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Buchcover: Sabine Stehr: Leseprofi 2. Klasse - Ferien mit Nessie

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Leseprofi 2. Klasse - Ferien mit Nessie von Sabine Stehr

erschienen bei FISCHER Duden

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

Nils ist ein Monsterfan, ob Zombies oder Vampire, er findet alles mit ihnen und alles über sie klasse. Als die Eltern verkünden, dass es in diesen Ferien nach Schottland geht, ist er hellauf begeistert: Lebt da doch angeblich Nessie, das Ungeheuer vom Loch Ness. Kaum sind sie da, macht er sich auf die Suche. Und findet es tatsächlich. Was ihm aber keiner glaubt, vor allem nicht sein großer Bruder. Nur ein dubioser Monsterjäger bekommt es mit. Und der will Nessie fangen und in einen Zoo stecken oder ausstopfen, aber Nils kann Nessie davor bewahren.

Das ist in kurzer Zusammenfassung die Story dieses Buches für Leseanfänger oder Erstleser. Allerdings ganz Erstlese-Anfänger darf das Kind nicht sein. Denn es gibt schon einiges an Text pro Seite, zwar in kurzen Sätzen und Einheiten gesetzt, in großer Schrift und linksbündig fürs Auge gut sortiert. Aber für Noch-Buchstabierer sind die Wörter zu lang, statt einsilbig zwei-, drei-, viersilbig; „ä“, „au“, „ei“ oder „sch“ und andere komplexe Lautkombinationen sind reichhaltig vorhanden.

So sieht zum Beispiel das erste Kapitel aus:

„Nils mag es gruselig.
Er liebt alles, 
was eine Gänsehaut macht:
Vampire, Gespenster, Zombies,
am meisten aber Monster.
Monster und Ungeheuer sind super.
Sie sehen so schön schaurig aus. 
Und sie sind gefürchtet, stark
und schrecklich schlau.“

Dass es gleich losgeht mit der Hauptperson und der Handlung ist lesedidaktisch super. Kein Kind will seine anfangs noch nicht weitreichende Lesekraft und -konzentration darauf verwenden, sich durch seitenlange Vorwörter oder Landschaftsbeschreibungen zu puzzeln.

Das Buch wird vom Verlag in die Stufe 2. Klasse eingeteilt; auch wenn damit klar ist, dass es nicht für Anfänger ist, ist das eine etwas unglückliche Empfehlung, die Eltern und Kinder mehr durcheinanderbringt als ihnen hilft. Denn manche Kinder können lesen, wenn sie in die Schule kommen, manche sind in der zweiten Klasse noch in der Phase des Buchstabierens und auch wenn das recht flüssig klappt, verstehen sie oft noch nicht viel vom dem Gelesenen, weil für das Entziffern ein großer Teil der gedanklichen Kapazität benötigt wird. Bis dieser ganze Vorgang automatisiert ist, dauert es mal länger, mal kürzer und es liegt auch am jeweiligen Konzept der Schule. Ob jedes Kind nach seinem Tempo lernen kann oder auf welche Art Lesen gelehrt wird, mit Fibel oder Lesen-durch-Schreiben-Methode zum Beispiel. Eltern sollten sich also lieber nach dem Kind richten, egal in welcher Klasse es schon oder erst ist. Sonst kann die schönste Leseförderung nach hinten losgehen, wenn das Kind frustriert ist und keine Lust mehr hat, seine Eltern irritiert – oder umgekehrt – wenn das Lesen noch nicht mal mit einem extra Leselernbuch klappt.

Auch die Text-Bild-Kompostion in diesem Buch ist für fortgeschrittene Leser. Die Bilder erweitern den Text im Prinzip klasse: cool und toll und frech und fröhlich – aber nicht immer auf die ganz einfache Art: Entweder eine große Illustration überspannt die ganze Doppelseite, oder auf jeder gibt es eine kleine. Oder sagen wir, große, sie ist bis zu einer halben Seite groß. Viel, das freut den Erstleser; und bunt, das freut ihn auch. Allerdings laufen die Bilder nicht parallel zum Text nach dem Prinzip „Ein Gedanke, ein Bild und zwar ein genau passendes“, sondern nehmen manchmal den Inhalt vorweg, was in der Rezeption nicht einfach ist für die Kinder. Zum Beispiel mopst der große Bruder dem kleinen Nils Pommes vom Teller – auf dem Bild – wenn sie im Text gerade erst zum Abendbrot gerufen werden. Oder Nils sitzt mit dem Fernglas auf der Klippe; im Text ist die Familie noch im Wohnmobil und auf der Straße. Rein vom Bild her sind die Illustrationen super und die Charaktere, die die bunten Farben und klaren Striche entstehen lassen, haben alle was eigenes: der kleine quirlige Nils, der stämmige, etwas überhebliche große Bruder, die patente Mama und der Vater mit Bart, Bauch, Brille und Ringelshirt. Man würde – urlaubte man auf dem Campingplatz neben ihnen – die Kinder zum gemeinsamen Spielen schicken und mit den Eltern sehr gerne ein Bier trinken wollen, oder einen Kaffee.

Inhaltlich richtet sich das Buch perfekt an die Altersgruppe. Freche, nett, schön, spannend, geheimnis- und humorvoll wird die Urlaubs-Alltags-Familien-Geschichte und die Monstersuche bis zum Happy End ineinander verwoben und mit möglichst wenigen Sätzen möglichst viel Kopfkino erzeugt, so das man trotz knapper Worte das Gefühl hat, eine richtige Geschichte zu lesen. Oder zu hören, bzw. vorzulesen, denn auch das lässt sie sich prima und vergnüglich, was bei einem Buch für Leseanfänger eher selten der Fall ist. Was auch ein guter Beitrag zur Leseförderung ist, nach den Hausaufgaben oder vor dem Schlafengehen. Dann verblasst das Gefühl nicht, dass Bücher und Geschichten etwas Schönes sind.

Fazit:

Nils und sein monstermäßig nervender Bruder, die das Ungeheuer von Loch Ness treffen, ist eine freche, spannende und humorvolle Erstlesegeschichte – die auch beim Vorlesen noch Spaß macht. Zusatz sind Leserätsel samt Lesezeichen zur Auflösung, die allerdings eher schlicht und einfach sind. Man merkt es allerdings kaum weil das Buch so spannend und unterhaltsam ist.

Sigrid Tinz

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