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Buchcover: Sarah Durst: Die Macht der verlorenen Träume

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die Macht der verlorenen Träume von Sarah Durst

erschienen bei Loewe

geeignet für Kinder im Alter ab 11 Jahren

in mein Bücherregal

Sophie ist nicht wie andere Kinder. Sie ist eine 12-jährige Einzelgängerin, ein „Freak“, und hat keine Freundinnen. Aber sie ist nicht unglücklich. Ihren Eltern gehört der Buchladen „Traumfänger“, nicht nur der beste Buchladen der Stadt, sondern auch ein ganz besonderer.

Denn was die meisten „normalen“ Kunden nicht wissen, ist, dass Sophies Eltern im Untergeschoss Träume verkaufen. Diese extrahieren sie selber aus Traumfängern und füllen sie anschließend fein säuberlich beschriftet in Flaschen ab. Wenn jemand also einen ganz besonderen Traum sucht, kann er bei Sophies Eltern gezielt danach fragen. Von lustigen, über ernste, bis hin zu schaurigen und gruseligen Träumen haben Sophies Eltern alles im Repertoire.
Die Träume erhalten sie über Traumfänger, die sie selber herstellen und ihren Kunden gern beim Kauf eines Buches mitgeben. Und auch Sophie ist nicht untätig bei der Besorgung der Träume. Sie hat ein Gespür dafür, wenn Kinder unter ihren Träumen leiden und versorgt daher Madison, Ethan und Lucy gezielt, aber unauffällig, mit den selbst hergestellten Traumfängern. Sind die Kinder anfangs skeptisch gewesen, stellen sie schon in der ersten Nach fest, dass die Traumfänger tatsächlich funktonieren und die schlimmen Träume aufsaugen. Die vollen Traumfänger geben sie Sophie im Austausch gegen einen neuen, leeren zurück, ohne allerdings zu wissen, was Sophie mit den alten Traumfängern anstellt.

Mit Hilfe einer Destille werden die Träume aus den Fäden der Traumfänger gezogen und durch das Somnium können Sophie und ihre Eltern die Träume ansehen, um sie anschließend inhaltsgemäß zu beschriften. Sophie ist ein bisschen neidisch auf jeden der träumen kann, sogar auf die Kinder mit den Alpträumen. Denn sie selbst kann nicht träumen, egal, was sie auch anstellt. Auch wilde Nahrungsmittelkombinationen (Banane mit Ketchup) kurz vor dem Schlafengehen oder furchterregende Filme lösen bei ihre keine Träume aus. Daher hat sie sich eines Tages, als sie sechs Jahre alt war, verbotenerweise einen Traum aus dem Angebot ihrer Eltern genommen und getrunken. Von einem furchteinflößenden Monster handelte er, das klassischerweise fauchend unter dem Bett sitzt. Doch Sophie kann auf Träume Einfluß nehmen und schnell ist das Monster gar nicht mehr so schrecklich. Und da es plötzlch eigentlich ganz knuddelig ist mit seinem weichen Fell, den sechs Tentakeln und den drei Zahnreihen, wünscht sie sich, es als Haustier behalten sie dürfen. In diesem Moment wacht sie aus ihrem Traum auf und sieht ihre Eltern, die sich vorwurfsvoll und besorgt über sie beugen und neben ihr liegt: das Monster. Denn Sophie kann nicht nur nicht träumen, sie kann auch Dinge und Lebewesen, die sie in den getrunkenen Träumen sieht, mit in die Wirklichkeit nehmen und so die Grenzen zwischen Traum und Realität überwinden. Begeistert sind ihre Eltern nicht unbedingt darüber, dass nun ein Monster zur Familie gehört, doch schnell wird es zum festen Familienmitglied, das teilweise Sophie sogar (auf Anweisung der Eltern) in der Schule überwacht und beschützt.

Sophie darf an den Tagen, an denen Kunden in den Laden kommen, die Träume kaufen wollen, den Buchladen nicht betreten, denn das Traumgeschäft ist gefährlich. Doch just an ihrem Geburtstag vergisst sie diese feste Regel und steht prompt einem Kunden im Buchladen gegenüber, der offensichtlich nicht nur Bücher erwerben will. Als „Herr Nachtmahr“ stellt er sich vor und hinterlässt einen schaurigen Eindruck. Als dann am Ende des Schultags Sophies Spind aufgebrochen ist und statt der gefüllten Traumfänger von Lucy und Madison eine Geburtstagskarte von Herrn Nachtmahr darin liegt, wird Sophie noch argwöhnischer. Doch ihre Eltern beruhigen sie und verweisen auf einen Termin, den sie mit Herrn Nachtmahr am nächsten Tag haben. Sicherheitshalber schicken sie dann aber doch Monster mit Sophie in die Schule, damit er auf sie aufpasst, falls doch etwas Ungewöhnliches passiert. Abgesehen davon, dass Monster die Schulspeisung mächtig aufmischt, verhält sich alles ruhig bis kurz vor der Abfahrt der Schulbusse. In einem Klassenzimmer wird Sophie Augenzeugin, wie Monster ein anderes Monster vetreibt und Ethan völlig verängstigt in einer Ecke kauert. Offensichtlich hatte das andere Monster es auf Ethan abgesehen und Sophies Monster konnte es gerade rechtzeitig vertreiben.

