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Buchcover: Peter Schössow: Gehört das so??! Die Geschichte von Elvis

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Gehört das so??! Die Geschichte von Elvis von Peter Schössow

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

„Gehört das so?“ Diese Frage stellt sich tatsächlich, liest man die ersten Seiten des Buches. Was zunächst eher komisch daher kommt, entpuppt sich als sehr tiefsinnig und zeigt einmal mehr, wie unendlich schwierig und unbegreiflich, gleichzeitig aber wunderbar das Leben sein kann. Voraussetzung dafür: man ist ein Kind und lebt das, was man fühlt.

Ein Tag im Park. Nichts scheint irgendwie besonders zu sein, bis ein kleines Mädchen auftaucht, das mit grimmigem Gesicht eine alte, knallrote Handtasche hinter sich herschleifend, durch den Park hastet und immer wieder wildfremde Leute mit den Worten: „Gehört das so?“ anschreit. Niemand weiß und versteht, was mit ihr lost ist. Eine Gruppe skurriler Gestalten beobachtet verwundert und interessiert das Mädchen, bis sich endlich jemand von ihnen traut und fragt was mit ihr los sei. Es stellt sich heraus, das Elvis, der Kanarienvogel des Mädchens, in der roten Handtasche liegt und tot ist.

Liebevoll und einfühlsam nimmt nun die Gruppe Anteil an der Trauer des kleinen Mädchens und hilft ihr, ein wenig Ordnung in ihre so sehr durcheinander gebrachte Gefühlswelt zu bringen. Der kleine Vogel bekommt ein feierliches Begräbnis, man nimmt sich Zeit für den Abschied, weint zusammen, lässt das Mädchen von Elvis erzählen. Am Ende kann man sogar gemeinsam wieder ein bisschen lachen und dankbar sein für Hilfe, Verständnis und neue Freundschaft.

Nicht nur der Titel des Buches ist außergewöhnlich. Auch das Thema und die Herangehensweise weichen sicher vom Gebräuchlichen ab. Treffsicher formuliert Peter Schössow bereits den einzigen Satz auf der ersten Seite: „Erst wussten wir gar nicht, was los war.“ Genau so geht es dem Betrachter sicherlich auch. Wir blicken auf eine Illustration, die eine Mischung aus bearbeiteter Fotografie und Comiczeichnung zeigt. Die Hintergründe wirken fotografisch und blass, die Hauptdarsteller kantig im Comic-Stil gezeichnet mit klaren Linien und kräftigen Farben.

Diese ungewöhnliche Darstellung wird noch verstärkt durch die Charaktere an sich. Eine Gruppe eigenartiger aber sympathischer Gestalten: ein sehr kleiner Mann mit Koffer, eine Grille mit menschlichem Körper, ein Dackel, ein Bär, ein dicker Mann und ein langes dünnes Mädchen bilden neben der eigentlichen Hauptdarstellerin, dem wütendem Mädchen mit der knallroten Handtasche, den Mittelpunkt der Geschichte. In knappen, umgangssprachlichen und teils grammatikalisch unvollständigen Sätzen („;Wir nichts wie hinterher. Der mit der feinsten Nase vorneweg“;) lässt Peter Schössow einen seiner Protagonisten erzählen.

Diese schnörkellose und direkte Sprache führt uns durch die Geschichte und trifft uns hart, als wir nun endlich den Grund für die höchst eigenartige Stimmung des kleinen Mädchens erfahren: Elvis, ihr Kanarienvogel, ist tot. Gleichzeitig blicken wir von oben herab auf das unsagbar traurige Mädchen, das seine geöffnete Handtasche vor sich hält und ihren kleinen, toten Kanarienvogel offenbart. Hier gibt es in der Geschichte beim Leser und Betrachter einen Wendepunkt, plötzlich versteht man, worum es geht, ergriffen fühlt man mit dem Mädchen, das den wallenden Strom von Gefühlen so wenig kanalisieren kann.

Zwar fasst sich der Erzähler weiterhin kurz und knapp, aber der Tonfall wird gefälliger und wärmer. Die Darsteller, nun aus der Perspektive des in der Tasche liegenden Vogels betrachtet, wirken zwar immer noch skurril, aber anrührend. Glücklicher Weise mischt Peter Schössow seiner Geschichte eine gehörige Portion (schwarzen) Humor bei, denn so fällt es dem Vorleser und hauptsächlich auch dem zuhörenden Kind leichter, der feierlichen Beerdigung des Vogels, und dem Moment der Abschiednahme, als das Mädchen die knallrote Tasche noch einmal ganz fest an sich drückt, beizuwohnen.

Mit großen Augen sehen und lesen wir, dass sich unsere Darsteller zusammensetzen, um sich Geschichten von Elvis erzählen zu lassen. Dann weinen sie zusammen und nehmen sich in die Arme. Schließlich finden sie gemeinsam einen Weg um mit ihren Gefühlen besser klar zu kommen, sie stellen sich vor, daß der Kanarien-Elvis den Elvis Presley im Himmel trifft und sie gemeinsam singen. Am Ende geht das Mädchen ohne die rote Tasche, in der sie all ihre Trauer und ihren Kummer hinter sich her zog nach Hause. Es bleibt die Traurigkeit über einen Verlust, aber gleichzeitig hat dieses Erlebnis dem kleinen Mädchen eine große Bereicherung beschert: Dank anderer Menschen, die sich etwas getraut haben, hat es den großen Wert von Freundschaft kennengelernt und das Gefühl des Alleinseins verloren.

