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Buchcover: Rafik Schami: Der Kameltreiber von Heidelberg

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der Kameltreiber von Heidelberg von Rafik Schami

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Kinderbuch des Monats [06.2006]. Rafik Schami, der vielfach ausgezeichnete Autor syrischer Abstammung, erzählt mit dem für ihn so typischen unmerklichen Tiefgang, wunderschöne Geschichten über die Freundschaft. Mit viel Fantasie, Witz und Weisheit nimmt er uns in dem Buch „Der Kameltreiber von Heidelberg“ in seine Welt von sprechenden Kamelen, vegetarischen Löwen und schnabelstehenden Raben …

Besonders fantasievoll geht es gleich zu Beginn, bei der Titelgeschichte „Der Kameltreiber von Heidelberg“ zu. Es ist eine überaus spannende Geschichte, die, wie so manche Geschichten von Rafik Schami, viele märchenhaft-orientalische Zutaten hat. Denn der mutige Räuber, „Die Freude der Armen und der Schrecken der Reichen“ ist niemand anderer als der berühmt berüchtigte Großvater des kleinen Adel, der mit seiner Familie aus seiner weit entfernten Heimat nach Heidelberg ausgewandert ist. Der Großvater erscheint seinem Enkel jedoch nur mittels eines uralten Buches, in dem jene Geschichten stehen, die sein Großvater während seiner Beutezüge erlebt hat. Durch ihn erfährt der Junge auch einiges über Kamele und so verwundert es schließlich nicht, dass Adel und sein Freund, das Kamel, aus dem Zoo türmen und die Straßen von Heidelberg „unsicher“ machen. Doch Adel findet am Ende einen Weg, das Kamel zurück in die Wüste zu schicken – und das geschieht auf eine Weise, die auch den Großvater freut. Dem Vater von Adel, der das Buch stets vor seinem Sohn, der ja einmal etwas anständiges werden soll, verheimlicht hat, wird dieses Abenteuer nicht verborgen bleiben, denn der Großvater hat nun eine ganz neue Geschichte zu erzählen.

Die Protagonisten aus Rafik Schamis Geschichten sind so verschieden wie sie nur sein können – doch sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind etwas besonderes, denn sie sind irgendwie „anders“ als die anderen. Und so manches Mal sind sie auch die belächelten Außenseiter einer Gruppe. Aber stets mit einer großen Portion Mut und Klugheit ausgestattet, sind sie allesamt befähigt, aus ihrerm Leben das zu machen, was ihnen am Herzen liegt und sie glücklich macht. Denn glücklicherweise finden sie auf ihrem Weg Freunde, die ebenso eine Sonderrolle innerhalb ihrerer – meist tierischen – Gesellschaft haben. Da ist zum Beispiel das Schwein Albin, das aufgrund seiner sehr hellen Haut von den anderen Schweinen gemieden wird. Es verbindet ihn aber mit der Henne Lila, die wiederum von ihren Kolleginnen „gemobbt“ wird, eine wunderbare Freundschaft, die sie auch am Ende nicht gegen die eines Artgenossen eintauschen wollen.

Besonders schön entwickelt sich die Freundschaft in der Geschichte „Der Löwe Benilo“. Dieser fällt besonders – und wen wundert es – deswegen auf, weil er ein überzeugter Vegetarier ist. Als er eines Tages sein Löwenrudel verlässt, trifft er auf die Gazelle Mahagoni. Wunderschön beschreibt Schami, wie das Vertrauen der Gazelle zu dem Löwen wächst und er unterstützt dies mit wunderbar lebendigen und witzigen Dialogen. Zusammen finden die beiden dann noch einen dritten für ihren Bund, den Menschen Ben Akil und gemeinsam finden sie ihre Aufgabe und damit sogar einen Weg, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Dass die Liebe manchmal unergründliche Wege geht, das wissen wir. Und dass sie, wie im Fall von „Bobo und Susu“ allein durch eine tiefe Seelenverwandtschaft erblühen kann, können wir uns sicher auch vorstellen. Aber in dieser Liebesgeschichte haben die beiden es mit einem massiven Größenunterschied zu tun, denn Bobo ist ein Elefant und Susu eine Maus. Rafik Schami beginnt diese Geschichte indem er zunächst beschreibt, was Bobo so anders macht als die anderen Elefanten seiner der Herde. Denn Bobo ist ein friedliebender Zeitgenosse – er mag sich nicht streiten und sich schon gar nicht am Wettbewerb, wer der stärkste Elefant der Herde ist, beteiligen. So ergeht es auch Susu, der Maus, die in ihrer Mäusefamilie ganz ähnliche Probleme hat. Durch sie begreift Bobo erst, was ihm in seinem Leben bisher so gefehlt hat: Das Erzählen. Für Bobo eröffnet sich eine ganz neue Welt, denn in seiner Elefantenherde sagt man sich nur das nötigste. Und ein Gedanke mag den einen oder anderen beim Lesen beschleichen: Es kann doch schon sein, dass die Elefantenherde so manches mit unserer Gesellschaft gemeinsam hat – denn sind wir oftmals nicht ebenso eintönig und eingefahren? Manchmal bedarf es eben nur einer frechen und mutigen Maus, um das wahre Leben wieder spüren zu können – wenn man nur will.

