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Buchcover: Kirsten Reinhardt: Fennymores Reise oder wie man Dackel im Salzmantel macht

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Fennymores Reise oder wie man Dackel im Salzmantel macht von Kirsten Reinhardt

erschienen bei Carlsen

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 9 Jahren]

Fennymore lebt seit dem Verschwinden seiner Eltern ganz allein in dem riesigen Haus „Bronks“. Nur Tante Else und sein himmelblaues Fahrrad „Monbijou“, das sich selbst für ein Pferd hält, sind seine einzige Gesellschaft. Der Alltag Fennymores ist klar gegliedert und wird bestimmt durch Tante Elses Leibgericht: Dackel im Salzmantel. Wem das ziemlich eigenartig vorkommt, dem kann ich nur zustimmen. Aber es kommt noch besser …

Fennymores Woche verläuft immer gleich. Am Sonntag kommt Tante Else pünktlich um drei Minuten nach drei Uhr und bringt Dackel im Salzmantel mit, den sie dann beide verspeisen. Am Montag und Dienstag geht es Fennymore stets so schlecht von dem Dackel im Salzmantel, dass er nur noch Sellerie essen kann. Am Mittwoch geht er einkaufen, denn sonst isst er noch Leberwurst und Bananenspliteis. Am Donnerstag gehen Tante Else und er auf Dackeljagd und am Freitag beginnt dann die aufwändige Zubereitung. Nur am Samstag hat Fennymore Zeit. Zeit, um in die Schule zu gehen. Nur schade, dass die samstags geschlossen ist. Das hat natürlich zur Folge, dass Fennymore gar nicht in die Schule geht und nicht besonders gut lesen kann. Dafür kennt er das Erfinderlexikon seiner Eltern auswendig und es beruhigt ihn, seinen Inhalt immer wieder aufzusagen. Darin finden sich die Definitionen für Schmusedecken, graue Nächte oder Bananenspliteis.

Als Tante Else an einem Sonntag zum ersten Mal nicht nur unpünktlich ist, sondern gar nicht auftaucht, entschließt sich Fennymore mit Monbijou in den Ort zu fahren, um sie in ihrem zu Hause zu suchen. Dabei weiß Fennymore gar nicht, ob es den Ort am Sonntag überhaupt gibt, denn sonntags ist er noch nie dort hin gefahren. Als er am Haus von Tante Else ankommt, sieht er Dr. Uhrengut, die Nachbarin Frau Püschel (mitsamt ihrem Dackel Paula) und seinen Lehrer Herr Muckenthaler vor dem Haus stehen. Aber da ist ganz plötzlich noch einer, der wie aus dem Nichts erschienen ist: Der silbriggraue Herr! Vor lauter Schreck lässt Fennymore sein Fahrrad Monbijou los.

Die drei Erwachsenen versuchen Fennymore möglichst behutsam mitzuteilen, dass seine Tante verstorben ist. Todesursache: Dackelvergiftung. Die Tante hat leider auch die nicht mehr ganz so frischen Exemplare noch gegessen, was ihr nicht bekommen ist. Verwirrt will sich Fennymore auf den Heimweg machen. Doch sein Fahrrad Monbijou ist spurlos verschwunden. So läuft er traurig zu Fuß nach Hause. Bei sich trägt er die vermeintlich wertvolle Essigpralinendose, die Tante Else so gut versteckt hatte, einen Badeschwamm und ihren Regenhut mit Blumenmuster.
Gemeinsam mit Fizzy Kobaldini macht sich Fennymore auf die Suche nach Monbijou. Und sie finden ihn tatsächlich. Doch Monbijou bringt die beiden aber nicht zurück nach Bronks, sondern direkt zu dem silbriggrauen Herrn. Hier erfährt Fennymore endlich, was damals tatsächlich mit seinen Eltern geschah.

