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Buchcover: Sylvia Schopf: Marie hat jetzt Stachelzöpfe

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Marie hat jetzt Stachelzöpfe von Sylvia Schopf

erschienen bei Annette Betz

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 5 Jahren]

Zwei Geschichten in einem Buch; zwei Reisen in fremde Länder, zwei Kinder, die viele Gemeinsamkeiten entdecken. Marie und ihr afrikanischer Cousin Issa besuchen sich gegenseitig in ihren Heimatländern und lernen den spannenden Alltag in der jeweils anderen Kultur kennen.

Maries Mama kommt aus Burkina Faso, das liegt in Afrika. Gemeinsam mit ihren Eltern besucht sie ihren gleichaltrigen Cousin Issa. Dort angekommen stellt Sie bereits auf dem Weg vom Flughafen zum Haus ihre Onkels fest, dass viele Dinge in Afrika ganz anders funktionieren als in Deutschland. Sie staunt über einen Eselskarren voll gepackt mit Melonen und bewundert die buntgekleideten Frauen, die ihre Kinder auf dem Rücken und Pakete auf dem Kopf tragen. Alle ihre Verwandten haben die gleiche dunkle Hautfarbe wie ihre Mama. Sie lernt die afrikanische Art zu klingeln kennen und spielt ausgelassen mit den vielen freilaufenden Tieren. Als sie einige Tage später ihre Oma auf dem Lande besuchen, ist sie einerseits stark beeindruckt von dem fröhlichen Empfang durch all ihrer Verwandten, andererseits gibt es dort auch so viele Unwegsamkeiten. Da es im Dorf keinen Strom gibt, kann man nur lauwarmes Wasser trinken. Marie muss auch im Freien duschen und das, indem ihre Tante eine Schüssel Wasser über sie schüttet. All die neuen Eindrücke zusammen mit der großen Hitze machen Marie plötzlich launisch und müde und während sie sich wünscht zu hause zu sein, schläft sie erschöpft ein. Glücklicherweise bekommt sie schließlich doch noch ihre afrikanischen Stachelzöpfe geflochten, auf die sie sehr stolz ist. Und als kurz drauf ein großes Fest gefeiert wird, ist sie wieder begeisternd trommelnd dabei. Schließlich fällt es ihr schwer ,dann doch Abschied zu nehmen.

Ihr Cousin Issa reist gemeinsam mit seiner kleinen Schwester und seiner Mutter von Afrika nach Deutschland. Bereits am Flughafen staunt Issa über die Rolltreppen, die sich scheinbar ganz alleine in Bewegung setzen. Erst als Marie verspricht, mit ihm später ins Einkaufszentrum zu gehen und dort wieder mit ihm Rolltreppe zu fahren kann er sich losreißen. Er genießt den Regen, den es im trockenen Burkina Faso so wenig gibt und bewundert die unglaublich vielen Spielsachen von Marie. Auf einer Geburtstagsfeier im Zoo lernt er Maries Freunde kennen, die ihn anfangs kritisch mustern, weil seine Hautfarbe noch dunkler ist als die von Marie. Und die Kinder staunen, dass Issa zwar Elefanten kennt, aber sich freut endlich mal eine Giraffe zu sehen. Auf einem kleinen Ausflug begegnet er Ampeln, Briefkästen und beobachtet mit großer Neugierde, wie die Menschen in Deutschland damit umgehen. Auch Issa hat Sehnsucht nach seinem warmen zu Hause als er sich fröstelnd in einer U-Bahnstation verläuft. Zum Abschied bekommt Issa einen echten Lederfussball von seinen neuen Freunden geschenkt, denn den hat er sich schon immer gwünscht.

Das Buch lässt sich von beiden Seiten aufschlagen und bietet dann eine jeweils für sich abgeschlossene Geschichte. Kinder finden diesen Effekt witzig und können so frei entscheiden, welche Geschichte sie zuerst hören möchten. Wahlweise wird Maries Besuch bei Issa in Afrika oder Issas Besuch bei Marie in Deutschland erzählt.

