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Buchcover: Dirk Reinhardt: Anastasia Cruz

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Anastasia Cruz von Dirk Reinhardt

erschienen bei Bloomsbury

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Kinderbuch des Monats [10.2009]. Anastasia darf ihren Vater, Prof. Kimbel, zu seinen Forschungsarbeiten an der verborgenen Azteken-Stadt Tenochtitlán in Mexico-City begleiten. Bereits auf dem Hinflug hat Anastasia eine eigenartige Begegnung mit einem Mann indianischer Abstammung; doch da ahnt Anastasia noch nicht, dass sie schon bald- zusammen mit ihrem Freund Paco und ihrem Hund Schliemann- auf der Suche nach dem sagenumwobenen Azteken-Schatz sein wird …

Anastasia lernt ihren Freund Paco auf höchst ungewöhnliche Art kennen: Sie schießt ihm eine Cola-Dose geradewegs in sein Schuhputzzeug. Der Junge besucht keine Schule – er muß durch das Schuheputzen den Unterhalt seiner Familie aufbessern. Anastasia hat sofort Vertrauen zu dem pfiffigen Kerl und schildert ihm von den eigenartigen Erlebnisse ihres Hinflugs. Sie zeigt ihm auch die geheimnisvolle Schatzkarte, die sie bei dieser Gelegenheit an sich bringen konnte. Beide finden heraus, dass die Karte tief in den Untergrund Mexico-Citys führt. Und damit nimmt das Abenteuer von Anastasia, Paco und dem Hund Schliemann seinen Lauf. Denn es müssen noch so manche nächtliche Abenteuer überstanden werden, bis sie herausfinden, dass Anastasia diejenige ist, die dazu auserwählt wurde, den verborgenen Schatz – das Vermächtnis der Azteken – zu finden. Anastasia, die begreift, dass sie die Hoffnung der noch verbliebenen Azteken und Anhänger des Gottes Quetzalcóatl ist, nimmt den schwierigen Auftrag an. Doch sie hat – neben den schweren Prüfungen und Rätsel, die sie auf der Suche nach dem Schatz der Azteken durch die sieben Höhlen von Aztlán überwinden muss – auch so manch gefährlichen Widersacher aus diesen Tagen. Da ist nicht nur der Erzfeind ihres Vaters, Zorak mit seinen gehässigen Söhnen, die es ständig darauf anlegen, Anastasia und ihrem Vater eins zu versetzen. Auch der kämpferische junge Mann namens Yaotl, der zusammen mit seinen Schergen Anhänger des Huitzilopochtli, der Gott der Sonne und des Krieges, ist, wird den Kindern noch schwer zusetzen; zumal sich auch noch herausstellt, dass außgerechnet Zorak und Yaotl gemeinsame Sache machen. Auch sie suchen den sagenumwobenen Schatz, wobei Yaotl, der Anführer der „Jaguarkrieger“, noch höchst fragwürdige politische Ziele verfolgt indem er Repräsentanten der weißen Oberschicht in einer der Höhlen von Aztlán gefangen hält.

Einerseits wild entschlossen, dem Schatz der Aztken und dem Vermächtnis des letzten Herrschers Cuauhtémoc auf die Spur zu kommen – und andererseits durch ihre zu allem entschlossenen Feinde getrieben – wagen sich die beiden Kinder immer tiefer in die unergründlichen Höhlen mit ihren lebensgefährlichen Prüfungen und Fallen. Eine Suche, die, wie schon bald deutlich wird, eine Expedition ohne Wiederkehr werden könnte …

Der Münsteraner Autor Dirk Reinhardt erzählt eine überaus spannende Geschichte zweier Kinder und eines außergewöhnlich klugen Hundes, die sich auf die mehr als fünfhundert Jahre alten Spuren der Azteken begeben. Sehr klar und gut durchdacht verwebt Autor und Journalist Dirk Reinhardt, der Geschichte und Literatur studiert hat, geschichtlich belegte Hintergründe mit dem fiktiven Abenteuer Anastasias. Parallel dazu erzählt Dirk Reinhardt von dem normalen Alltag der beiden Kinder. Anastasia, deren Mutter bei einem Forschungsauftrag in die Tiefe gestürzt ist und deren Schicksal noch immer ungeklärt ist, lebt mit ihrem Vater und dessen neuer Lebensgefährtin Doris in der Wohnung des Freundes Pepe, der sich während der Forschungsarbeiten im Museum ausquartiert hat. Das Verhältnis zwischen Doris und Anastasia ist schwierig. Die neue Frau an Vaters Seite hat keinerlei Verständnis für die Gefühle des Mädchens und kann – der Hoffnung des Vaters zum Trotz, der darauf setzt, dass die kontrollierte und resolute Frau seiner Tochter Halt geben könnte – Anastasia keine Mutter sein. Intolerant, unflexibel und egoistisch, manchmal auch geradezu dumm, schildert Dirk Reinhardt die Frau und lässt keinerlei Zweifel, dass sie wohl kaum die richtige Ergänzung in dem eingespielten Vater-Tochter-Duo ist. Auch bei Paco sind die familiären Verhältnisse schwierig. Die Mutter ist alleinerziehend und ihre Kinder müssen, statt eine Schule zu besuchen, für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen. Sie leben in einem der Elendsviertel von Mexico-City, die auf keinem Stadtplan eingezeichnet sind. Dirk Reinhardt schildert im Verlauf die tiefe gesellschaftliche Kluft zwischen Arm und Reich und damit zwischen Ureinwohnern und Weißen. Dies integriert er ganz unverkrampft und ohne jeden offenen Vorwurf: Klar und ohne übertriebenen Nachdruck schildert er das heutige Schicksal vieler mexikanischen Ureinwohner.

