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Buchcover: Loes Riphagen: Elefäntchen Naseweis

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Elefäntchen Naseweis von Loes Riphagen

erschienen bei Bohem Press

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Fragen, Fragen, Fragen der kleine Elefant macht den ganzen Tag nichts anderes und fragt jedes Tier, das er trifft nach dem Warum: Warum läufst du seitwärts? Warum hast du zwei Höcker? Warum ist deine Zunge blau? In diesem Bilderbuch genau wie in der Vorlage von Dschungelbuch-Autor Rudyard Kipling „Wie der Elefant zu seinem Rüssel kam“. Als er das Krokodil nach seiner Lieblingsspeise fragt, landet er nämlich mit seiner Nase in dessen Maul und zieht und zieht und als die Nase wieder befreit hat – ist sie auf einmal lang wie ein Rüssel.

„Vor langer Zeit hatten Elefanten noch keinen langen Rüssel. Eines Tages aber steckte ein kleiner Elefant seine Nase in die Angelegenheiten anderer und das veränderte alles.“ So beginnt das Buch und es klingt ein bisschen wie all die lustigen Anekdoten darüber, wie die Schweinchen zu ihrem Ringelschwänzchen kamen und die Hasen zu ihren langen Ohren, wieso Hundenasen feucht sind und Zebras gestreift. Kurz gesagt, steckt das Elefäntchen seine Nase einmal zu weit in die Angelegenheit eines anderen, ins Maul des Krokodils nämlich und während es zerrt und zieht und ein Tier nach dem anderen herbeikommt, um mit zu zerren und zu ziehen, wird die Nase immer lang und länger und als der Elefant wieder frei ist, ist sie zu einem langen Rüssel geworden, so wie wir es eben von einem Elefanten kennen.

Lustige Geschichte, schöne Geschichte einerseits. In der aber doch die Moral des eigentlichen Erfinders Rudyard Kipling weiterlebt: wer zu neugierig ist und seine Nase in fremde Angelegenheiten steckt wird schon sehen, was er davon hat. Schon das Wort „naseweis“ klingt nach Struwwelpeter, nach frech und ungehörig, und wenn dann das kurze Elefantennäschen zum Rüssel langgezogen wird, kommen auch Assoziationen von „Ohren langziehen“ und „Hosenboden langziehen“.

Bei erwachsenen Vorlesern zumindest, bei Kindern von heute, die damit zum großen Teil und zum großen Glück nicht mehr groß werden, vielleicht nicht unbedingt. Die etwas moralische Moral bleibt aber trotzdem, auch wenn das Elefäntchen gar nicht naseweis ist, weder aufdringlich noch lästig, sondern offen, interessiert und freundlich alle alles fragt, was es interessiert: Wie atmest du eigentlich unter der Erde fragt es den Maulwurf, wie könnt ihr eigentlich kopfüber laufen ohne zu fallen, fragt es die Marienkäfer, warum er seitwärts rennt, fragt es den Krebs, und dann das Krokodil, was es am liebsten frisst und das verrät es ihm.

Es geht gut aus, in dem Sinne, dass sich das Elefäntchen über seinen Rüssel freut, weil man damit so viele Sachen machen kann und natürlich auch davon, dass das Elefäntchen mit langem Rüssel für unsere Sehgewohnheiten richtig aussieht, vorher mit kurzem Rüssel falsch. Dass alle Tiere mithelfen, es zu retten und nicht hämisch dem Krokodil überlassen. Und dass am Ende alle Elefanten beim Krokodil anstehen, um sich auch ihr Stummelnäschen zu einem langen Rüssel ziehen zu lassen.

Auch die Bilder dazu sind toll: Die Tiere sind aus buntem Papier ausgeschnitten und in schwarz-weißen Papierschnittkulissen arrangiert bis ins Detail, jede Seite ein kleines Kunstwerk. Je mehr Tiere dazu kommen, desto bunter und voller werden die Bilder, immer mehr. Der Showdown – die Befreiungsaktion – ist auf einer Ausklapp-Doppelseite gestaltet und ein herrliches, wildes, buntes Tohuwabohu.

Fazit:

Tolle Bilder, gutes Ende, an dem der Elefant endlich aussieht wie ein Elefant, mit langem Rüssel. Aber die Moral, dass das Krokodil ihm wegen zu großer Neugier die vormals kurze Nase mal so ordentlich langgezogen hat, ist eigentlich nichts, was man Kindern von heute wirklich vermitteln möchte.

Sigrid Tinz

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