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Buchcover: Sabine Stading: Johnny Sinclair

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Johnny Sinclair von Sabine Stading

erschienen bei Baumhaus

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Das Cover ist schwarz und darauf in gespenstergrün: ein Junge und ein Nachthimmel, den die Umrisse von Bäumen und Häusern wie einen Totenkopf aussehen lassen. Der Junge ist Johnny Sinclair, er lebt in einem alten Schloss in Schottland, ist großer Fan des berühmten Geisterjägers John Sinclair – und hat in seinem Zuhause auch mächtig Stress mit Gespenstern aller Art.

Cover und Klappentext lassen bei vielen Kindern die Augen leuchten: Grusel, Geister, Horror – wie herrlich! Wir Erwachsenen machen uns vielleicht eher Sorgen. Horror für Kinder, ist das nicht zu viel des Guten? Oder des Bösen, besser gesagt? Aber eigentlich nicht, lautet die beruhigende Antwort von Kindheitsfachleuten aller Professionen – und ja eigentlich auch die eigene Lebenserfahrung. Auch wir haben uns damals nackenhaarsträubende Geschichten erzählt und so dürfte es auch schon immer gewesen sein. Auch die antike Mhytologie ist ja voll mit Dämonen und Monstern.

Was all diese früheren und heutigen Kinder suchen und finden ist außerdem ja nicht das Böse, das namenlose, bodenlose, echte Grauen. Sondern es geht um Angstlust. Ein Gefühl, das man auch vom Achterbahnfahren kennt: erst Adrenalin, wenn es spannend wird, dann Endorphine, wenn es gut ausgegangen ist. Ein tolles Gefühl. Vielleicht besonders, wenn der Alltag so sicher ist wie bei uns mit Helmpflicht, Gurtpflicht und mit von Hexen gereinigten Märchenbüchern.

Um das zu genießen müssen Kinder soweit sein, zu wissen, dass es Vampire und Zombies und Gespenster „gibt“, aber eben in echt nicht gibt. Sonst kann die Angst in nackte Panik umschlagen. Aber wenn dieser Entwicklungsschritt vorbei ist, dann machen die ganzen grausigen Gestalten eben nicht Angst, sondern Angstlust, das ist etwa mit dem Schulalter der Fall. Die Zielgruppe für dieses Buch ist längst darüber hinaus, hält auch schon ein bisschen mehr aus und wenn das Buch so gut gemacht ist wie dieses, dann kann man das Kind ruhig zugreifen lassen.
Denn es erfüllt alle Kriterien für ein gutes Gruselbuch für Kinder.

Das Setting setzt schon mal die richtige Stimmung: das Küstendörfchen Blacktooth mit der alten Burg Greyman, auf der Johnny lebt, seit seine Eltern ihn nicht mehr auf ihre Forschungsreisen mitnehmen wollen, weil er ja zur Schule muss. Alte Möbel, lange Gänge, morsche Türme, dazu Moor, Nebel und jede Menge Storys von der alten freundlichen Frau, die in der Küche hilft und ihm jeden Morgen ein leckeres Frühstück mit Porridge und Toast zubereitet. Und das alles ohne klischeehaft und aufgesetzt zu wirken, weil diese heimelig-schaurige Kulisse selbstironisch gebrochen wird, durch prollig-alberne Highland-Games, den ganz normalen Schulstress in der Kleinstadtpenne und vor allem durch Johnnys Kindermädchen: eine Haitianerin, die nicht nur streng ein Auge hat auf ihr „Mairübchen“, schrille bunte Klamotten trägt, Auto fährt wie eine Wildsau und auch noch Voodoo-Priesterin ist. Als Kontrast und Zusatzzutat bringt sie auch diese so ganz andere Magie mit in die Story hinein. Auch wenn sie durchaus eine echte Magiern ist, ist sie sich nicht zu fein, den abergläubischen Dorfbewohnern mit Tamtam, Seancen und Johnnys Hilfe Lebensberatung und Orakel anzubieten.