Ebenso ein Außenseiter ist der kleine „Schnabelsteher“. Dabei handelt es sich um einen Jungraben, der sich, noch ziemlich fluguntüchtig, auf den Weg macht, um herauszufinden was den König der Vögel, den Pfau, eigentlich so besonders macht. Genau wie in der Geschichte „Der Drache und der Verrückte“ verändert er so manches in seiner Gesellschaft – und das schon allein deswegen, weil die beiden Querdenker die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen und sich von „allgemein anerkannten Tatsachen“ nicht beirren lassen. Am Ende sind Rafik Schamis mutige und standhafte Protagonisten die unumstrittenen Helden der Geschichte, denn sie retten, sie machen glücklich und sie klären auf. Auf diese Weise gewinnen sie am Ende doch noch die Aktzeptanz ihrer Gesellschaft – aber wir sollten nicht denken, dass ihnen wirklich je etwas daran gelegen hätte …

In einer tieferen Ebene seiner Geschichten finden wir oftmals einen gewisse Melancholie, die das Fremdsein, die Sehnsucht nach der Heimat und die Suche nach dem richtigen Platz in der Welt behandelt.
Als junger Mann, durch die politischen Umstände in seinem Heimatland Syrien gezwungen sein Land zu verlassen, kennt er die Sehnsucht nach der Heimat und damit auch das Gefühl, fremd zu sein. Es erscheint daher auch wie ein Ausdruck seiner „inneren Reise“, dass er seine friedlichen Helden einen ebenso mutigen, wie steinigen Weg gehen lässt. Doch in Rafik Schamis Geschichten werden sie allesamt für ihre Standhaftigkeit belohnt.

Rafik Schami versteht es außerdem meisterhaft, in seinen zauberhaften Märchen und Fabeln gleich mehrere Botschaften zu verbergen, die er aber so unterschwellig und verschmitzt präsentiert, dass wir der Erkenntnis meist später und mit einem Schmunzeln näherkommen. Durch seine souveräne Art uns durch seine Geschichten zu führen sowie durch seine ruhige und gefühlvolle Sprache vermittelt er dem Leser eine vertraute Geborgenheit. Wir ahnen bereits zu Anfang der Geschichte, dass uns der Geschichtenerzähler nicht im Regen stehen lassen wird und unsere Helden, wie immer, glücklich aus dem Abenteuer hervorgehen lässt. Dabei ist es aber trotzdem eine ziemlich spannende Angelegenheit – denn wir wissen ja nicht, welchen Einfall Rafik Schami schon auf der nächsten Seite haben wird.

Nicht alle der acht Geschichten in „Der Kameltreiber von Heidelberg“ sind neu; die Geschichten „Der fliegende Baum“, „Der Schnalbelsteher“, „Albin und Lila“ u.a. sind teilweise unter einem anderen Titel bereits im Jahr 1991 erschienen. Dem Konzept dieses Buches entsprechend sind einige der älteren Geschichten leicht verändert worden. Aber auch in den vielen Jahren, die seit ihrer Entstehung vergangen sind, haben sie nichts von ihrem Reiz verloren, ein Beweis, dass Rafik Schamis Geschichten wirklich zeitlose Literatur sind.

Besonders hervorzuheben sind die wunderbaren Illustrationen von Henrike Wilson, die sicherlich schon viele durch den „;Kleinen Weihnachtsmann“ kennen. Jede ihrer Darstellungen begleitet die jeweilige Geschichte auf ihre ganz eigene Weise und ist schon für sich genommen etwas Besonderes. Die Farbkompositionen aus warmen, erdigen Farben wirken ausgesprochen angenehm und durch ihre harmonisch gesetzten Schatten erzielt sie sowohl eine intensive Stimmung als auch eine natürliche Tiefe. Wie die Helden der Geschichten, vermitteln sie eine innere Ruhe und versprühen ihren eigenen Charme. Nichts stört an ihnen und sie sind, so, wie sie sind, einfach richtig.

Fazit:

Rafik Schamis Geschichten sind warme Sonnenflecken im grauen Alltag, die im Bauch kitzeln, den Verstand wach machen und ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Wunderbar zeitlose Literatur, die bereits sechsjährige nicht weniger begeistern wird als uns Erwachsene. Rafik Schami ist ein wahrer Geschichtenerzähler, der es meisterhaft versteht, zu verzaubern.

Stefanie Eckmann-Schmechta


Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

lilian meint:
rafik schmie hat eine lebhafte zeit und seine bücher sind voller humor witz aber auch spannung . rafik schami hat eine dedeutenden rolle im leben seine werke sind einzig artig ich fühlte mich sehr gut glücklich als ich eines seiner werke las der kameltreiber von heidelberg. ich hab das buch zwar nicht gelesen aber ich hab verstanden was er rüber bringen wolllte er wollte sich mit den geschichten ein festen stand in der gegenwart aber auch die zukunft machen sollte seine werke lesen hat alles geschreiben für jung und alt aber auch für frau und mann jugendliche ich finde rafik schamie sehr wichtig das so ein mann alle aufmerksamkeit auf sich lenkt um den leueten klar zu machen ws wichtig im leben nicht nur das geld oder reichtum nicht alles im leben ist für mich ist rafik schamie ein grosses vorbild . er hat das geschafft was für andere eine völlig andere welt ist . seine bücher sind sehr schön
gez: lilian 13 jahre .
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