Pippi Langstrumpf, Nils Holgerson, Emil und die Detektive, Max und Moritz, Der kleine Wassermann, Die drei ???, Paddington Bär …sie alle und noch viele mehr gelten heute in der Kinderliteratur als Klassiker.

Wir haben uns einmal die Frage gestellt, welche Bedeutung Kinderbuch-Klassiker heute haben. Wer legt fest, welches Buch ein Klassiker ist und gibt es in unserer schnelllebigen Zeit nicht schon längst jüngere Anwärter für diese Kategorie? Einige stellen wir hier vor …

Klassiker sind toll, keine Frage, zumindest viele. Aber: wirklich brauchen sie die Kids von heute nicht und oft sind es wir Eltern und Großeltern, die die Bücher von gestern so doll lieben. Viele Bücher von heute aber sind mindestens genauso gut – und werden irgendwann vielleicht von den Erwachsenen von morgen genauso als Klassiker geliebt.

Von Sigrid Tinz

Wer macht ein Buch zum Klassiker?

Neues vom kleinen NickSchon wenn das Baby noch im Bauch ist freuen sich manche Eltern darauf, dem Kind demnächst all die schönen Lieblingsbücher von früher vorzulesen vom Kleinen Nick  bis zum Pumuckl. Und genießen das herrlich nostalgische Gefühl dabei, wenn es dann so weit ist.

Solche Eltern – und Großeltern, denen es ja oft genauso geht – leben in paradiesischen Zeiten: Klassiker sind Trend, wenn man das so sagen kann, und das Angebot ist größer denn je. Alte Titel werden stapelweise neu aufgelegt – manche Verlage haben eine ganze Sparte Reprint und Klassiker im Angebot von Max und Moritz bis zu den Wurzelkindern. Rund um besonders erfolgreiche Titel wie die Raupe Nimmersatt gibt es regalmeterweise Spielzeug und andere Merchandisingprodukte. Steht der runde Geburtstag eines Klassikers oder eines Klassiker-Autors an, wird der mit Neuausgaben und Neuauflagen gefeiert – und die Verkaufszahlen steigen. Ein Grund mag der generelle Retrotrend sein. Aber auch, dass der Buchmarkt heute schnelllebiger ist und übersatt. Und es für die Verlage einfacher und wirtschaftlicher ist, gut gehende Lieblingsbücher immer wieder anzubieten, statt neue Titel mit neuen Protagonisten aufwändig bei Buchhändlern und Käufern bekannt zu machen.

Zu 95 Prozent werden Kinderbücher ja von Erwachsenen gekauft – die gerne zu Bekanntem greifen, umso lieber wenn das Cover schöne Erinnerungen weckt. Und weil allein das Wort „Klassiker“ schon ausreicht für das schöne nostalgische Sofagefühl, werden auch neue Bücher so angekündigt: als „würdiger Nachfolger vom Klassiker Xyz“ oder „mit dem Zeug zum Klassiker“ oder „in der Tradition von Klassikern wie Abc“.

Harold und die ZauberkreideUnd manche schauen sich auch im Ausland um, neben den internationalen Klassikern wie Pippi Langstrumpf gibt es ja auch regionale, ländertypische. Was woanders seit Jahren oder Jahrzehnten gut läuft, kann man ja auch mal hierzulande ausprobieren; leichter, Rechte zu kaufen, als komplett neue Bücher zu produzieren. Beispiele wären Schlaft, Tierchen, schlaft, Harold und die Zauberkreide oder Die Kuh, die mal niesen musste. Gute Bücher, durchaus, aber richtige Bestseller werden es selten. Erstens mag es seinen Grund haben, warum sie es früher nie in die internationale Übersetzung geschafft haben. Und zweitens ist die Frage, ob sie heute halten, was sie italienischen, kanadischen, afrikanischen Kindern damals versprochen haben. Das Besondere an Klassikern ist ja auch, dass man sie von klein auf kennt, mit ihnen groß und erwachsen wird und sich über altmodisch anmutende Optik und Inhalt nicht wundert – so wie bei Omas Blümchentapete in der Küche; gefällt einem oder fällt auch gar nicht mehr auf, weil es schon immer so war – aber die eigenen Küche so gestalten würde man im Leben nicht.

