Inhalt überspringen

Buchcover: Sandrine Dumas Roy: Es wird heiß im ewigen Eis

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Es wird heiß im ewigen Eis von Sandrine Dumas Roy

erschienen bei Tulipan

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 5 Jahren]

Der Eisbär trägt bald grün, das Rentier muss zum Weidegrund schwimmen und die Tiere in Australien bekommen einen Sonnenstich – das ist doch nicht normal?! Doch wer ist schuld und vor allem: was tun?

Es herrscht große Aufregung im Tierreich, denn das Packeis schmilzt rasant. Nicht nur, dass der Wolf nur noch auf einer winzigen Eisscholle treiben kann und das Rentier neuerdings große Wassermassen durchqueren muss, nein, der Eisbär überlegt gar, seine Fellfarbe zu ändern und künftig grün zu tragen, um besser an seine Umgebung angepasst zu sein. Am anderen Ende der Welt hingegen, in Australien, würden sich die Tiere über etwas Wasser freuen, denn dort hat es seit Ewigkeiten nicht mehr geregnet, so dass selbst der Waran fast einen Sonnenstich bekommt. Alle Tiere beklagen sich über die Sonne, die zu heiß ist und zu viel scheint. Doch warum ist das so? Um das heraus zu finden, berufen die Tiere eine Konferenz ein. Die notwendigen Informationen liefern die Delfine, die alle Meere und Flüsse durchschwimmen und Daten sammeln. Am Ende steht fest: verantwortlich für die Erderwärmung sind die Kühe, die mit ihren Pupsen das Klima durcheinander bringen. Nun muss eine Lösung für das Problem her. Die Tiere diskutieren verschiedene Varianten: die Kühe abzuschaffen ist eine, ihnen nur jeden zweiten Tag zu Fressen zu geben eine andere. Doch optimal ist das alles nicht. Da hat ein Delfin eine verrückt klingende Idee: mit den Pupsen der Kühe soll eine Fabrik auf dem Packeis betrieben werden, die Kälte erzeugt und so dass Eis konserviert. Alle sind begeistert und stimmen dem Vorschlag zu. Nun geht es an die Umsetzung. „Schon“ nach ein paar Jahren sind die Kühe überzeugt und lassen sich Pups-Filter einsetzen. Und nach einem anschließenden jahrelangen Bau ist die Fabrik „schon“ fertig. Am Tag der Einweihung sind alle überglücklich, auch, wenn mittlerweile so viel Zeit ins Land gegangen ist, dass das Packeis fast ganz weggetaut ist und Überschwemmungen nun ein dringlicheres Problem sind …

Die Erwärmung der Erde ist ein viel diskutiertes und ernst zu nehmendes Thema, denn die Folgen des Temperaturanstiegs machen vor niemandem halt. Erst recht nicht vor unseren Kindern, denen wir die Erde, ihren Lebensraum vererben. Und auch diese Kinder werden einmal Kinder haben, die auf der Erde leben und mit den klimatischen Bedingungen zurecht kommen müssen, die wir irgendwann einmal angestoßen haben. Erderwärmung ist aber auch ein abstraktes Thema, welches für kleine Kinder nicht leicht verständlich ist. Doch der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen sollte von klein an gelernt und praktiziert werden. Wie viel leichter fällt das jedoch, wenn auch Kinder den Zweck und Sinn dahinter begreifen können. „Es wird heiß im ewigen Eis“ ist ein Buch, welches Kindern Denkanstöße mit auf den Weg gibt, sie verstehen lässt, dass manche kleinen Dinge eine große Wirkung entfalten können und dass das Handeln des Einzelnen in der Masse an Gewicht bekommt.