Fizzy, Hubertus – der silbriggraue Herr -, Monbijou, Herr Muckenthaler und der „gehirnmodifizierte Bärtige“, der angeblich Fennymores Vater sein soll, hecken gemeinsam mit Fennymore einen Plan aus, wie sie dem hinterhältigen Dr. Uhrengut ein für allemal das Handwerk legen werden. Doch dazu müssen sie erst einmal das Geheimnis der Essigpralinendose lüften.

Um gleich eines vorweg zu sagen: Ich mag Dackel. Nicht so wie Fennymores Tante Else, sondern als treuer Freund. Natürlich irritiert von der Leidenschaft, mit der diesen armen Tieren nach dem Leben getrachtet wird, wollte sich trotz des schwarzen Humors, der hier nur zu deutlich hervortritt, nicht so recht jene wohlwollende Neugier einstellen, die ich sonst Kinderbüchern entgegen bringe – auch und gerade dann, wenn sie etwas schräg daher kommen. Doch im Verlauf des Buches hat mich die Welt um Fennymore, die eigenwillige Tragik und der ebenso verquere Humor für sich eingenommen. Doch nicht ich gehöre zur Zielgruppe dieses Buches – Es sind Jungs und Mädchen ab Neun, für die dieses Buch bestimmt ist.
Wer Kinder und ihre Faszination für das Skurrile kennt, wird nicht überrascht sein, dass ihr Interesse an Fennymores eigenwilliger Geschichte sofort geweckt ist. Der Dackel im Salzmantel lässt sie stutzen und macht sie nur noch neugieriger. Es fällt ihnen dabei leicht, die Geschichte durch ihren lockeren Erzählton gleich richtig einzuordnen: Das ist nicht so ganz ernst gemeint und außerdem – das geht ja ganz klar aus der Geschichte hervor – ist der Verzehr von Dackel im Salzmantel nicht gesund …Und was ihnen viel wichtiger ist: Wie geht es weiter?

Die Tatsache, dass Fennymore ganz allein lebt, sich kein Jugendamt um ihn schert und er natürlich nicht zur Schule geht, wird dabei ebenso zur Selbstverständlichkeit wie die Tatsache, dass Monbijou ein Fahrrad mit Pferdeseele ist. Die Tragik um den Verlust der Eltern und die Einsamkeit Fennymores beschreibt Kirsten Reinhardt in einer leichten, fast unbekümmerten Weise, die der durchgängig humorvoll-schrägen Geschichte entspricht, aber keinesfalls oberflächlich wirkt. In vielen kleinen Details erhält der Leser Einblicke, wie sehr Fennymore seine Eltern vermisst, obwohl er sich kaum an sie erinnern kann. Daher ist es nur zu verständlich, dass er bei dem „Bärtigen“, der sein Vater sein soll, mehr als skeptisch ist. Wie in vertauschten Rollen kümmert sich Fennymore um den ziemlich durch den Wind geratenen Mann. Dies ist ein gutes Beispiel für Kirsten Reinhardts ambivalente Erzählweise; sie schildert diese Begegnung zwischen Vater und Sohn, die sich aneinander nicht erinnern können, sehr berührend und gleichzeitig versteht sie es, ihre jungen Leser mit so manch verrückter Aktion zum Lachen zu bringen.

Es scheint, als hätte Kirsten Reinhardt den Nerv ihrer Leser getroffen. Den auf die Realität und der Logik ausgerichteten Blick der Erwachsenen hat sie ausgeblendet. Fennymores Welt ist in sich stimmig, hat aber nur am Rande etwas mit unserer Alltagswirklichkeit zu tun – und doch nimmt sie immer wieder Teile davon heraus und verwandelt sie auf verblüffend einfache Weise. Bei Kirsten Reinhardt ist es nicht das große Ganze, die globalisierte Weltwirtschaft, sondern ein kleiner Ort dessen gesamte wirtschaftliche Stütze das Regenhut-Geschäft ist.