Fazit:

Ein Buch mit vielen Gesichtern, skurril und doch voller Poesie. Ein Buch vom Abschiednehmen, vom Traurigsein, von Freundschaft, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. Ein Trostbuch für die Kleinen und ein Lehrbuch für die Großen. Aber auch ein Buch zum Schmunzeln.

Antje Saam

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Michael meint:
Ich finde, dass das Buch zwar mit recht neuen Mitteln arbeitet, aber völlig ungeeignet für Kinder ist. Die Sprache ist beabsichtigt grammatikalisch falsch. Ein Kind kann damit allerdings nicht richtig umgehen, denn diese sind ja erst dabei die Sprache richtig zu lernen und können diese Art und Weise nicht richtig einordnen. Ebenfalls beginnt diese Geschichte ohne jeden Sinn, was für uns Erwachsene vll. spannend oder originell erscheint - für Kinder allerdings völlig aus dem Zusammenhang gerissen und ungeeignet ist.
Karl-Otto Schill meint:
Das ist ein sehr gelungenes Buch. Kinder haben eine Zeit, in der sie den Tod eines jeden Tieres bedauern und darüber traurig sind. Ich erinnere mich auch daran, mindeszens einen Vogel (Spatz) in einem Zigarrenkistensarg neben einem grabsteinähnlichen Stein im Garten begraben zu haben. Es ist schön für das Kind, wenn seine Gefühle von anderen Menschen geteilt und angenommen werden."Gehört das so?"..eine Frage philosophischer Dimension, die sich auch in anderen Büchern von Peter Schössow (z.B. "Ich, Kater Robinson", Text von Harry Rowohlt) findet. Die visuelle Gestaltung vermittelt eine Idee der subjektiven Wahrnehmung des Kindes.
Ich bin angerührt und begeistert.
Ezher meint:
das Buch ist 1 a echt klasse total emotional und geht den Menschen ans Herz. Jeder soll sehen man ist nie allein, man kann im Herzhen an jemanden Denken und mit Freunden gemeinsam Trauern und in schönen Gedanken an die gestorbenen noch denken. Tote keben in unseren Herzen weiter... ein echt schönes Bilderbuch
Keera meint:
Ein wunderschönes Bilderbuch, hervorragend geeignet, wenn Kinder "Trauerarbeit" zu leisten haben.
Es ist toll, wie Peter Schössow so viele Aspekte zum Thema "Trauern" in so ein kurzes Bilderbuch mit so wenig Text hineinbekommt. Er schafft es auch, dass sein Buch für fast jedes Alter zu empfehlen ist. Für Kinder unter 5-6 Jahren ist es sicherlich zu schwierig, ab diesem Alter aber zum gemeinsamen Lesen unbedingt geeignet.

Zu den Aspekten des Trauerns, die in diesem Buch angesprochen werden: Zunächst sieht man, dass traurige Menschen oft auch wütend sind. "Gehört das so?!" -dass jemand einfach stirbt? - dass man ganz alleine ist damit? - dass alle anderen weitermachen, als sei nichts passiert?
Dann sieht man das Verhalten der anderen Menschen, die sich erst gar nicht trauen nachzufragen und nur beobachten und nicht auffallen wollen. Aber immerhin bemerken sie, dass etwas nicht stimmt mit dem kleinen Mädchen.
Und dann fragen die anderen Menschen nach und verhalten sich dann richtig gut: Sie sorgen für einen echten Abschied in Form einer richtigen feierlichen Beerdigung. Sie geben dem Kind Raum zum Weinen und zum Erzählen von dem Gestorbenen, sie trösten das Kind und nehmen es in den Arm. Danach bringen sie auch ihre eigenen Gedanken (an den anderen Elvis) ein und schaffen es schließlich auch noch zu zeigen, dass man bei aller Trauer auch noch lachen und das Zusammmensein schön finden darf.
Wenn alle Erwachsenen so auf die Trauer von Kindern reagieren würden, dann hätten viele Kinder wesentlich größere Chancen , mit Verlusterlebnissen in ihrem Leben zurecht zu kommen.
Also, ein tolles Buch, um mit Kindern über den Tod ins Gespräch zu kommen und ein tolles "Lehrbuch" für Erwachsenen über viele wichtige Aspekte des Trauerns.
Babsie meint:
Nur zufällig bin ich darauf gestoßen bei der Suche nach einem geeigneten Analyseobjekt für meinen Deutschkurs an der Hochschule. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich in ein Buch verlieben kann, schon gar nicht in ein Kinderbuch, doch dieses ist so sensibel und offen für jedes Alter geschrieben, dass ich es wohl noch öfter zur Hand nehmen werde. Auch wenn 14,90 Euro für ein Bilderbuch besonders für mich als Studentin ziemlich teuer ist, aber das war es mir auch im Nachhinein echt wert!
Lisa meint:
Dieses Buch ist sehr schön gezeichnet und zeigt die Wut, die Kinder bei so einem Vorfall mit sich bringen, da sie nicht verstehen, warum plötzlich jemand (in diesem Fall der Kanarienvogel) nicht mehr da ist. Das Mädchen ist sehr treffend gezeichnet. Allerdings muss man viel dazu erzählen, wenn man es Kindern zeigt, weil Kinder es sonst nicht verstehen. Alles in allem aber ein sehr tiefsinniges Bilderbuch!
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