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Buchcover: Sarah Bosse: Weihnachten in der Pfeffergasse

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Weihnachten in der Pfeffergasse von Sarah Bosse

erschienen bei Coppenrath

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Die Großmutter von Finn und Greta macht mit beim Kistenklettern auf dem Weihnachtsmarkt und bricht sich die Knochen. Ein Drama. Auch, weil sie als Buchladenbesitzerin natürlich gar nicht krank sein kann, zumal im Adventsgeschäft. Damit sie sich keine Sorgen macht, verschweigen die beiden Kinder Oma Rosa, dass auch die Eltern nicht aushelfen können – die sind mit Dienstreise und Überstunden ausreichend ausgelastet bis überfordert. Sie beschließen kurzerhand, den Laden heimlich alleine zu schmeißen.

Das Cover allein ist schon wie eine Adventsdeko-Stadt mit Teelichterbeleuchtung – mit Schnee, Glitzer und goldenen Sternen – und versetzt den Betrachter sogleich in Weihnachtsstimmung. Das perfekte Feeling für diese Story. Wirkt doch die sehr warme, freundliche, patente, Heile-Welt-Geschichte genau richtig süß, wie es sich zur Weihnachtzeit gehört.

Klassisch weihnachtlich wie das Cover sind auch die anderen Zutaten: Es geht los auf einem beschaulichen Weihnachtsmarkt. Alle sind auf den Beinen, Oma Rosa backt im Engelskostüm Waffeln, die Enkel Greta und Finn helfen verkaufen , der Bürgermeister kommt mit seinem Tross vorbei, hält einen Schnack mit Oma Rosa, natürlich per Du und schon ein bisschen angeschickert von dem einen oder anderen Glühwein. Kleinstadt eben. Es gibt Handarbeitsbuden, Würstchenstände, Kistenklettern, genauso wie es heute auf einem Kleinstadt-Weihnachtsmarkt so ist.

Dann passiert ein Unfall und der ist Auslöser für all die Verwicklungen, um die es dann im Weiteren gehen wird: Oma Rosa, angetan von der Idee, auf den Kistenstapel zu klettern und dann als Engel ganz oben zu schweben, lässt sich vom Bürgermeister hochhieven – und stürzt. Bricht sich den Oberschenkelhals, kommt ins Krankenhaus, muss operiert werden und natürlich da bleiben. Sie trägt den Kindern auf, der Mama Bescheid zu sagen, sie müsse sich in den nächsten Tagen um die Bücherbutze kümmern. Das ist der kleine Buchladen, den die Oma betreibt, lediglich ein bisschen unterstützt von einem älteren Mann mit Spitznamen „Monokel“. Der weiß unglaublich viel über Literatur, aber rein gar nichts übers Geschäft. Soweit so gut. Die Mama allerdings ist für zwei Wochen auf Fortbildung und kann sich nicht kümmern, der Vater ebenfalls vom vorweihnachtlichen Überstundenhoch absorbiert. Das verschweigen die beiden der Oma. Den Eltern verschweigen sie den Unfall und dass Oma Rosa jemanden für den Laden bräuchte. Die haben ja auch schon genug Stress. Und beschließen kurzerhand, es selber zu machen.

Allein diese Konstellation bringt einiges an Versteckspiel und Situationskomik. Auch wie die beiden relativ unbedarft ans Buchhandelsgeschäft herangehen, macht Spaß zu lesen. Der zu erwartende Weihnachtstrubel ist zum Glück nicht so trubelig wie gedacht. Oder besser: leider nicht so trubelig. Es kommt kaum ein Kunde, Monokel kann weder Bücher bestellen noch die Computerkasse bedienen, das Schaufenster ist noch nicht weihnachtlich dekoriert und irgendwie stinkt es im Laden nach toter Maus, wobei möglicherweise Omas Kater Luzifer seine Pfoten im Spiel hat; der trägt seinen teuflischen Namen mit einer gewissen Berechtigung und bringt zusätzlich Durcheinander in die Geschichte. Anstrengend für Greta und Finn, spannend und lustig für Leser und Vorleser.

Die beiden Kinder beschließen im Laden nicht nur die Stellung zu halten, sondern ihn in Schwung zu bringen. Dekorieren das Schaufenster futuristisch-weihnachtlich, mit Yoda an der Krippe und einer Lichter-Sternenhimmel-Installation, machen Werbung, planen Aktionen, putzen, kümmern sich um Kasse und Co.

Die Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler erzählt, aber die vielen Dialoge und auch Gedankengänge, die beschrieben werden, besonders die von Greta, schaffen schnell eine Identifikation mit den beiden Kindern. Man spürt förmlich, wie ihnen vor Eifer die Wangen glühen und die Augen leuchten, weil sie noch so schöne Pläne haben und alles gelingt. Und man eilt gerne ein bisschen atemlos mit ihnen durch den Tag, den Advent und die anstehenden Aufgaben.

Mit kleinen Rückschlägen gelingt alles – aber auch die eine oder andere Überraschung gehört ja zu einer richtig schönen Geschichte. Und klar ist, vom ganzen Tonfall, dass es auf ein tolles Happy End zusteuert: die Oma gesundet planmäßig und schnell, die beiden gehen völlig darin auf, sind ein Herz und eine Seele und streiten sich nie, die Eltern sind nicht wirklich besorgt und irritiert, als sie alles erfahren. Zwischen den Zeilen geht es angenehm dezent um viel Weihnachtstypisches: Miteinander, Freundlichkeit, Warmherzigkeit, Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit und Zusammengehörigkeitsgefühl, all das schwingt mit, und auch, dass es schön sein kann und Freude bereitet, auch und gerade in der heutigen Zeit.

Hineingestreuselt in den Text sind viele kleine Zeichnungen, schwarz weiß, sehr konkrete Szenen und immer mal eine andere Hauptperson, so dass man nach und nach alle Charaktere kennengelernt und vor Augen hat.

Fazit:

Zu Weihnachten darf alles ein bisschen schöner und süßer sein als sonst, auch bei den Geschichten. Hier rettet ein herzallerliebstes, patentes Geschwisterpärchen den Buchladen ihrer Oma, die wegen eines Unfalls ausfällt und im Krankenhaus liegen muss. Drumherum gibt es viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Freude und Humor, ein bisschen Spannung und Durcheinander auch, aber nie so viel, dass nicht klar wäre, dass diese schöne Geschichte auf ein komplettes Happy End zusteuert. Insgesamt ein schönes, süßes Weihnachtsmärchen aus der heutigen Zeit.

Sigrid Tinz

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