Ähnlich ist es mit den ostdeutschen Kinderbuch-Klassikern. Anfangs fast verschwunden, dann neu herausgebracht fanden und finden sie im viel größeren westdeutschen Buchmarkt kaum Interesse; sie werden von einigen Verlagen mittlerweile wieder „im Original“ verlegt und haben ihre Nische. Ausnahmen sind Pitti Platsch und alles rund ums Sandmännchen, die gesamtdeutsch seit Jahrzehnten in die Kindheitserinnerungen eingehen. Die westdeutschen Buchhelden dagegen sind und waren durch Westfernsehen und Co auch im Osten bekannt.

Was macht einen Klassiker eigentlich aus?

Die Abenteuer des OdysseusWas genau ein Kinderbuch zum Klassiker macht, ist übrigens nirgends exakt definiert. Zumindest nicht wie in der Erwachsenenliteratur, in der die Werke antiker Schriftsteller als Klassiker bezeichnet werden, Goethe, Schiller und Co als „deutsche Klassiker“ und alles, was unter 100 Jahre alt ist als „Klassiker der Moderne“. Bei den Kinderbüchern weiß man halt irgendwie, was gemeint ist und welche Titel dazugehören. Natürlich gibt es die im literaturwissenschaftlichen Sinne „echten“ Klassiker wie Die Schatzinsel, Black Beauty oder Robinson Crusoe, die oft schon einige Jahrhunderte alt sind, aber von jeder Generation aufs Neue gelesen werden. Und an denen oftmals niemand mehr die Rechte hat, so dass es für Verlage besonders günstig ist, sie wieder und wieder zu vermarkten: speziell für Erstleser oder als Bilderbuch, als comicähnliche Graphic Novels wie zum Beispiel Die Abenteuer des Odysseus oder Troja. Oder: opulent mit Leineneinband, Schutzumschlag, mattrauem, festem Papier und prachtvollen Zeichnungen, wahre Liebhaberstücke für entsprechendes Geld, für die zahlungskräftigen Kinder von gestern.

Für viele Verlage gilt ein Buch dann als Klassiker, wenn es seit mindestens zwei Generationen erfolgreich und durchgängig lieferbar ist; oder abzusehen ist, dass es so sein wird. Weswegen auch Lillifee, Ritter Rost, Der Grüffelo und Petterson und Findus dazu zählen; und viele andere, die den Sprung aus den Bücherregalen ins Fernsehen geschafft haben und als Bettwäsche, Trinkflasche oder Kuscheltier die Kinderzimmer bevölkern, so dass jeder die Geschichte kennt, auch wenn er das Buch noch nie gelesen hat.

Man könnte es sogar als typisches Merkmal eines Kinderbuch-Klassikers ansehen, dass es das eine originale Werk nicht mehr gibt, bzw. dass es nicht das Original ist, was weltweit in den Kinderzimmern und Kindheitserinnerungen verbreitet ist. Sondern das Gesamtwerk an Aktualisierungen, Umarbeitungen, Übersetzungen, Verfilmungen. „Nils Holgersson“ zum Beispiel war ursprünglich ein Auftragswerk der Schwedischen Regierung, ein 400 Seiten starker Wälzer, in der schwedische Kinder allerlei Geographisches und Erbauliches über ihre Heimat lernen sollten. Die eigentliche Geschichte um den geschrumpften Nils und seinen Flug mit den Gänsen, die heute jeder vor Augen hat, wenn er den Titel nur hört, war nur als Motivationszuckerl gedacht.

So wie auch Harry Potter, der verfilmt, vertont und verwertet wurde und wird; wo auch die alten Folgen neu erscheinen mittlerweile als „wunderbar illustrierte Schmuckausgaben“.

Nicht wahr, da stutzen wir Erwachsenen einen Moment und denken: „Harry Potter? Den gab’s doch noch gar nicht, als ich klein war. Das ist doch kein richtiger Klassiker!“

Denn genau das ist die landläufige Definition: richtige Klassiker sind die, mit denen die Eltern- und Großelterngeneration aufgewachsen sind: Pippi Langstrumpf, Heidi, Biene Maja, Pumuckl, Räuber Hotzenplotz und wer so alles noch fester Bestandteil unserer kollektiven Kindheitserinnerungen ist.

Und das auch bleiben soll, bitteschön.

