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Buchcover: Peter Pohl: Anton, ich mag dich

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Anton, ich mag dich von Peter Pohl

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Jojo bewundert Anton, der ein fantastischer Fußballspieler ist. Anton ist hilfsbereit, kein Angeber und die anderen respektieren ihn, auch wenn er mal ein Mädchen, dass sich verletzt hat, tröstet. Doch Anton hütet auch ein Geheimnis. Wird die Freundschaft zwischen Jojo und Anton halten, wenn Jojo dieses lüftet?

„ Du bist die Welle, die ihren eigenen Weg durch unser seichtes Gewässer zieht.“ , so beschreibt der zehnjährige Jojo Anton Persson, den Jungen aus seiner Klasse, der immer präsent ist und doch irgendwie über alle hinweg sieht. Jojos Eltern finden das nicht besonders bemerkenswert, aber was verstehen sie schon von Anton.

Als Jojo dann bei den MittelStufenMeisterschaften beim Fußballspiel gegen die 4. Klassen durch einen Pass von Anton das entscheidende Tor schießen kann, kommen sich beide Jungen endlich näher. Anton schlägt Jojo vor, zum FC Alve zu kommen, denn er ist der Meinung, dass er gut genug für den Verein ist. Jojo hat schon Lust, aber wenn er in sich geht, dann will er einfach nur Zeit mit Anton verbringen. Jojos Eltern sind skeptisch, unterstützen ihn aber in seiner Entscheidung. Als Anton Jojo zum ersten Mal zu Hause besucht, gewinnen die Eltern einen positiven Eindruck von dem Jungen, von dem Jojo so geschwärmt hat. Jojos jüngere Schwester Kattis, 7 Jahre alt, die eine wahre Nervensäge ist, verguckt sich ein bisschen in Anton. Allerdings ist Anton auch sehr lieb zu ihr, auch zur jüngsten Schwester Ullis, sie ist drei Jahre alt. Anton erzählt, dass er gern Geschwister hätte. Jojos Mutter ist wieder schwanger und Jojo darf gar nicht daran denken, wie seine Eltern es immer schaffen, dass alle Geschwister auf den Tag genau drei Jahre auseinander sind.

Aus Jojos Sicht wird erzählt und in seinen Gedankengängen spricht der Junge auch Anton immer an, fast so als würde man mit einem Menschen sprechen, den man nicht nur bewundert, sondern auch liebt. Als Anton dann ein nagelneues Handy mitbringt, kann Jojo damit gar nichts anfangen. Als die Lehrerin Anton wegen seines Handys ermahnt und er eine Diskussion anzettelt, droht sie ihm, dass sie seine Eltern benachrichtigen wird, wenn er das Handy nicht zu Hause lässt. Sehr schnell lenkt Anton ein.

Immer wenn die Jungen nun zum Fußballtraining gehen, spielt Jojos Vater den Chauffeur. Er wusste, dass das auf ihn zukommen würde, wenn Jojo im Verein ist. Jedes Mal behauptet Anton, dass sein Vater sich verspätet und Jojos Vater bringt den Jungen nach Hause. Auch beim Auswärtsspiel ist das Auto von Antons Vater angeblich defekt. In kurzen Szenen erzählt Peter Pohl von Antons Freiheiten, die Jojo seltsam erscheinen. Er sucht nach Autokennzeichen auf dem Parkplatz in der Innenstadt, die Jojo eigentlich allein nicht betreten soll. Jojo findet das unsinnig. Anton holt sich einfach in einem Laden einen kleinen schwarzen Kasten, um seinen Namen in Leuchtschrift schreiben zu können – für 99 Kronen. Angeblich hat seine Mutter ihm eine Kreditkarte zur Verfügung gestellt. Jojo ist erstaunt. Aber Anton wiegelt ab, denn er ist der Meinung, dass Jojos Familie doch reich sein muss, denn immerhin haben sie ein eigenes Haus und sicher erhalten die Kinder alles, was sie haben wollen. Jojo verneint und erkennt, dass Anton sich plötzlich unwohl fühlt und sich sogar bei Jojo entschuldigt. Jojo hofft, dass Anton ihn endlich zu sich nach Hause einlädt. Immerhin weiß Jojo, in welchem Hochhaus Anton wohnt. Aber nichts passiert. Anton begleitet Jojo lieber nach Hause und tischt den Eltern eine dicke Lüge auf. Jojos Vater erkennt, dass Anton ziemlich fix die Unwahrheit sagen kann. Sehr ruhig und verständnisvoll macht er Jojo klar, dass es ihm lieber ist, die Wahrheit zu hören und zu wissen, wo die Jungen sich aufhalten. Anton hatte behauptet, dass sie auf dem Sportplatz waren und nicht in der Innenstadt.