Insgesamt gelingt es Dirk Reinhardt sehr gut, die Fäden von der heutigen Metropole Mexico-City in die damalige Zeit der Azteken zu spinnen – bis hinein in die damals atemberaubend schöne und reiche Stadt Tenochtitlán. Dabei verliert er nie den Überblick, behält logische Verbindungen im Auge und vermittelt über die Gedanken und Gespräche der beiden Kinder schnell Zusammenhänge ohne zu viel vorweg zu nehmen. Natürlich ist keine Begegnung oder Begegenheit zufällig; alles fließt am Ende sinnvoll zu einem Strang zusammen.

Reinhardt transportiert dabei, ganz auf Augenhöhe mit seinen Lesern, seine Faszination für die längst vergangene Epoche. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf Fakten; in den Gesprächen zwischen seiner Heldin Anastasia und dem Professor wirft er immer auch einen Blick auf menschliche Schicksale und auf die Fragen, die Kinder zu dieser so weit zurückliegenden Zeit stellen würden.

Dirk Reinhardts Sprache ist klar und unprätentiös. Seine Sätze sind gut strukturiert, die Dialoge – besonders die zwischen den Kindern – sind alltagsnah und damit ganz auf seine jungen Leser zugeschnitten. Dabei gelingt es ihm, ebenso emotionale wie auch dramatische Momente zu vermitteln. Damit ist das Buch sprachlich und dramaturgisch durchaus für Leser ab 10 Jahren geeignet. Es fordert mit seinen über 470 Seiten zwar heraus, doch, einmal in der Geschichte angekommen, ist es nicht schwer, das Buch zu Ende zu lesen. Die kurzweiligen und gut gegliederten Kapitel helfen dabei.

Gut gelöst und sehr kindgerecht ist auch Reinhardts „Kniff“ das Ende gleich zu Anfang vorweg zu nehmen. Wir steigen nämlich in die Geschichte ein, als Anastasia und ihr Vater in ihre Heimat zurückkehren und von zahlreichen Fans, Kamerateams und Reportern begeistert empfangen wird. Durch dieses Wissen wird den allzu spannenden Momenten, da die Kinder in den Höhlen von Atzlán sich keinen einzigen falschen Schritt erlauben können, ein wenig die Bedrohlichkeit genommen. Nichtsdestotrotz geizt Dirk Reinhardt kaum mit Nervenkitzel. Dabei scheint er gut zu wissen, wie sehr er die Nerven seiner jungen Leser strapazieren darf. Niemals zieht er kritische Momente zu sehr in die Länge, weiß sie aber dennoch effektvoll zu inszenieren.

Fazit:

„Anastasia Cruz“ ist eine überaus gelungene Mischung: Wie bei den berühmten „Fünf Freunden“ geht es hier um Geheimnisse, Gefahr und um Freundschaft. In Begleitung eines treuen tierischen Freundes und so manchen gut gezeichneten Nebencharakters kann Anastasia das Abenteuer nur bestehen. Dies versprüht zugleich, ohne Frage, das Flair eines „Indiana-Jones“- Abenteuers und verlangt ebenso zweifellos nach einer Fortsetzung.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Brigitte Fiebig meint:
Anastasia Cruz ist sehr spannend, lehrreich unterhaltsam geschrieben, nicht nur für jung sondern auch für älter. Ich konnte es schlecht aus der Hand legen, so ging es auch anderen mir bekannten Lesern. Wir freuen uns schon auf ein Weiterlesen im nächsten Abenteuer und wünschen dem Autor noch viele spannende Geistesblitze....
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