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Buchcover: Paul van Loon: Das Gruselhandbuch

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Das Gruselhandbuch von Paul van Loon

erschienen bei Jacoby & Stuart

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Man kann von Halloween halten, was man will: es gehört für die Kinder von heute zum jährlichen Veranstaltungskalender. Spätestens im Herbst denken sie fast ausnahmslos über eine gruselige Verkleidung nach und wenn nicht in der Kita oder in der Schule gefeiert wird, dann bei einem Freund oder einer Freundin. Manche Kinder sind auch generell fasziniert von Horror und Gruseln und können gar nicht genug davon bekommen. In diesem Grusel-Handbuch steht alles drin, was man wissen kann und wissen wollen könnte. Und was man wissen muss – falls man als Eltern bei der Kostüm- und Performance-Entscheidung um Mithilfe gebeten wird.

„Kommen wir gleich zur Sache: Du hast dieses Buch gekauft, ausgeliehen oder geklaut, weil du Gruseliges magst. Da ist gar nichts dabei. Du bist nicht der oder die einzige mit Spaß am Gruseln. Zu allen Zeiten haben sich die Menschen Gruselgeschichten erzählt. Offenbar kommen sie nicht ohne Gruselgeschichten aus.“

Schon mit dem ersten Satz ist klar, hier sind Gruselfreunde unter sich. Und das ist nicht nur eine klare Ansage, was die Leser in diesem Buch erwartet. Sondern auch ein Signal an all die gruselbegeisterten Kinder, die von uns Erwachsenen schon mal gesagt bekommen, sie sollten sich doch lieber mit was Lustigem oder Nützlichem beschäftigen anstatt mit Blut, Moder und Schreckensgestalten. Was daran denn überhaupt so toll sei. Diesen Kindern stärkt das Buch definitiv den Rücken, gut so. Denn: „Gruseln ist eine Kunst. Die Kunst des Gruselns besteht nämlich darin, für eine Weile so zu tun, als sei alles echt. Mit deiner Fantasie kannst du eine Gruselgeschichte so unheimlich machen, wie du willst. Für den, der keine Fantasie hat, ist ein leichtes Klopfen an der Tür einfach ein leichtes Klopfen an der Tür. Aber für den, der die Kunst des Gruselns beherrscht, kann dieses leichte Klopfen etwas ganz anderes bedeuten.“

Und, auch das wird zwischen den Zeilen immer wieder klar: wer die Kunst des Gruselns beherrscht, kann die Intensität steuern. Das ist das Schöne an der Gruselkunst: „Dass du dich auch zum Vergnügen gruseln kannst, indem du Gruselbücher liest oder dir Gruselfilme anschaust. Gemütlich im eigenen Bett oder in einem Sessel. Du weißt, dass das, was du siehst, nicht wirklich passiert. Und wenn es zu gruselig wird, klappst du das Buch zu und kriechst tiefer unter die Decke. Danach hast du höchstens einen Alptraum“, so fährt der Erzähler fort – aber ohne ein „Siehst du, das hast du nun davon“ nachzuschieben. Sondern: „Das ist eine gute Gruselgeschichte allemal wert. Und am nächsten Tag liest du dann einfach weiter, schließlich willst du wissen, wie die Sache ausgeht.“

So plaudert sich das Buch durchs Familienalbum der Gruselgestalten, kenntnisreich und unterhaltsam und mit einem gewissen Hintersinn. Es teilt die Gruselfamilie in zwei Hälften: in Wesen, die man sich nur ausgedacht hat, wie Vampire oder Werwölfe; und in Wesen, die es – wie Hexen oder Zombies – zwar gibt und gab, aber die in echt doch ganz anders sind als in Sagen, Filmen und Geschichten. Und dann gibt es noch die, bei denen man es einfach nicht genau weiß. Bei Geistern zum Beispiel. Die können manche Leute ja sehen, aber die meisten Menschen haben noch nie einen gesehen und werden nie einen sehen, was aber auch nicht heißt, dass es keine gäbe.

Neben aller Grusel-Lese-Lust lernen die Kinder wie nebenbei so einiges: über Aberglauben und warum es ihn gibt, dass Zombies existieren und was es mit Voodoo auf sich hat; die Hexenverbrennungen werden erklärt. Und auch andere mystische Themen haben ihren Platz: die Kryptozoologe zum Beispiel, die sich damit befasst, sagenhafte Tiere und Wesen zu entdecken. Bei Nessi oder dem Yeti hat es noch nicht geklappt, aber bei Seeungeheuern könnten es die Riesenkraken gewesen sein und bei Drachen die meterlangen Komodowaran-Echsen. Im Anhang gibt es eine lange Liste mit aktuellen Gruselbüchern für Kinder. Wer auf den Geschmack gekommen ist, findet also ausreichend weiteres gruseliges Lesefutter.

Die Bilder von Axel Scheffler passen dazu perfekt: großartige Geister, Mumien, Zombies und Werwölfe, die sehr charakteristisch nach sich selbst aussehen und gleichzeitig klar zu Schefflers kulleräugigen Buchgestalten-Familie gehören. Und die ein klein bisschen harmloser sind als der Text und so ebenfalls dazu beitragen, dass bei der Gruselfreude die Freude überwiegt. Und nicht das Gruseln.

Aber: Text und Bild entzaubern das Thema auch nicht komplett und die Grusellust bleibt eben auch ein bisschen gruselig, denn „du kannst selbst entscheiden, was du glauben willst. Aber vergiss nicht unter deinem Bett nachzuschauen, bevor du das Licht ausmachst. Man kann ja nie wissen.“

Fazit:

Das Buch gab es schon mal vom gleichen Team, vor mehr als 20 Jahren. Es war vergriffen und ist jetzt komplett aktualisiert wieder zu haben – endlich, könnte man sagen. Ein Lexikon im Plauderton, ein Horrorkabinett, in der alle Gruselwesen mit einem gewissen Charme rüberkommen, exzellent ergänzt durch die von Axel Scheffler gestalteten kleinen Szenen voller kulleräugiger Monster und Geister. Für alle gruselbegeisterten Kinder ein Lieblingsbuch und für alle zaghafteren Kinder ein Versuch, sich ohne Schreck mit dem Thema zu befassen. Und für Erwachsene ebenfalls lehrreich und unterhaltsam, man muss ja mitreden können.

Sigrid Tinz

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