Weswegen es gerade noch geht, wenn altbekannte Serien wie „Fünf Freunde“ oder „Die drei ???“ weitergeschrieben oder behutsam im alten Stil erneuert werden: „TKKG“ zum Beispiel, also Tim, Karl, Klößchen und Gabi nämlich sind neuerdings mit Mobiltelefon, Laptop und Mountainbike auf Verbrecherjagd.

Und: beinahe alle bekommen ab und an ein neues Cover, werden in gewissen Abständen an die jeweiligen Rechtschreibregeln angepasst und an den aktuellen Sprachgebrauch. Eigentlich keine große Sache, könnte man meinen. Aber: wir Kinder von damals lieben unser Original als ein Stück unserer Kindheit. Deshalb beschweren sich Ostdeutsche bitter, wenn DDR-Klassiker leicht verändert neu gedruckt werden; Fans der „Unendlichen Geschichte“ tanzen vor Freude, weil das Buch zum 35-jährigen Jubiläum wieder wie im Original erschien. Und sie jetzt ihren Kindern nicht mehr die eigene keller-muffige, schokoladenfleckige Erstausgabe von 1979 vorlesen müssen, aber auch nicht die hellblau und blumig illustrierte andere Version, die seit 2004 auf dem Markt war. Und als 2013 die Kinder in Ottfried Preußlers altgedienter „Kleinen Hexe“ nicht mehr als „Negerlein“ und „Türken mit roten Mützen und weiten Pluderhosen“ zum Karneval gehen sollten, sondern als „Cowboys“ und „Messerwerfer“ oder als etwas anderes, das eben für die heutigen Kinder cool, exotisch und lustig klingt, brach in Feuilletons und Foren ein Sturm der Entrüstung los: für die Freiheit der Sprache und gegen übertriebene politische Korrektheit, gegen den Verlag, der nur ans Geld denke und sich bei den Kindern von heute anbiedern wolle und für ein Stück Zeitgeschichte, dass in den Büchern von damals festgeschrieben sei.

Wie aktuell sind die Klassiker heute noch?

Auch der neue Pumuckl musste einen Shitstorm über sich ergehen lassen, weil er in einer neuen Ausgabe, schlanker und dynamischer aussieht als „früher“. Zwar ist es für die Geschichte und das Herumklabautern eher unerheblich, wie er aussieht, außerdem ist er ziemlich oft unsichtbar – das geben die meisten Feuilletonisten, Leserbriefschreiber oder vom Radio befragte Passanten durchaus zu; aber, so formuliert es einer: „Ein Pumuckl ohne Bauch ist nicht mehr mein Pumuckl.“ Was ziemlich genau zeigt, worum es den gestandenen und zum Teil sehr gebildet argumentierenden Erwachsenen letztendlich wohl geht: um ihre Kindheitserinnerungen. Und nicht um gute Bücher für die Kids von heute.

Andererseits: behutsame Sprachanpassungen ändern nichts am gesamten Weltbild. Pippis Vater ist zwar in aktuellen Ausgaben nicht mehr Neger-König. Sondern Südsee-König. Fakt ist und bleibt, dass hier ein hellhäutiger Europäer über dunkelhäutige Inselbewohner herrscht.

Bekämen wir Kinderbuchkritikerinnen ein solches Buch druckfrisch und nagelneu auf den Tisch, gäbe es einiges zu bemängeln. In anderen Klassikern nicht anders: Wie Kinder oft behandelt – misshandelt – werden; das antiquierte Moral- und Rechtsempfinden in vielen Abenteuergeschichten.

Zwar ängstigt es Kinder nicht so sehr, wie wir Eltern oft vermuten, aber die Zeiten haben sich so geändert, dass sie meist gar nicht mehr verstehen, worum es geht. Vom Männerklischee vom starken Helden und vom rückständigen Frauenbild in den meisten Büchern ganz zu schweigen. Wenn der Inhalt in irgendeiner Art schwierig ist, sprachlich oder inhaltlich, so lautet ein gängiger Ratschlag, dann müssen die vorlesenden Erwachsenen eben ran. Und erklären, dass Astrid Lindgren das mit dem Neger nicht so böse meinte wie es heute rüberkommt. Dann mag aus der Vorlesestunde zusätzlich auch noch eine Geschichts- und Soziologielektion werden – so ein richtig gemütliches kuscheliges, nostalgisches gemeinsames Schmökern ist es dann aber auch nicht mehr.