Viele Anspielungen finden einen interessanten Widerklang auf unsere Lebenswirklichkeit. Die Ausgrenzung von sozial Benachteiligten, Oligarchen die den Menschen ihren Lebensunterhalt entziehen, das Festhalten an althergebrachten Machtstrukturen, die durch Neues – wie der Erfindung von Fennymores Eltern – beendet würden. Dr. Uhrengut hat mehr als nur eine „Aktie“ in diesem Geschäft. All das, man mag es kaum glauben, steckt in diesem kleinen Buch. Freilich werden Kinder dies nicht assoziieren; doch Kirsten Reinhardt vermittelt ganz nebenbei, auf witzige und fantasievolle Weise, ein Gefühl für Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

Kirsten Reinhardts Sprache nimmt ihre Leser schnell für sich ein und eignet sich auch wunderbar zum Vorlesen. Sie versteht es interessant und pointiert zu erzählen, entspinnt dichte, in sich logische Zusammenhänge und überrascht immer wieder mit liebenswürdigen Details und eigenwilligen Darstellern, sei es ein Fahrrad, das glaubt ein Pferd zu sein, oder der silbriggraue Hubertus, der einem wegen seiner schweren Aufgabe fast schon leid tut. Mit Leichtigkeit lässt sie Bilder im Kopf ihrer Leser entstehen, die Fennymores Welt so charmant machen. Doch einen kleinen Kritikpunkt gibt es dennoch. Nur wenig Rücksicht nimmt Kirsten Reinhardt auf ihre Leser, was den Einsatz von Fremdwörtern betrifft. Von „Abstinenz“ über „spartanisch“ bis hin zu „materialisieren“ finden sich einige Ausdrücke, die den meisten Kindern von neun Jahren kaum geläufig sein dürften . Dennoch gelingt es der Autorin, diese Worte aus dem Zusammenhang deutlich werden zu lassen oder ihnen keine weitere Relevanz beizumessen. Der Ausdruck „gehirnmodifiziert“ ist jedoch sehr interessant für die jungen Leser – und da wird sicherlich, auch wenn das Verhalten von Fennymores Vater Bände spricht, die eine oder andere Frage kommen. Denn die Möglichkeit, einen Menschen so manipulieren zu können, will verstanden werden.

Fazit:

Kirsten Reinhardts Kinderbuchdebüt ist wie ein Fahrrad, das glaubt, ein Pferd zu sein: unmöglich, unglaublich aber absolut liebenswert. Fennymores Geschichte ist so charmant, humorvoll, skurril und vielschichtig, dass sie gerade für fantasievolle Kinder bestens geeignet ist.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

JettChen:xoxo: meint:
ich finde das buch super das Rezept wie man Dackel im Salzmantel macht ist echt der hammer :D ich habe es bei einem Lesewettbewerb gewonnen,ich muss ein buchvortrag in der schule halten und habe mir das buch dazu ausgewählt ich hoffe es gefällt den anderen aber echt tolles buch DANKE!!!!! Kristen Reinhardt :))
Ebru B meint:
ich finde das buch echt toll,ich habe es auch bei einem vorlesewettbewerb gewonnen und jetzt muss ich darüber ein referat halten.das mit dem dackel im salzmantel rezep ist ein bischen ecklig aber das buch ist super und ich freue mich das ich diese buch habe dankeeeeee kirsten reinhardt :) ...
lara müller-hahl meint:
ich finde das buch super und spanend . ich habe es bei einem lesewettbewerb gewonnen . wir sollen in der schule jetzt ein buch referat halten über unser lieblings buch . ich habe dieses gewählt doch im internet finde ich nur wenige dinge über kristen reinhart und ich muss das referat übermorgen halten . das wird sehr schwierig denn ich muss viel über die autorin bringen . schade, aber da kann mann nichts machen . sehr vielen dank das sie dass buch veröffentlicht haben .
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