Anton verstrickt sich in immer mehr Widersprüchlichkeiten. Immer wieder hat er ein neues Handy dabei und behauptet, es sei noch das alte. Jojo will ihn nicht provozieren und auch keinen neuen Streit entfachen.
Anton ist ein Kind, das erkennen Jojos Eltern eher als ihr Sohn, das nicht behütet ist. Beim Auswärtsspiel hat er keine Verpflegung mit, als Anton bei Jojo übernachten darf, ruft er nicht mal zu Hause an, um Bescheid zu sagen. Anton überspielt alles und kann doch die Erwachsenen nicht täuschen. Zu Hause bei Jojo verzaubert Anton alle mit seinem Charme und seinem Zaubertalent. Die Mädchen sind hin und weg. Immer wieder stellt Jojos Vater dem Freund neue Fragen. Jojo findet das peinlich.
Zu Weihnachten schenkt Anton dann seinem Freund ein Geschenk, das alle sehr skeptisch stimmt. Beim Schaufensterbummel im Zentrum hatte Jojo gesagt, dass er das enorm teure Teleskop wunderbar fände. Dieses exklusive Gerät ist nun das Geschenk für Jojo. Der Vater von Jojo vermutet, dass es geklaut ist und liegt richtig. Jojo muss mit Anton reden. Dieser jedoch windet sich wie ein Aal. Er ist der perfekte Lügner und Dieb, denn immer wenn die Jungen bei McDonalds in der Reihe stehen, vermisste der Mann in der Schlange vor ihnen seine Geldbörse. Jojo dämmert langsam, was geschehen war. Seine Bewunderung für Anton schwindet. Aber Anton ist sein Freund, er muss, auch wenn es übel ausgehen sollte, hinter sein Geheimnis kommen.

Die Wahrheit ist mehr als bitter, denn eines Tages kommt Anton nicht mehr in die Schule. Das Jugendamt hat ihn abgeholt. Seine Eltern sind vor acht Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nun wohnt der Junge bei seinem behinderten Onkel Albin, der ihm nichts bieten kann. Anton hat sich mit anderen durch Diebstähle bereichert und eine Scheinwelt aufgebaut, die nun wie ein Kartenhaus zusammenfällt als Jojo in seiner Wohnung steht.

Peter Pohl (*1940), schwedischer Schriftsteller und Mathematikprofessor, umkreist in seinen Kinder- und Jugendbücher oft die Problemfelder Kindheit und Freundschaft. „Jan, mein Freund“ war eines der ersten, mit vielen Auszeichnungen bedachte Jugendbuch, mit dem der Schwede auf sich aufmerksam gemacht hat und so zum Geheimtipp wurde. Peter Pohl schlägt sonst auch aus eigenen Erfahrungen in seinen Jugendbüchern einen sehr harten Ton an, umgeht nie Gewaltszenen und meidet kaum den genauen Blick auf die reale Welt. In „Anton, ich mag dich“ könnte der Leser ahnen, welches Leben Anton im verborgenen führt. Aus Jojos Perspektive, dem wohlbehüteten, in einem harmonischen Elternhaus lebenden Jungen, beobachtet der Autor seine Hauptfigur, den charismatischen Anton, der den Erwachsenen spielt und doch nicht perfekt ist. Anton scheint zwei Gesichter zu haben. Langsam und psychologisch genau entwickelt Peter Pohl die Beziehung der beiden Jungen. Aus der großen Bewunderung seitens Jojos entwickelt sich eine enge Freundschaft. Der schwedische Autor erzählt auch aus Jojos Sicht in einer bildreichen und genauen Sprache von den Ereignissen und überlässt dem Leser eine eigene Meinung.

Anton ist fasziniert von Jojos Familie, den kleinen Schwestern, den Eltern, die an allem interessiert sind. Ihnen möchte er gefallen, mit Jojo auf gleicher Stufe stehen. Doch bei Peter Pohl entstehen zwischen den Protagonisten Freundschaften nie nur zum Spaß oder als Laune, sie sind immer mit existentieller Bedeutung aufgeladen. Anton macht sich ein Bild von Jojos Leben und liegt völlig schief. Jojo glaubt Anton zu kennen und irrt sich. Als Jojo in seiner Freundschaft zu Anton um ehrliche Antworten bittet, fühlt er sich von den Antons Aussagen betrogen. Peter Pohl wirft viele Fragen auf, die Kinder sich stellen:
Was weiß ich wirklich über Freunde? Wie genau will ich jemanden wirklich kennenlernen? Halte ich zu einem Freund, auch wenn er mich anlügt?

Fazit:

Eine Freundschaft beruht nicht nur auf Bewunderung, sondern auch auf Ehrlichkeit. Diese Erfahrung muss Jojo auf dem Weg zum Erwachsenwerden machen und er begreift, dass er Anton nie wirklich kennengelernt hat. Mit wahrer Empathie für beide Jungen erzählt der schwedische Autor nah an der realen Lebenswirklichkeit entlang. Das ist eine Geschichte, die den Leser auch nach dem Ende der Lektüre beschäftigen wird.

Karin Hahn

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Corinna Brauk meint:
Ein wunderbares Buch!

Dieses Buch regt wirklich zum Nachdenken an. Es ist sicher sehr gut einzusetzen für die Besprechung im Unterricht und geeignet für das Gespräch zwischen Eltern und Kindern.

Die Buchbesprechung vergisst die Überraschung am Ende, die alles wiederum in einem anderen Licht erscheinen lässt: Jojo ist Josefine!
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