Außerdem braucht kein Kind Klassiker, Klassiker bilden ausdrücklich keinen Kanon besonders wertvoller Literatur. Und sie sind auch nicht überzeitlich und immergültig. Was überzeitlich ist, das sind die Grundzutaten – nämlich zeitlose Werte wie Freundschaft, Mut und Humor, und Themen wie Abenteuer, Heldentum, Fantasie und Gut und Böse – die man durchaus auch in neuen, zeitgemäßen Büchern finden kann, wenn man ein bisschen sucht. Wie wäre es statt Max und Moritz mit den Olchis? Statt der Olchis mit Miles und Niles?

Oder eines von den vielen, vielen Titeln, die wir jeden Monat auf der Kinderbuch-Couch vorstellen, die tollsten finden Sie hier.

Nicht alle haben das Zeug zum Klassiker, klar, aber einige schon und hier kommt unsere kleine Auswahl.

Unsere Kinderbuch-Klassiker

Die wunderbare Weihnachtsreise

von Lori Evert

Die einfachen Geschichten sind oft nicht die schlechtesten, vor allem eben oft relativ zeitlos – so wie diese, die davon erzählt, wie ein Kind den Weihnachtsmann sucht. Wunderschön und kunstvoll illustriert außerdem: das kleine Mädchen, die großen schönen Tieren, die verschneiten nordischen Wälder &ein echtes Wintermärchen. Jede Seite ist ein eigenes kleines Fotokunstwerk, dessen Zauber Klein und Groß in den Bann zieht und aus dem Buch einen Weihnachtsklassiker macht, der in jedem Jahr wieder angeschaut werden muss.

Alabama Moon

von Watt Key

Alabama Moon ist ein kleiner Junge, der allein in der Wildnis lebt, mit seinem zivilisationsscheuen Vater, seit er zwei Jahre alt ist. Als der Vater stirbt, beschließt der Junge ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Er will nach Alaska gehen, dorthin wo es noch Menschen gibt, die unabhängig leben können. Doch dem Zehnjährigen ist ein brutaler Polizist auf den Fersen, der schon lang nach dem Versteck der Waldbewohner sucht. Moon hat einen schwierigen Weg vor sich, der allerdings nicht in Alaska enden wird.

Am dunklen Fluss

von Kathi Appelt

Ein alter Hund, der an der Kette liegt und drei Katzen, die seine einzige Familie sind, bedroht von dem bösartigen Jäger mit Namen „Hechtmaul“ sind Teil einer Geschichte, die über tausend Jahre zurückliegt – poetische, mitreißend und tiefgründig und herzergreifend, egal wie alt man ist.

An der Arche um Acht

von Ulrich Hub

Drei unzertrennliche Pinguinfreunde haben das Problem, dass nur zwei auf die Arche dürfen. Und lösen es auf sehr originelle Art und Weise. Gleichzeitig eine sehr originelle Version der alten Geschichte von der Sintflut, die sich gut und dialogreich liest und auch als Theaterstück existiert.

Bitte anstellen!

von Tomoko Ohmura

Wartesituationen sind ebenfalls Kindheits-Klassiker und mit dieser seiten- und buchfüllenden Tierschlange, die ebenfalls auf ein – sehr lustiges – Ende wartet, hat man das perfekte Buch, um mit wenig Aufwand und viel Genuss die Zeit zu überbrücken.

Das Buch vom Anfang von allem

von Rainer Oberhütr

Auch wenn Schöpfungsgeschichte und Urknalltheorie eigentlich gar nicht zusammengehen, verschränken sie sich hier doch so wunderbar, dass etwas ganz Neues entsteht.

Der geheime Schlüssel zum Universum

von Stephen Hawking

Ein spannender „Science-Fact“- Roman, der nicht nur durch die gut gewählten Charaktere junge Leser begeistert, besonders männliche. Vom berühmten Wissenschaftler Stephen Hawkin, also hat außerdem noch Hand und Fuß, was drinsteht.

