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Buchcover: Adele Sansone: Florian lässt sich Zeit

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Florian lässt sich Zeit von Adele Sansone

erschienen bei Tyrolia

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Adele Sansone beschreibt in ihrem Buch „Florian lässt sich Zeit“ einen Tag im Leben des kleinen Florian, einem Kind mit Down-Syndrom. Wir erleben, wie sich Florian trotz seines „Andersseins“ einfindet in den herkömmlichen Kinderalltag und dort sogar Lücken zu stopfen vermag, wozu kaum ein anderes Kind in der Lage wäre.

Ein ganz normaler Tag im Leben des kleinen Florian. Er wird, gemeinsam mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Peter, von der Mutter zum Kindergarten gebracht. Dort malt, ißt und spielt er mit den anderen Kindern. Allerdings braucht Florian für alles, was er tut etwas länger. Auch das Sprechen fällt ihm schwer, er stottert. Das liegt daran, daß Florian unter dem Down-Syndrom leidet. Zwar wissen die anderen Kinder von Florians Behinderung, doch trotzdem machen sie sich manchmal etwas über ihn lustig oder ärgern sich z.B. über seine Langsamkeit. Immer wieder erklärt dann sein Bruder Peter geduldig, daß Florian das alles zwar könne, sich lediglich mehr Zeit lassen würde. Nur beim Toben im Garten hält Florian sich zurück. Er bleibt bei der Betreuerin sitzen, da er weiß, daß er für diese Art von Spiel zu langsam ist. Als sich beim Nachlaufen die große Lisa verletzt, ist es Florian, der es versteht, sie zu trösten. Er nimmt sich viel Zeit für sie und lässt sich eine Menge sehr liebevoller Dinge einfallen, um sie aufzuheitern. Lisa ist ihm dafür sehr dankbar und auch die anderen Kinder erkennen Florians besondere Stärke. Am Abend beim Schlafengehen, genießt der kleine Peter die große Ruhe und Herzenswärme die sein Bruder ihm entgegenbringt, am liebsten sollte Florian die ganze Nacht bei ihm im Bett bleiben und mit ihm kuscheln.

Ein Buch, das mit großer Leichtigkeit ein schwieriges Thema aufgreift. Ein Kind mit Down-Syndrom in einem ganz alltäglichen Umfeld. Funktioniert das? Fragt man sich unweigerlich. Doch bereits nach wenigen Seiten wird klar, daß es funktionieren kann. Alles, was die anderen Kindergartenkinder tun, kann Florian auch. Er kennt Abläufe innerhalb des Kindergartens und nimmt an den Aktivitäten teil, er braucht lediglich länger für alles was er tut. Für den jüngeren Bruder Peter ist Florians Zustand völlig normal. Es bringt ihn nicht aus der Ruhe, dass die anderen Kinder Florian manchmal ärgern oder sich über ihn beschweren, immer wieder erklärt er, daß Florian sich nur mehr Zeit lasse. Sein völlig normaler Umgang mit Florian und dessen Besonderheiten lässt dann auch eigentlich keine weiteren Hänseleien zu, die anderen Kinder wenden sich wieder ihrem eigenen Spiel oder dem routinierten Ablauf innerhalb des Kindergartens zu. Vorbildlich demonstriert hier der jüngere Bruder Peter, wie wichtig eine Akzeptanz des andersartigen ist, und welch großen Beitrag ein normaler Umgang mit dem vermeintlich andersartigen für den sozialen Frieden leistet.

Die für Kinder mit Down-Syndrom typische Stärke, ihre Herzenswärme und ihr Einfühlungsvermögen wird hier veranschaulicht, als Florian die ältere Lisa tröstet, als diese sich beim Spielen verletzt. Hingebungsvoll kümmert sich Florian um das weinende Mädchen und voller liebevoller Geduld und Zärtlichkeit gelingt es ihm, die Tränen bald zu trocknen. Florian bringt durch sein Verhalten ein Innehalten in die große Schar aufgeregter Kinder, sie erkennen durchaus den Wert seines Verhaltens und bringen ihm Anerkennung und auch Dankbarkeit entgegen. Auch als die Geschwister am Nachmittag zu Hause sind wird deutlich, dass hier ein ganz normaler Familienalltag stattfindet, der natürliche Umgang mit Florians Besonderheiten ebnet den Weg zu diesem friedlichen und glücklichen Miteinander innerhalb der Familie. Am Ende des Buches wird noch einmal deutlich, welch große Bedeutung Florian für den jüngeren Bruder hat. Florians Besonderheiten tun der Bindung der Brüder keinerlei Abbruch, eher im Gegenteil, der jüngere Bruder genießt die große Wärme und Fürsorglichkeit, die sein Florian ihm entgegenbringt. Bei ihm fühlt er sich wunderbar geborgen und behütet.

All das vermag dieses Buch in leichter und flüssiger Sprache zu vermitteln, ohne ein Gefühl der Beklommenheit hervorzurufen. Sanft und gefühlvoll, ohne kitschig zu werden, macht es dem Zuhörer deutlich, dass es Menschen gibt, die anders sind, die durch irgendwelche Besonderheiten auffallen. Gleichzeitig zeigt es, wie wichtig für alle in einer Gemeinschaft nicht nur die Akzeptanz des Andersartigen ist, sondern der Respekt und das Einstehen für jemanden die Basis bilden für ein harmonisches Miteinander, in dem der Eine vom Anderen eine Menge profitieren und lernen kann.

Leicht und beschwingt nicht nur die Sprache, sondern auch die Illustration. Adele Sansone malt schwungvoll, gerne lässt sie die Perspektive etwas aus den Fugen geraten. Oftmals wirken die Illustrationen, als hätte ein Kind selbst sie gezeichnet. Das macht die Bilder interessant und versieht sie mit viel Leben und Bewegung. Für Kinderaugen gibt es hier auf jeder Seite eine Menge zu entdecken. Besonders zu empfehen ist dieses Buch den Eltern, deren Kinder keinen Kontakt zu Behinderten haben, denn Kinder die beispielsweise einen integrativen Kindergarten besuchen, wachsen dort in die Situation hinein und empfinden diesen gemeinsamen Alltag als vollkommen normal.

Fazit:

Dieses Buch bietet eine gute Gelegenheit, Kinder ab 4 Jahren darauf vorzubereiten, daß nicht alle Menschen gleich „funktionieren“. Vielleicht wirft es Fragen auf, dann ist es gut. Wirft es keine Fragen auf, ist wohl schon der erste Schritt getan auf dem Weg zum offenen, unkomplizierten Umgang mit den Mitmenschen.

Antje Saam

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Norbert Hauck meint:
Hallo, ich bin gerade über eine Stelle der Rezension gestoplert, in der es heißt, ... "dass Florisn unter dem Down-Syndrom leidet". In den seltesten Fällen leidet mein Kind mit Down-Syndrom unter demselben. das Down-Syndrom hat man oder man hat es nicht. Ein DS-Kind kann genau so krank werden wie ein anderes Kinder auch, oder eben auch gesund sein. Es treten in der vermehrt Krankheiten auf, z. b. Häufigkeit von Herzfehlern, Das Kind hat oder wenn man so will leidet dann unter einem Herztfehler.

Also raus aus dem Spracxhgebrauch mit der Floskel "leidet unter dem Down-Syndrom"!
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