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Buchcover: Marko Simsa: Der Nussknacker

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der Nussknacker von Marko Simsa

erschienen bei Jumbo

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

ab 5 Jahren

Mit „Der Nussknacker“ widmet sich Marko Simsa nach dem „Schwanensee“ (2008) erneut einem der beliebtesten Ballette Peter Iljitsch Tschaikowskis. Simsa hat sich im letzten Jahrzehnt mit der Umsetzung klassischer Musik in Kinderbüchern mit Begleit-CD einen Namen gemacht. „Der Nussknacker“ schließt an das bewährte Erfolgs-Rezept an und entführt die kleinen Zuhörer und -schauerInnen ins weihnachtliche Haus des Medizinalrats Stahlbaum und in die Träume von dessen kleiner Tochter Klara. Die Illustrationen von Silke Brix zeigen das Ballett als Bühnenaufführung und werden kleine Ballerinas durch die historischen Kostüme und die tänzerischen Haltungen, Gesten und Bewegungen sicherlich faszinieren. Ein schöner Einstieg in eine noch fremde Welt: Wundern Sie sich nicht, wenn der Wunsch nach einem Ballett-Besuch nicht lange auf sich warten lässt!

Neugierig recken sich die Kinder um einen Blick in den Orchestergraben zu erhaschen. Die Ouvertüre nimmt musikalisch vorweg, was kommen wird, und dann endlich: Vorhang auf für Tschaikowskis „Nussknacker“. Der Medizinalrat Stahlbaum begrüßt die zum Weihnachtsfest geladenen Gäste. Marie und ihre Geschwister schleichen um die Geschenke unterm Baum und freuen sich auf die Bescherung. Der Höhepunkt des Festes ist der Besuch des Paten der Kinder, Obergerichtsrat Drosselmeier. Er stellt Spielzeuge und mechanische Puppen her, die alle begeistern. Auf einer Spieluhr drehen sich vier Figuren – ein Mausekönig, ein Nussknacker, eine Zuckerballerina und ein Soldat. Als letztes erhält Marie einen rot-uniformierten Nussknacker. Im Gerangel der Kinder fällt die Figur zu Boden und zerbricht. Im Lehnstuhl des Großvaters schläft das Mädchen ein und sieht im Traum wie eine Armee von Soldaten – angeführt vom Nussknacker – gegen eine Armee von Mäusen ins Feld zieht. Sie greift in das wilde Gefecht ein und rettet den Nussknacker, welcher sich in einen Prinzen verwandelt. Er fordert Marie zum Tanz auf und entführt sie in ein Schlaraffenland aus Eis und Schnee. Er geleitet sie ins „Zuckerschloss von Zuckerburg“. Sie werden von der „Fée Dragée“, einer „wundersamen Zuckerfee“ begrüßt und Tanzkompanien aus der ganzen Welt treten für sie auf. In Vorfreude auf die Hochzeit tanzt das Traumpaar einen Walzer – bis Marie aus dem Schlaf erwacht. Vermutlich war alles nur ein unglaublich schöner Traum, aber der Nussknacker ist auf wundersame Weise wieder heil und ganz.

Marko Simsa und Silke Brix sind ein eingespieltes Team in der Umsetzung klassischer Musik in Kinderbücher mit CD. „Das Zookonzert“, „Murmels kleine Nachtmusik“, „Peter und der Wolf“ und „Mozart für Kinder“ sind bereits beim JUMBO-Verlag erschienen und haben Groß und Klein begeistert. In „Der Nussknacker“ greifen sie auf bewährte Methoden zurück: Der Text erzählt die Geschichte des Nussknackers (mit eher wenigen direkten Zitaten aus der Erzählung von E.T.A. Hoffmann), nimmt aber auch Bezug auf Musik und Tanz. Die Illustrationen dienen als passende Bebilderung und jedem Textblock ist die Angabe der entsprechenden Tracks auf der CD beigefügt.