Dass sich Sandrine Dumas Roy der Thematik des Klimawandels trotz aller Ernsthaftigkeit mit einer guten Portion Witz und Humor nähert, verdeutlicht bereits der Titel. Und nicht nur dieser, auch die Geschichte ist in einem saloppen, heiteren Ton gehalten, der für erwachsene Leser auch eine gute Portion Ironie bereit hält. So mutet die Handlung – das Packeis schmilzt wegen der vielen pupsenden Kühe – etwas grotesk an, ist jedoch als Vergleich gut gewählt. Es geht ja vor allem um die Masse des schädlichen Ausstoßes, auf deren Verursacher jedoch nicht verzichtet werden kann, egal, ob nun Methan oder Kohlendioxid den Schaden verursacht. Noch grotesker ist die Vermenschlichung der tierischen Vorgehensweise bei der Problembehebung: es wird eine Konferenz einberufen, Daten und Fakten gesammelt, verschiedene Lösungsansätze diskutiert. Schließlich wird die Lösung gefunden, alle sind froh und glücklich, dass jedoch bis zur Umsetzung Jahre ins Land gehen und es dann bereits zu spät ist, wird dabei aus den Augen verloren. Kinder können mit dem ironischen Ende zwar nicht sehr viel anfangen, dem erwachsenen Leser wird jedoch auf humorvolle Art und Weise ein Stück bittere Wahrheit vorgesetzt.

Die saloppe Erzählweise kontrastiert jedoch auch mit dem Ernst der Thematik und lässt die Handlung dadurch stellenweise etwas überzogen wirken. Für Kinder ist diese Art der Übertreibung jedoch ansprechend und vor allem unterhaltsam. Die Textmenge ist altersgerecht überschaubar und verzichtet auf unnötige und komplizierte Ausführungen zugunsten einer stringent erzählten Geschichte. Erzählte Rede wechselt mit wörtlicher Rede ab, beides in zwanglosem Ton, der die Erzählweise sehr lebendig wirken lässt. Diesen agilen Klang greifen auch die unkonventionellen Illustrationen, die auch den Text in die Bildelemente einbeziehen, von Emmanuelle Houssais auf. Der Text ist nicht nur in kleinen Blöcken angeordnet, sondern fließt teilweise geschwungen in die Bilder ein, ist bei Schlüsselwörtern (wie beispielsweise „Zweifellos“) größer und fetter als der restliche Text und passt sich farblich an die jeweiligen Seitengestaltung an. Die Tiere sind in ihrem Handeln sehr menschlich dargestellt: der Eisbär trocknet seine Garderobe auf der Wäscheleine, die Tiere protestieren mit Plakaten gegen den Klimawandel, tragen während der Konferenz dunkle Anzüge und sitzen recht gelangweilt auf ihren Stühlen. (Dem erwachsenen Leser wird es schwer fallen, bei so viel Augenscheinlichkeit keine Parallelen zu ziehen.) Houssais bedient sich dabei einem collagenartigen Stil, der viele Muster und Farben miteinander kombiniert und dadurch sehr ansprechend und lebensfroh wirkt.

„Es wird heiß im ewigen Eis“ ist ein engagiertes Buch, welches Eltern und Kinder gleichermaßen anspricht und auf humorvolle Weise eines der größten Probleme der Menschheit behandelt. Über die reine Geschichte hinaus ist es durchaus als Handlungsaufforderung zu verstehen, bei der jeder für sich sein eigenes ökologisches Bewusstsein überprüfen kann.

Fazit:

Ein ambitioniertes Buch, welches die Ernsthaftigkeit des Themas mit einer guten Portion Humor und Ironie angeht.

Claudia Goldammer

 

Meinungen zu diesem Buch

Ihre Meinung zu diesem Buch

Inhalte von www.kinderbuch-couch.de:

über die Kinderbuch-Couch:

Machen Sie es sich auch auf unseren anderen Online-Angeboten der Literatur-Couch gemütlich:

  • Krimi-Couch.de
  • Phantastik-Couch.de
  • Histo-Couch.de
  • Belletristik-Couch.de
  • Jugendbuch-Couch.de
  • Kochbuch-Couch.de
Kinderbuch-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2004–2016 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.