So kommt von Anfang an Action in die Story. Denn Johnnys Geister spuken nicht einfach so vor sich hin, sondern haben sich den Flur – den laaangen Flur von seinem Zimmer zur Küche – als Strecke zum Austoben ausgesucht und wenn er abends zum Essen will, muss er vorbei an einem aggressiven, aber trotteligen Highlander und seinem schwingenden Schwert, der brüllend durch den Gang tobt, oder an einem Geistermädchen, das eingebildet, zickig, arrogant um ihn herum schwebt.

Auch Humor ist wichtig, und Humor ist viel dabei. Lachen baut Spannung ab, bevor sie sich womöglich doch nicht mehr aushalten lässt: Da ist zum Beispiel der altklug daher redende Totenschädel, der Johnny mit seinen hunderten Jahren Lebenserfahrung beisteht, immer das letzte Wort hat und für jeden Geist einen abschätzigen Namen findet und alle zusammen sind für ihn eh nur „Flatterlaken“. Erkennbar gut und nett gemachte Figuren sind immer gut, damit es sicher klappt mit der Angstlust. Und auch die Geister sind ja eigentlich nicht wirklich böse, sondern nur ruhelos. Werden sie zur Ruhe gebracht, dann geht es auch für die Bösen gut aus. Und genau das passiert hier. Das biestige Geistermädchen zum Beispiel ist eigentlich nur eine traurige Braut und als sie eine eigene Rosenstaude gepflanzt bekommt, ist sie besänftigt und froh.

Bevor es so weit ist, gibt es einiges herauszufinden und zu erleben für Johnny. Wovon aber nicht zu viel verraten werden soll; umso mehr Vergnügen hat man als Erwachsener beim Vorlesen, Mitlesen oder Testlesen.

Kleiner Hinweis: Zu viel echten John Sinclair sollte man sich nicht versprechen. Außer der Namensverwandtschaft und dass unser Johnny Fan von Sinclair ist, kommt nicht viel drin vor. Und dass es um Geisterjagd geht, natürlich. Wem das gefällt, kann sich freuen, denn Johnny Sinclair ist erkennbar als Serie angelegt und wird sicherlich fortgesetzt. Und wem das nicht reicht, natürlich gibt es auch den John-Sinclair-Geschichten-Kosmos mit Comics, Hörbüchern und neu aufgelegten Geschichten. Sind die Kinder dafür nicht noch zu jung? Nicht mehr lange.

Natürlich kommt es aufs Kind an, aber wer dieses Buch gelesen hat, wird erstens wissen: Johnny im Buch ist zwölf und kennt die Geschichten über sein Vorbild alle auswendig. Und generell gehört Angst zum Leben dazu und ist deshalb auch in einem gewissen Maß Teil der normalen kindlichen Entwicklung – und damit gut, Angstlust sowieso. Kinder lernen so, was sie sich zutrauen, was sie aushalten, welchen Situationen sie sich ausliefern können und wie sie damit umgehen, wenn es zu beängstigend wird. Nach jeder überstandenen Angst sind sie einen Schritt weiter und selbstbewusster.

Fazit:

Der 12-jährige Johnny Sinclair lebt in Schottland auf einer Burg, liebt die Geistergeschichten seines Namensvetters John Sinclair, der außerdem sein großes Vorbild ist. Einerseits praktisch also, dass es auf Johnnys Burg auch spukt, andererseits aber auch gruselig und ziemlich anstrengend. Allerdings nicht für den Leser. Alles Spannende löst sich immer wieder auf, unterstützt von viel Humor und Action und das Gute in Gestalt des resoluten Kindermädchens ist auch nie weit weg. Ein Gruselbuch für Einsteiger. Macht Lust auf mehr – und ist perfekt jetzt für die Halloweenzeit und graue, nebelige Herbsttage.

Sigrid Tinz

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