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Buchcover: Adam Rex: Happy Smekday oder der Tag, an dem ich die Welt retten musste

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Happy Smekday oder der Tag, an dem ich die Welt retten musste von Adam Rex

erschienen bei Ueberreuter

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star* - Kinderbuch des Monats 5.2014

Gratuity Tucci – kurz Tip genannt – erzählt in ihrem Schulaufsatz über die „wahre Bedeutung“ von „Smekday“, jenem Tag, an dem die Aliens die Erde eroberten und die Menschen in Reservate vertrieben wurden. Tip schreibt ihre Version der Geschichte auf – und die offenbart uns ganz nebenbei, wer damals wirklich die Welt gerettet hat...

Da der Schulaufsatz in einer Zeitkapsel aufbewahrt wird und erst nach 100 Jahren wieder geöffnet werden soll, sieht sich Gratuity „Tip“ Tucci zu dieser Zeit bereits im Jenseits. Daher plaudert sie auch munter drauflos und erzählt den Menschen in der Zukunft ihre ganz persönlichen Geschichte: Was „Smekday“ für sie persönlich bedeutet und was sie seinerzeit erlebt hat.

Was wir „Menschen in der Zukunft“ erfahren, ist, dass Tip ganz besonders von der Invasion betroffen ist. Gratuitys Mutter wird nämlich kurz zuvor von den Außerirdischen entführt. Doch niemand will Tips „Mom“ die Entführung glauben, was vielleicht daran liegen mag, dass sie allen erzählt, sie habe für die Aliens Wäsche falten müssen. Die Arbeitskolleginnen machen bereits einen großen Bogen um sie, als sie eines Tages ein merkwürdiges, leuchtendes Muttermal in ihrem Nacken entdeckt. Tip ist alarmiert und fürchtet, dass ihre Mutter Hautkrebs haben könnte. Doch was dann geschieht, das hätte sie sich nicht in ihren schlimmsten Träumen ausmalen können. Eines Nachts verlässt Tips Mom in eisiger Kälte das Haus und wird von einem Raumschiff der Boov eingesogen. Wie betäubt kehrt Tip, die ihrer Mutter gefolgt ist, heim. Sie wird sehr krank, versucht irgendwo Hilfe zu finden, oder jemandem von der Invasion zu berichten, doch alle Leitungen sind belegt und sie bleibt auf sich allein gestellt. In der darauffolgenden Zeit steht die ganze Welt Kopf. Die Menschen sind auf der Flucht, versuchen sich und alles, was ihnen lieb ist, zu retten. Sie werden aus ihren Wohnungen vertrieben und in Reservate geschickt. Die Menschen gehorchen, denn sie haben Angst vor den Waffen der Boov, die vollkommen geräuschlos die größten Monumente der Menschheit auslöschen können.

In der Zwischenzeit lernt Tip für sich allein zu sorgen und bringt sich – mit Konservendosen an den Füßen – selbst das Autofahren bei. Sie weigert sich, wie alle anderen mit einem Raumschiff evakuiert, oder besser gesagt, vertrieben zu werden. Schnell merkt sie aber, warum sonst keiner auf die Idee gekommen ist mit dem eigenen Auto nach Florida in das Reservat zu fahren. Die Boov haben die Straßen so durchlöchert, dass Tips kleines Auto schon nach kurzer Fahrt einen platten Reifen hat.

Im nahegelegenen Store findet Tip ein paar Lebensmittel für sich und „Sau“- ihre angeblich so ungeliebte und nervige Katze. Bei dieser Gelegenheit trifft sie auch auf einen Boov, der allein unterwegs ist. Sie stellt ihm eine Falle und dieser bietet sich überraschenderweise an, ihr Auto zu reparieren – allerdings auf Boov-Art: Das Auto kann am Ende schweben und fährt mit einem geheimnisvollen, unerschöpflichen Kraftstoff.