Kurzentschlossen nimmt Sophie den völlig verstörten Ethan (im übrigen der Basketballstar der Schule und Schwarm der meisten Mädchen) mit nach Hause. Doch dort wartet die nächste Überraschung: nicht nur die Destille ist aus dem Keller verschwunden, auch sämtliche Alpträume wurden offensichtlich entwendet. Außerdem fehlt von Sophies Eltern jede Spur und die Verwüstung im Buchladen und der Wohnung lässt nichts Gutes ahnen. Schnell fällt der Verdacht auf Herrn Nachtmahr und mittels eines akribisch geführten Traumverkaufsbuches ist schnell sein richtiger Name und seine Adresse ausfindig gemacht …

Diejenigen, denen es bis jetzt noch nicht abenteuerlich genug war, kommen definitiv im rasanten Schlussteil auf ihre Kosten. Denn Sophie kämpft nun gemeinsam mit Ethan, ihrem Haustier-Monster, einem fliegenden Glitzereinhorn und einer ganzen Bande Ninja-Agenten-Häschen gegen Herrn Nachtmahr und seine fiesen Monster, die sich zuhauf in seinem Haus befinden.

Sophie scheut in diesem ungleich erscheinenden Kampf letzten Endes auch nicht davor zurück, Herrn Nachtmahrs ureigensten Alptraum zu träumen, um das darin vorkommende Monster auferstehen und für sich gegen Herrn Nachtmahr antreten zu lassen. Welche Rolle Christina, Herr Nachtmahrs Tochter oder Miss Lee, Sophies Nachbarin, bei all dem spielen, wie man Monster am besten bekämpft und ob ein großer Monsterverlust auch rückgängig gemacht werden kann...? Das wird hier selbstverständlich nicht verraten, bzw. nur so viel: die Macht der Träume ist nicht zu unterschätzen. Denn was tagsüber erfolgreich verdrängt werden kann, bricht häufig nachts im Unterbewusstsein heraus und reinigt so die Seele.
Doch wer kennt es nicht, dass man nach einem schlimmen Traum wie gerädert aufwacht oder mitten in der Nacht hochschreckt und dieses beklemmende Gefühl noch den ganzen Tag anhält. Wie tröstlich ist da ein Traumfänger, der friedlich und beschützend über dem Bett hängt und ob man nun daran glauben mag oder nicht, es hat doch etwas schön Magisches sich vorzustellen, dass die bösen Träume in seinen Fäden hängen bleiben.

Sarah Durst hat diesen Gedanken in der spannenden Geschichte um Sophie und den Traumladen noch weiter gesponnen und zu einem rasanten, kurzweiligen, fantastischen, gruseligen und unterhaltsamen Abenteuer gewoben, das eine stimmige Mischung aus Phantasie und einer Brise Realität aufweist. Die Beschreibungen der Monster, die in Herr Nachtmahrs Haus sein Unwesen treiben und in Kämpfen gegeneinander antreten, ist nichts für schwache Nerven, aber gleichzeitig so phantastisch, dass es faszinierend ist, von ihnen zu lesen.

Es ist leicht, sich von diesem Buch und der Geschichte um Sophie, Monster und die Kraft der Träume gefangen nehmen zu lassen. Zudem ist Sophie ein selbstbewusstes und starkes Mädchen, das weiß, dass es anders ist, aber sich damit arrangiert hat – und „Monster“ hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und lockert damit auch nervenzerreißende Situationen angenehm auf.

Der Erzählfluss in den 28 Kapiteln ist altersgerecht, lebendig, stimmig und vor allem in den Dialogen sehr unterhaltsam. Dabei spielen auch die Klischess um Einhörner und Häschen eine wichtige Rolle und werden von Sarah Durst gekonnt auf die Schippe genommen. Diese Szenen und Beschreibungen tragen maßgeblich zur Auflockerung der sehr spannenden Schlusssequenzen bei. So ist „Glitzerhuf“zwar unglaublich selbstverliebt und „glitzert alles voll“, transportiert die Kinder aber fliegend schnell und sicher oder lässt sie über einen Regenbogen fliehen, den das Einhorn aus seinem Hinterteil entstehen lassen kann. Nebenbei setzt es landend aber auch gekonnt das fiese Wächtermonster vor Herrn Nachtmahrs Haus außer Gefecht. Auch liefern sich Monster und Glitzerhuf witzige Schlagabtausche, die die Anspannung im nervenaufreibenden Schlussteil etwas lindern.

Fazit:

Sophie ist zweifelsohne ein ganz besonderes Mädchen, das die Grenzen zwischen Traum und Realität aufheben und Träume willentlich beeinflussen kann. Wie reizvoll, aber auch wie gefährlich das sein kann, zeigt Sarah Durst in diesem spannenden und packenden Fantasy-Abenteuerroman, in dem sich viel um Ängste und Freundschaften, um Andersein und Akzeptanz, um Zusammenhalt und die Stärke der Gemeinschaft dreht.

Claudia Goldammer

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