Den Geschichten geht jeweils eine Karte des Kontinents, in dem die Kinder leben, voraus. So wird deutlich, dass Deutschland nur ein kleiner Teil Europas und Burkina Faso nur ein kleiner Teil Afrikas ist. Auf der jeweils folgenden Seite werden die Eckdaten der Heimatländer der Kinder beschrieben. Auf sehr anschauliche Weise wird erklärt, welche Nachbarländer, welches Essen, welche Jahreszeiten es dort gibt. So erfährt man bereits zu Beginn, wie unterschiedlich die beiden Länder sind. Ebenso wird aufgezählt, welchen Religionsgemeinschaften die Menschen angehören. Zu erklären, was die Unterschiede zwischen Protestanten, Muslime und „Anhänger von Naturreligionen“ sind, bleibt dann den Eltern überlassen. Vielleicht an dieser Stelle etwas zu viel Information für 5-jährige.

Die beiden Geschichten eignen sich inhaltlich und textlich hervorragend zum Vorlesen. Seite für Seite können Kinder begreifen, dass vieles, was für den einen selbstverständlich erscheint, für andere völlig unbekannt ist. Wenn Issa sich neugierig einer automatischen Glastür nähert, dann ist das genauso spannend geschildert, wie Maries Begegnung mit dem Baobab-Baum. Insbesondere der Teil in dem Marie Afrika besucht, ist so fröhlich und abenteuerlich beschrieben, dass man Lust bekommt, dieses ferne Land kennen zu lernen. Zu keiner Zeit wird der Eindruck vermittelt, dass Afrikaner „ärmer“ oder gar zurückgeblieben sind. Damit wird Kindern ganz leicht der Weg bereitet, Interesse und Verständnis für andere Kulturen aufzubringen.

Susanne Smajic zeigt mit ihren Illustrationen, dass Afrika, der so oft schwarzer Kontinent genannt wird, kunterbunt ist. Und so gestaltet sie die Reise Maries nach Burkina Faso so farbenfroh, wie Afrika selbst ist. Wer Issas Reise nach Deutschland unter die Lupe nimmt, findet gedämpftere Farben. Ein schönes Mittel, um die Unterschiede der Länder hervorzuheben und unterschiedliche Stimmung zu erzeugen. Warum allerdings die Kinder in Deutschland beim Fußballspielen auf der Wiese kurze Röcke und Hosen tragen, während zwei Seiten weiter Menschen mit Schals und Wintermänteln zu sehen sind, ist schwer zu beantworten. Vielleicht weil solche Wetterkapriolen (morgens kalt und mittags warm) ganz typisch für Deutschland sind, während das Wetter in Burkina Faso nahezu durchgängig heiß ist. Der Übergang in der Mitte des Buches, wo beide Geschichten enden, ist als eine Art Weltkugel dargestellt. Beide Kinder liegen entspannt nebeneinander auf dem Gras, auf der einen Seite Afrika und auf der gegenüberliegenden Seite Europa, als Zeichen dafür, dass es nur eine Welt gibt.

Fazit:

Dieses originelle Bilderbuch hilft, auf ganz leichte Art und Weise, den Horizont unserer Kinder zu erweitern und die Kulturen anderer Länder zu verstehen.

Gabriele Jansen


Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Martina Rolf meint:
Ich bin Mutter eines 5 jährigen Sohnes, dessen Vater aus dem Senegal stammt und ich selbst ca. 6 Monate (einmal mit meinem Sohn) im Senegal zu Gast war.
Ich finde die Beschreibungen sehr einfühlsam und meiner Meinung nach sind die Einzelheiten der afrikanischen Seite sehr zutreffend. Das tat mir sehr gut beim Vorlesen, denn es gibt viel Unwissenheit zu den Lebensgewohnheiten etc vor Ort.
Waren sie selbst schon einmal in BuKi oder in einem anderen westakfrikanischen Land? Das würde mich interessieren.
hannah oberlechner meint:
das buch ist super. mir hat es gut gefallen. ich finde die geschichten wunderschön. leider hat die lehrerin nicht alles vorlesen können. aber ich werds mir besorgen und selber lesen.
hannah 8 jahre (südtirol)
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