Auch wenn man dies für eine Selbstverständlichkeit halten mag, ist es tatsächlich eine Besonderheit der Bearbeitungen Simsas, dass Text und Musik auf der CD abwechseln. Simsa trifft eine gelungene Auswahl an in der Regel 1- bis 3-minütigen Musikausschnitten, welche durch die von ihm eingesprochenen Textpassagen unterbrochen und kommentiert werden. Die insgesamt ca. 50 Minuten Tschaikowski gespielt vom Slovak Radio Symphony Orchestra können durch die Erläuterungen und regelmäßigen Unterbrechungen ihr Publikum sehr gut erreichen. Auf der letzten Seite des Bandes sind die Tracks der CD unter Angabe der jeweiligen Spieldauer und der dazugehörigen Buchseite aufgelistet. All dies verbessert die Handhabung und unterstützt das Zusammenspiel der verschiedenen medialen Formen.

Dennoch ist die crossmediale Aufarbeitung klassischer Musik- und Ballettstücke natürlich nicht ganz unproblematisch und birgt mit Sicherheit den einen oder anderen Fallstrick. Während das Verhältnis von gesprochenem Text und Musik über große Passagen sehr gelungen ist, können die Bilder die Aufmerksamkeit kaum über einen angemessen Zeitraum halten. Dies liegt einerseits daran, dass jeder Doppelseite ca. 10 Minuten Tonmaterial zugeordnet sind und andererseits auch am Illustrationsstil, der zwar schön anzuschauen ist, aber eine geringe Detailtiefe besitzt und kaum zum Verweilen einlädt. Das Zusammenspiel der Medien hätte hier aber auch durch eine direktere Bezugnahme des Textes auf die Bilder – und nicht auf eine imaginierte Bühnenaufführung – optimiert werden können. Hier zeigt sich deutlich, dass sich Simsa mit der Bearbeitung von Balletten einer neuen Herausforderung stellt, die gegebenenfalls auch nach einer Weiterentwicklung des Formats verlangen könnte. Im Gegensatz zur von Bildern begleiteten Instrumentalmusik, wird hier versucht im Bild die Tanzaufführung abzubilden. Es wird also noch eine weitere Ebene in die bekannte Gleichung eingeführt. Der Versuch aber in der Vorstellung der Kinder die Aufführung zum Leben zu erwecken, lenkt die Aufmerksamkeit eher von den – die Imagination nicht stark genug beflügelnden – Illustrationen ab. Sehr schade ist beispielsweise, dass die Figuren kaum individualisierte und wenig expressive Gesichtszüge haben, obgleich auch die Mimik als Mittel der darstellerischen Umsetzung im Ballet hervorgehoben wird. Das heißt aber nicht, dass die Illustratorin die Herausforderung verfehlt hätte: es ist bemerkenswert wie Brix versucht den Tanz durch präzise Ballettpositionen, Haltungen, Gestik, Linienführungen und sukzessive Darstellungsweisen auf die Seite zu bannen.

„Der Nussknacker“ ist teilweise bereits ab 36 Monate empfohlen. Sofern die CD nicht als bloße Hintergrundmusik zum Einsatz kommen soll, ist diese Altersempfehlung jedoch deutlich nach oben zu korrigieren. Die Auseinandersetzung mit Buch und CD in ihrem Zusammenspiel ist durchaus komplex und auch eine durch das Material beförderte Beschäftigung mit klassischer Musik und Ballet wird eher bei Kindern ab frühestens 5 Jahren Anklang finden. Auch die eher nüchterne, teils überbetonte und österreichisch gefärbte Aussprache Simsas – die sicherlich eine Geschmackssache ist – dürfte nicht unmittelbar ansprechend für das jüngste Publikum sein. Gerade kleine Nachwuchs-Ballerinas, die selbst erste Erfahrungen in einem Kurs gesammelt haben, werden aber nicht nur Spaß an der romantischen Erzählung und der vorzüglichen Musik, sondern auch an der Betrachtung der Bilder, sowie am Wiedererkennen der Tanzschritte und Positionen haben. Gerade als Vorbereitung auf einen weihnachtlichen Ballett-Besuch mit der ganzen Familie dürfte sich der Band hervorragend eignen.

Fazit:

Eine schöne Heranführung kleiner Nachwuchs-Ballerinas an die Welt des großen klassischen Balletts!

Anneka Esch-van Kan

 

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