Der Kleine und das Biest

von Marcus Sauermann

Der kleine Junge in diesem Buch lebt zusammen mit einem Biest und das Biest ist seine Mutter, die frisch getrennt einfach nur ein muffeliger Trauerkloß und genauso gezeichnet. Nach und nach wird aus dem Biest wieder die Mama des Jungen, das Leben zwar nicht wie früher, aber wieder normal. Humor ist durchaus eine gute Medizin und das Buch beschreibt das traurige Thema auf sehr lustige Art und Weise.

Der letzte Elf

von Silvana De Mari

Wenn „Yorshkrunsquarkljolnerstrink“ seinen vollen Namen nennt, wünschen ihm viele Menschen „Gesundheit“. „Yorsh“ ist der letzte Elf. Und er hat eine wichtige Aufgabe: Eine Prophezeiung besagt, dass er auf den letzten Drachen treffen muss, um die Welt zu retten. Intensives Leseerlebnis voller Gefühl und Humor.

Der Troll und die wilden Piraten

von Julia Donaldson

Julia Donaldson hat der alten Sage vom Troll unter der Brücke einen zeitgenössischen Tonfall verpasst und neues Personal dazu – eine skurrile Piratencombo wie aus einem Abenteuerfilm. So wirkt dieses Märchen mal nicht altertümlich wie ein verstaubter, aufgespießter Schmetterling, sondern lebendig und lustig und verbreitet gerade dadurch wahrhaft märchenhaften Zauber. Auch die Moral von der Geschicht ist modern, denn es geht nicht um Gut und Böse und dass jenes dieses mit roher Gewalt besiegt. Sondern: Auch wenn jeder etwas verliert, können alle etwas gewinnen. Anders als geplant, aber oft besser als man denkt. Und es macht riesig Spaß, die Geschichte vorzulesen. Und ihr zuzuhören. Und die Bilder anzuschauen. Nochmal den Troll!

Die Affenfalle

von Nele Brönner

Ein Wüstenfuchs auf der Suche nach Wasser, das ist tierischer Alltag sehr wahrscheinlich. Aber trotzdem kein nüchternes Sachbuch ist, sondern eine märchenhafte Geschichte mit wunderschön gezeichneten Tieren.

Die besten Beerdigungen der Welt

von Ulf Nilsson

Ob totes Haustier oder tote Oma, irgendwann werden Kinder mit dem Thema Sterben konfrontiert. Und wir Erwachsenen mit der Aufgabe, mit ihnen darüber reden zu müssen. Gerade wenn wir selber „schwimmen“, hilft ein gutes Buch. Dieses hier zum Beispiel: Drei Kinder finden einen toten Vogel und begraben ihn und sind begeistert von diesem Beerdigungsspiel: sie suchen mehr und mehr tote Tiere, schreiben ihnen gedankenvolle Gedichte, legen ihnen schöne Gräber an. So bietet die Geschichte viele Möglichkeiten, sich dem Thema zu nähern. Je nach dem, was das Kind beschäftigt, man kann sehr tief einsteigen oder sie eben auch einfach „nur“ als Geschichte lesen über drei Kinder, die einen Sommertag lang Beerdigungsinstitut spielen. Und am nächsten Tag dann etwas ganz anderes.

Die Borger

von Mary Norton

Dass kleine Dinge verschwinden, kennen wir alle. Wer dahinter steckt, erfahren wir in diesem Buch: kleine Menschenwesen, ihr abenteuerlicher Alltag und ihr Verhältnis zu uns Großen. Ein bisschen ein gemütlicher „Es war einmal“-Tonfall, der wegen der pfiffigen, patenten und wirbeligen Hauptperson Arrietty niemals ins betuliche abrutscht und in dieser Ausgabe mit ganz, ganz tollen Bildern.

Die Buchspringer

von Mechthild Gläser

Viele Seiten für viellesende Kinder, gefüllt mit mehr als flockig zu lesendem Knutsch und Tratsch und Erwachsenwerden, trotzdem aus dem wahren Leben und gleichzeitig voller Fantasie und altbekannter Buchfiguren, so spannend, dass man es „wegfressen“ muss und so schön, dass man seine Lieblingsstellen viele Male wieder lesen mag, unterhaltsam und mit genau der richtigen Prise Romantik. Solche Bücher gibt es nicht so oft, aber diese ist eins.

