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Buchcover: Jutta Richter: Das Schiff im Baum

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Das Schiff im Baum von Jutta Richter

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Tschüss Medienwelt, hallo plattes Land! So sehen die Ferien von Katharina und Ole aus. Den beiden stinkt es gewaltig, dass Mama sie für 2 Wochen zu Tante Polly und Onkel Fiete schickt. Doch sie lernen schnell, dass es ohne Hightech ganz und gar nicht langweilig sein muss …

Kinder, die in den Ferien nicht verreisen wollen? Die gibt es nicht! Was aber, wenn die Aussicht auf Urlaub nur was Ödes verspricht, weil Mama sich mit ihrem geringen Gehalt einfach kein besonderes Reiseziel leisten kann? Dann ist es wohl doch besser, zu Hause zu bleiben. Das denken sich auch Katharina und Ole, die Mamas Absicht, die beiden zu ihrer Tante und ihrem Onkel nach Betenbüttel zu schicken, richtig ätzend finden. Wie kann sie ihnen das bloß antun?? Betenbüttel, das klingt nach NICHTS, nach einem nordischen Kaff ohne Computerspiele, DSL-Anschluss und Handynetz! 2 Wochen Leben ohne Multimedia gleicht für die Geschwister einem Alptraum!!!

Als die beiden in Betenbüttel ankommen, scheint alles noch viel schlimmer zu sein, als sie sich vorgestellt haben: das Haus der Verwandten liegt fernab vom ohnehin ausgestorbenen Dorf, die Bushaltestelle an der nächsten Straßenkreuzung wird schon seit Jahren nicht mehr angefahren. Nichts als Felder, ein Teich, ein paar Tiere UND ein dementer Onkel Fiete …

Gäbe es nicht noch Tante Polly, die zwar auch alt aber herzensgut und munter ist, sie hätten Reißaus genommen!!
Denn: was sollen sie in so einem einsamen Häuschen am Ende der Welt die ganze Zeit machen?? Ole bekommt in der ersten Nacht einen schrecklichen Alptraum, der einzig und allein durch Onkel Fietes Seemannsgarn und die ungewohnte und irgendwie doch spannende Umgebung entstanden ist. Nachdem der erste Schreck überwunden ist, entwickelt sich aus seinen Träumereien ein großartiger Plan, der die kommenden Tage ausfüllt: Katharina und Ole bauen aus alten Holzstelzen ein Baumschiff, das zu ihrem persönlichen Revier wird. Nie im Leben hätten sie gedacht, dass sie so viel Spaß an handwerklichem Bauen und Basteln haben würden!

Lediglich die Tatsache, dass Onkel Fiete immer wieder wirre Momente hat, trübt die gute Stimmung. Doch auch damit lernen die Geschwister in diesen Ferien umzugehen. Die Zeit vergeht wie im Fluge und viel schneller als ihnen lieb ist, steht Mama vor der Tür und holt sie ab. Von Freude über die Abreise ist keine Spur! Und Mama ist nicht mal überrascht, dass Katharina und Ole gar nicht heim wollen. Aus ihren eigenen Kindheitserinnerungen hat sie wohl gewusst, wie herrlich anders ein Urlaub in Betenbüttel ist – und wie sehr man sich nach einer baldigen Rückkehr sehnt …

Jutta Richter hat mit „Das Schiff im Baum“ ein kurzweiliges und unterhaltsames Kinderbuch erschaffen. In überschaubar kurzen Kapiteln nimmt sie den jungen Leser mit auf eine Reise in die ländliche Idylle, die manches Großstadtkind wohl nur aus dem Fernsehen kennt. Und genau so ungewohnt und öde wie für die beiden Hauptcharaktere Katharina und Ole wird die Beschreibung von Betenbüttel für einige Leser sein. Durch eine Illustration auf der ersten Seite des Buches, die Tante Pollys und Onkel Fietes Häuschen samt Umgebung zeigt, kann er jedoch eine genaue Vorstellung vom Feriendomizil der Geschwister bekommen und der Geschichte gut folgen.

Jutta Richter hat in „Das Schiff im Baum“ keine umfangreiche Handlung niedergeschrieben, sondern den Schwerpunkt auf die kindliche Veränderung von Einstellungen und Gefühlen in einer neuen, unbekannten Situation gelegt. Somit wird Katharinas und Oles anfängliche negative Meinung zum Landurlaub von Richter unverblümt dargelegt. Hiermit wird der spätere Wandel ihrer Anschauung deutlich. Ihre innerliche Entwicklung und Bereitschaft, sich auf neue Dinge und Lebensweisen einzulassen, kann Kinder eine andere Perspektive auf die Dinge eröffnen, so dass sie sich eher unbekannten Aufgaben stellen und sich für neue Wege öffnen.

Durch die kindgerechte Sprache bleibt das Buch aber durchgehend unterhaltsam und hält dem jungen Leser keinen belehrenden Zeigefinger vor. Dem Untertitel des Buches „Ein Sommerabenteuer“ wird dieses Werk allerdings nicht gerecht, denn Spannung wird mit der Feriengeschichte nur in kurzen Momenten erzeugt.
Insgesamt gelingt es Jutta Richter Katharina und Ole als idealtypische Multimedia-Kids der heutigen Zeit darzustellen, die beweisen, dass es auch ein Leben ohne Hightech geben kann.

Fazit:

Ferien auf dem Land? Warum nicht – Katharina und Ole beweisen, dass ein Urlaub ohne Mutimedia und Entertainment zu einem spannenden Abenteuer werden kann.

Ina Kolöchter

 

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