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Buchcover: Silke Opitz: Stromausfall im Bauhaus

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Stromausfall im Bauhaus von Silke Opitz

erschienen bei Bauhaus-Universität Weimar

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 5 Jahren]

„Stromausfall im Bauhaus“ ist der Titel des ersten Kinderbuchs, welches der Verlag der Bauhaus-Universität Weimar veröffentlicht. Ein interaktives Kinderbuch, auch für Erwachsene, die mit einer magischen Taschenlampe diese damals revolutionäre Avantgarde- Architekturzeit kennenlernen möchten.

Die weltberühmte Kunst- und Design-Schule in Weimar ist vielen bekannt. Im Jahr 1923 wohnt dort der neugierige Paul, der Hausmeistersohn, der stets von seiner kleinen Katze begleitet wird. Als er einmal allein durch die Schulflure stromert, fällt prompt der Strom aus und er muss sich mit einer Taschenlampe zurechtfinden.

Er macht sich auf zu einer spannenden Entdeckerreise, quer durch die berühmte Schule. Dabei entdeckt er viele Schätze, die scheinbar magische Zauberkräfte besitzen – lauter von den „Bauhäuslern“ ausrangierte Gegenstände und Materialien. Er entdeckt den Grundriss des Hauses, viele detailreiche Möbel, einen alten Salonstuhl beispielsweise, reich verzierte Wäsche, Teppiche, eine Kaffeekanne mit Goldrand und geschwungener Tülle, Lampen, eine lila Farbdose und vieles mehr. Was jedoch alle Gegenstände gemeinsam haben: sie alle klagen dem Jungen ihr Leid, da sie in den Keller verbannt wurden. Neugierig geht Paul den Gründen, warum diese Gegenstände alle in Ungnade gefallen sind, nach. Ein Grund für das Ausrangieren der verzierten Gegenstände ist die Funktionalität, die in der Bauhausbewegung von besonderer Bedeutung war.

Dann ist Paul plötzlich wieder an der Kellertreppe angelangt. Es gibt einen lauten Knall, die Taschenlampe poltert die Stufen herunter und es ist wieder taghell. Alle Glühbirnen im Keller brennen wieder.

Eigentlich müsste Paul nun wieder nach Hause gehen, aber er möchte lieber nach den Bauhaus- Gegenständen im Obergeschoss sehen. Er will der „Funktionalität“ auf den Grund gehen. Die klaren, typischen Strukturen der Bauhaus-Zeit erkennt er sofort. Selbst die Schrift in den Büchern ist schnurgerade und sieht sehr ordentlich aus. Als er unerlaubter Weise einen Stuhl ausprobiert, erkennt er neben der Funktionalität auch die Annehmlichkeiten des Bauhaus-Designs. Aber dennoch vermisst Paul ein wenig die verschnörkelten Elemente und die Farbenfröhlichkeit der ausrangierten Teile im Keller der Schule.

„Wir sind denen dort oben nicht funktional genug“, jammert die Goldrandkanne. Fast bekommt der Leser Mitleid mit den ganzen ausrangierten Gegenständen – so lebendig und individuell lässt Silke Opitz die ausrangierten Gegenstände im Keller der Design-Schule sprechen und ebenso lebendig hat Judith Drews sie gezeichnet. Gerade diese Lebendigkeit macht das Buch für Kinder interessant. Kunst- und Architekturepochen können sehr trocken vermittelt werden. Bei aller Lebendigkeit will es meiner Meinung nach aber nicht recht gelingen, Kinder wirklich für den Bauhaus-Stil zu begeistern. Zu sehr stehen die Stilrichtungen anderer, vorangegangener Epochen im Vordergrund. Die Tatsache, dass Paul sie am Ende sogar vermisst, wirbt nicht gerade für den Bauhaus-Gedanken. Dennoch ist es dem Autoren- und Illustratorinnenteam gelungen, Kinder auf unterhaltsame Weise die wichtigsten Begriffe dieser Zeit zu vermitteln.

Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar als Kunstschule gegründet und bestand von 1919 bis 1933. Paul lebt also 1923 mitten in dieser Zeit. Das Bauhaus steht für Klassische Moderne, Formschönheit, schlichte Eleganz, Funktionalität, Schnörkellosigkeit, neue Schlichtheit und begrenzte Farbgebung. Alles andere wurde in dieser Zeit rigoros wegggestrichen, oder, wie in diesem Buch, in den Keller verbannt. Auf seiner Reise erkundet Paul somit gleichermaßen die Regeln des Bauhauses, und geht diesen konsequent nach.

Pauls Entdeckungsreise kann der Leser mit der Papptaschenlampe hautnah begleiten. Mittels farbiger Folien, die vor einem schwarzgrundigen Hintergrund liegen, können durch das Hinterlegen eines weißen Untergrundes – in diesem Fall der Lichtkegel der Papiertaschenlampe – Details auf der farbigen Folie sichtbar gemacht werden.

Verborgenes in der Dunkelheit zu entdecken, lässt Kinder aktiv werden und lässt sie intensiv an den Eindrücken teilnehmen. Somit wird das Wissen über das Bauhaus spielerisch vermittelt.

Fazit:

Die Kunsthistorikerin Silke Opitz vermittelt auf 56 Seiten kenntnisreich, umfassend und kindgerecht Ideen und Ziele des Staatlichen Bauhauses, das 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wurde. Bewusst sachlich wird das Bauhaus als ebensolche, historische Bewegung verstanden. Einen Besuch im Bauhaus ersetzt das Buch natürlich nicht. Doch als Vorbereitung ist es allemal unterhaltsamer als jeder Lexikonartikel.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

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