Auf ihrer Fahrt quer durch die ehemaligen Staaten von Amerika lernen sich Tip und J.Lo – ja, so lautet der irdische Name des Außerirdischen – besser kennen. Was ein Boov so alles essen kann, ist schon eine Geschichte für sich und warum sie unwiderstehlich auf Katzen wirken, das wird deutlich, wenn man sich den Eigenarten eines Boov mit dem Geruchssinn nähert. Durch einen verblüffenden Zufall erfährt Tip von J. Lo, was in der Zwischenzeit mit ihrer Mom passiert ist und kann sogar neue Hoffnung schöpfen, sie wieder zu sehen. Während ihrer Reise werden das Mädchen und der Außerirdische zu echten Freunden. Dabei treffen sie auf einige außergewöhnliche, eigenwillige und manchmal nur merkwürdige Menschen – und das gilt auch für die Orte, an denen sie sich versteckt halten. Besonders die im unterirdischen Labyrinth eines Vergnügungsparks lebenden Jungs sind sehr speziell und halten Tip zunächst für eine Spionin. Aber auch der alte Indianer vom Schrottplatz, der sich zur Angewohnheit gemacht hat, zu brüllen, sobald ein Weißer in seiner Nähe ist, spielt noch eine bedeutende Rolle.

J.Lo dagegen, der liebenswerte Boov, ist offensichtlich auf der Flucht vor seiner eigenen Art. Warum, das wird allzu klar, als eine noch viel miesere Gattung Außerirdischer die Erde für sich beansprucht: Die Gorg. Brutal, rücksichtslos und riesig. Dabei sind die Gorg stets ein- und dasselbe geklonte Exemplar; aber das zu erklären, würde an dieser Stelle sicherlich zu weit führen. Fest steht, dass die Gorg nicht zufällig auf der Erde eingefallen sind und dass ein gewisser J.Lo nicht ganz unschuldig daran war …

Adam Rex´ außergewöhnliches Roadmovie ist so reich an bühnenreifen Begegnungen, faszinierenden Perspektiven, scheinbaren Zufällen und jeder Menge Situationskomik, dass es unmöglich ist, die Stationen dieser Reise auch nur annähernd umfassend wieder zu geben, ohne den Rahmen zu sprengen. Also beschränke ich mich darauf, dieses Buch so zu beschreiben, dass sich die jungen und auch älteren Leser ein ungefähres Bild von diesem Trip der anderen Art machen können. Ja, auch ältere Leser, weil es ein Buch ist, das die ganze Familie mitreißt, sobald man sich auf Tips freche Erzählweise einlässt. Ihr Erzählton – bzw. der Erzählton den ihr Adam Rex auf den Leib schreibt – wirkt so authentisch, dass man schnell vergisst, dass es dieses freche, kluge Mädchen nur in Adam Rex Fantasie gibt. Mit jeder Menge Galgenhumor und einer hervorragenden Beobachtungsgabe gibt uns Tip dabei einen ziemlich genauen Eindruck davon, wie verrückt die Welt gespielt hat, als die Boov die Erde bevölkerten. Da gibt es Menschen, die versuchen, vollkommen unwichtige Dinge in Sicherheit zu bringen oder die die abwegigsten Dinge tun, die in keinerlei Bezug zur neuen Realität der Menschheit stehen; Dinge die Menschen eben tun, wenn sie mit der vollkommen unwahrscheinlichen Tatsache konfrontiert werden, dass Außerirdische gelandet sind und mit ihrer überlegenen Technik die Menschheit vertreiben.

Bald schon kommt einem erfahreneren Leser das Bild von den vertriebenen Ureinwohnern Amerikas in den Sinn – die Parallelen sind nicht zu übersehen, auch in der Wortwahl der Boov, in der von „edlen Wilden“ (gemeint sind die Menschen) die Rede ist. Bei der Begegnung mit dem Indianer vom Schrottplatz – Häuptling Schreiender Bär – wird dies nur allzu deutlich. Wie Adam Rex in seinem Interview mit der Kinderbuch-Couch klar herausstellt, war dies auch die ursprüngliche Idee für dieses Roadmovie, in dem sich ein elfjähriges Mädchen, ein liebenswerter Alien und eine eigenwillige Katze auf den Weg machen, die Welt zu retten.

