Ablauf eines Gottesdienstes bestimmen.

„;Heute geh ich in die Kirche“; erzählt die Gesichte von Lukas und Marie, die von ihrem Pfarrer, Pater Konrad, eine Führung durch die Kirche erhalten. Dabei erklärt der Pfarrer den Kindern die wichtigsten „;Stationen“; innerhalb der Kirchenmauern, die viele Kinder bestimmt auch interessieren.

Zunächst besuchen Lukas, Marie und der Pater Konrad das Taufbecken, das sie in ihre eigene Taufe erinnert, dann betrachten sie den reichgeschmückten Marienaltar und denken an die Menschen in ihrer Umgebung, die Kummer haben und hier oft beten. An dem Stehpult, dem „;Ambo“;, erklärt Pater Konrad, dass er das Mikrofon benötigt, damit ihn alle in der Kirche gut hören können und anhand der Osterkerze, mit den Zeichen Alpha und Omega, erinnert er die Kinder daran, dass Jesus am Anfang ihres Lebens da war und am Ende auch bei ihnen sein wird. Der Hauptaltar, mit seinen brennenden Kerzen, sei der Festtisch, so der Pfarrer, denn er soll an das letzte Abendmahl erinnern.

Schließlich zeigt er den Kindern die kostbaren Gefäße, in denen sich die Hostien befinden, die er aus dem Tabernakel holt. Er erklärt, woraus die Hostien bestehen und dass sie viel länger haltbar seien als normales Brot. Aber das „;heilige Brot“;, so erfahren die Kinder, steht natürlich für die Christen symbolisch für das Brot das Jesus bei seinem letzten Abendmahl brach, ebenso wie der Wein, der in den goldenen Kelchen gereicht wird. Schließlich besuchen sie die große Orgel und die Kinder staunen über die größe der einzelnen Orgelpfeifen. Am Ende der „;kleinen Führung“; zeigt Pater Konrad den Kindern noch die Sakristei. An einem Sonntag sitzen Lukas und Marie mit ihren Eltern in der Kirche und wir erfahren, wie der Gottesdienst der Familie verläuft. Als Pater Konrad davon spricht, dass wir Gott um Verzeihung bitten müssen, für das was wir falsch gemacht haben – denn „;nur dann können wir richtig Gottesdienst feiern...“; fällt Marie ein, dass sie frech zu ihrer Mutter war und bittet Gott in einem Gebet um Verzeihung.

Dann liest eine Frau am Ambo aus der Bibel vor und die Mutter erklärt Lukas, dass sie eine Lektorin sei. Schließlich tritt auch Pater Konrad an den Ambo und liest aus dem Evangelium vor und hält schließlich die Predigt. Dann beten alle gemeinsam das Glaubensbekenntnis. Als die Fürbitten gehalten werden, fällt auch den beiden Kindern einiges ein, das sie für andere Menschen erbitten. Zum Beispiel für den kranken Freund, der nicht zum Fußballspielen kommen kann oder für die Kinder in den armen Ländern. Dann beginnt die heilige Kommunion und die Kinder erhalten ein Kreuzzeichen, als sie gemeinsam mit ihren Eltern zum Altar gehen. Als die Messe zu Ende ist verabschieden sich beide Kinder von Pater Konrad und versprechen ihm, am nächsten Sonntag wieder zu kommen.

Viel Wissenwertes aber auch viel Abstaktes erwartet Kinder bei der Lektüre dieses kleinen Büchleins, das sich sicherlich auch hervorragend dazu eignet, es in die Kirche mitzunehmen – aber mehr noch für Kinder, die bereits selbst lesen können. Denn die Illustrationen sind kaum so vereinnahmend, dass ein etwa vierjähriges Kind von ihnen dauerhaft in den Bann gezogen werden könnte. Es sind flächige Zeichnungen, die hauptsächlich in gedeckten Farben gehalten sind, wobei von den dargestellten Gesichtern nur wenig Emotionen abzulesen sind. Mit Ausnahme von Pater Konrad, der auf manchen Darstellungen sogar nur wenig warmherzig wirkt.

Nicht nur die Bildsprache wirkt eher Distanziert -auch der Text insgesamt hält sich eher emotional zurück und es wird dramaturgisch auch nicht dadurch besser, dass sich auf jeder zweiten Seite ein kleines Gebet befindet, das die Kinder „;schnell mal“; passend zu dem jeweiligen Zusammenhang beten. Ein Gebet oder auch zwei können Kinder gut verstehen – aber das immerwährende Danken erscheint mir in ihrer noch so freien Gedankenwelt fehl am Platz. Viel eher hätte es gepasst, wenn das Kind sich zu dem jeweiligen Zusammenhang seine eigenen Gedanken gemacht hätte. Kinder sollten eher von uns lernen, dass Gott auch das erfährt.

Das Beten- und Dankenkönnen ist sicherlich ein wichtiger Aspekt der christlichen Religionsausübung und hat auch noch immer eine wichtige Bedeutung – keine Frage. Aber nicht bei Gott sollte Marie sich in erster Linie lernen zu entschuldigen, wenn sie frech war zu ihrer Mutter, sondern bei ihrer Mutter selbst. Viele Dinge wie Sakristei, Tabernakel, Ambos werden nur beim Namen genannt. Es wäre vielleicht hilfreich für das Verständnis gewesen, diese Dinge – wenn auch nur kurz – zu erklären, damit sie nicht so abstrakt bleiben. Z.B. aus welcher Sprache der jeweilige Begriff stammt und was er in unserer Sprache bedeutet.

Fazit:

Das Buch lässt leider insgesamt eine Lebendigkeit vermissen, die es heute umso wichtiger macht, Kinder „;auf dem richtigen Kanal“; zu erreichen. In seiner Erzählform wirkt es eher traditionell und auf die offziellen Lehren der Kirche ausgerichtet. Auch die wiederholten Reflektionen, die Dankbarkeit und manchmal auch ein schlechtes Gewissen bei den Kindern hervorbringen sollen, lassen dieses Buch eher streng wirken – und das erinnert mich wiederum an die frommen Bücher meiner Kinderheit. Aber wenn es darum geht, die traditionellen Gebete und Handlungen in der Kirche informativ näherzubringen, legt dieses Buch eine solide Basis – auch für Eltern, die eine kleine Anregung zur Beantwortung der vielen Fragen, die sich um das Thema „;Kirche“; ranken, begrüßen würden.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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