Die wunderbaren Comic-Strips und die kleinen, mit Klebe-Streifen „angehefteten“ Skizzen, die uns Lesern die Größenverhältnisse oder das Aussehen von Außerirdischen und ihren Raumschiffen verdeutlichen sollen, sowie die kleinen s/w-Fotografien – Schnappschüsse von der Reise und aus Tips Leben – stammen allesamt aus der Feder des talentierten Adam Rex. Eigentlich von Haus aus Illustrator, hat er bisher eher um seine Zeichnungen Geschichten „gebaut“ – seien seine beliebten Geschichten um Frankensteins Monster oder die Zirkustiere im Baum. Doch bei „Happy Smekday“ war es genau umgekehrt, da entstand zunächst eine Geschichte und die Bilder kamen dazu. Natürlich hat Adam Rex herumprobiert, um den Boov oder den Gorg ihr charakteristisches Aussehen zu verleihen, um so zu einem wichtigen Teil der Erzählung zu machen. Und das leisten sie wirklich. Ohne Worte erklären sie uns die Entwicklung der Boov, geben uns Eindrücke und Erklärungen von intergalaktischen Konflikten und fehlgeschlagener Diplomatie. Die Boov, stellt sich heraus, sind den Menschen gar nicht so unähnlich. Einige der Comic-Strips, die in der Geschichte von J.Lo stammen, sind ein sehr unterhaltsamer Teil der Geschichte und machen das Geflecht aus fiktiver Vergangenheit und Gegenwart umso glaubwürdiger – Adam Rex hat so einen in sich geschlossenen Kosmos erschaffen, der eine eigene aber deswegen nicht weniger stimmige Logik aufweist. Eine sehr wichtige Grundessenz für jede gute Geschichte.

Sympathisch ist Tips überhaupt nicht theatralische oder sentimentale Art mit den Geschehnissen umzugehen. Dadurch überlässt Adam Rex es ganz dem Leser, eine Situation nahe an sich herankommen zu lassen. Er gibt mit Tips tapferen Art nicht vor, wie man sich fühlen müsste, damit es richtig ist. Tip weiß es selbst nicht so genau, was sie fühlen soll und so beschränkt sie sich darauf, das Handeln zu beschreiben sowie ihre meist klaren Vorstellungen davon, was als nächstes getan werden muss. Dies macht manche Momente umso packender und wird neben den Lachern auch so manches „Innehalten“ auslösen – etwas, über das man nachdenkt, dem man zustimmen kann.

Vor realem Hintergrund und einem fiktiven Ereignis lässt Adam Rex eine so greifbare, so lebendige Geschichte vor unserem inneren Auge entstehen, dass es kein Wunder ist, dass die Filmindustrie auf das Buch aufmerksam geworden ist (Filmstart November 2014). Adam Rex setzt seine Pointen und seine Situationskomik so geschickt, dass sie schon für sich genommen filmreif sind. Altersübergreifend passt es hervorragend in das Konzept der Familienunterhaltung und bietet mit seinen sehr speziellen Hauptdarstellern eine Menge Identifikationspotential.

Fazit:

Intelligent, lebensklug, ehrlich und witzig …all das ist das außergewöhnlichste Roadmovie, das wohl je erdacht wurde. Jede Kleinigkeit ist dabei so lebendig, dass nach kürzester Zeit ein echtes „Kopfkino“ anspringt, das nicht nur Humor sondern auch Herz vermittelt. Um Happy Smekday zu lieben, muss man kein Kind mehr sein – man muss im Inneren nur eines geblieben sein – und wird in diesem Abenteuer eine Wahrheit finden, die nicht „da draußen“ sondern in jedem von uns liegt.

Stefanie Eckmann-Schmechta, Mai 2014

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