Die Finstersteins

von Kai Lüftner

Klassenopfer Fred und sein dicker Streberfreund Franz lösen einen Krimi aus dem 16. Jahrhundert – naja, zumindest halbwegs – der im Wesentlichen in einer Gruft auf dem Friedhof spielt. Klingt gruselig? Komisch? Spannend? Schräg? Genau das ist es auch. Dazu kommt noch authentischer Schulstress, Schiss in der Hose, die Tücken einer Zweck-Freundschaft, Sympathien zwischen Männlein und Weiblein &und viel, viel Fantasie. Mittlerweile in Serie.

Die wunderbare Reise des Edward Tulane

von Kate DiCamillo

Die wunderbare Reise des Edward Tulane – Auch ein Porzellanhase hat ein Herz, und Edward auf jeden Fall. Mit diesem liebt er seine kleine Besitzerin innig und geht mit ihr auf weite Reise – die ihn durch einen Schicksalsschlag bis auf den Grund es Meeres führt. Eine absolut fesselnde und mitreißende Geschichte, zeitlos und einfach ganz wunderbar

Eddi Error

von Anne Böhme

Eddi Error ist ein Aufräumroboter, der allerdings vieles andere besser kann als aufräumen. Und er gehört bald zur Familie. Fröhlich, freundlich, lebendig, bunt sind die Bilder von Susanne Göhlich und Roboter Eddi ein ganz eigener Charakter, trotzdem hat man das Gefühl, ihn zu kennen, genau wie bei seiner Familie, die definitiv in der heutigen Zeit lebt, aber genau die warme Atmosphäre ausstrahlt, die wir aus so manchem Klassiker so mögen.

Geschichten von Drache und Bär

von Konrad Utz

Wir kennen sie alle, die allerdicksten Freunde: Tiger und Bär, Stanley und Laurel, Catweazle und seine Kühlwalda oder Maja und Willi& hier sind zwei mehr von ihnen: Der Drache Nurmi (Numitra Akaschang Agniradscha Kanyaprema Sadar Budhiman Bahadur, der Drache!) und der Bär (der auch einfach nur „Bär“ heißt). In so manchen Dingen sind sie sehr verschieden, doch in vielem sind sie sich einig und das vor allem in einer Sache: Sie sind die allerbesten Freunde!

Hast du Angst im Dunkeln

von Jonathan Farr

Zur Schlafenszeit kann es ganz schön unheimlich sein: es ist dunkel und dann die Geräusche! Felipe und Max, die beiden Hauptpersonen, gehen der Sache auf den Grund und treffen bei der Suche einen Riesen, einen Vampir und andere typische Gruselmonster. Aber die sind alle ganz freundlich und fürchten sich ganz fürchterlich vor den Geräuschen. Zusammen finden sie die Ursache: eine kleine Maus, die in der Küche auf der Suche nach Leckerbissen herumkruschelt. Bücher mit angstbesetzten Themen können manchmal durchaus die Angst fördern und damit genau das Gegenteil bewirken. Bei diesem Buch dürfte es nicht passieren, denn die Monster sind sehr nett gezeichnet und die Geschichte geht mit der Angst sehr freundlich um: sie will den Kindern nicht einreden, dass es gar keine Monster gibt und sie also auch keine Angst haben müssen – so wie wir Erwachsenen es oft tun; sondern: am Ende ist die Angst noch da und die Monster auch, aber auch die Erkenntnis: Angst haben und sich von ihr beherrschen lassen, sind zwei verschiedene Dinge und wer sich mit anderen zusammen tut und sich der Angst stellt, der kann sie aushalten.

Herr Glück und Frau Unglück

von Antoine Schneider

Herr Glück und Frau Unglück wie im Märchen: Fröhlicher Mann pflanzt einen Garten voller fantastischer Sonnenblumen und Tulpen und gärtnert so die alte mürrische Hexe von nebenan weich.

Lasst mich frei

von Patrick George

Bilderbuch ohne Worte, aber mit ganz viel Inhalt: per Folie können die kleinen Leser ein Tier nach dem anderen in die Freiheit entlassen. Ein Mitmachbuch, das die Folientechnik virtuos und geradezu magisch einsetzt. Überdurchschnittlich schön und liebevoll gestaltet, mit satten Farben und klaren Formen. Ohne Worte mit Bildern und Details, die Bände sprechen. Die Message auf den Punkt, aber kein bisschen moralinsauer weltverbesserisch.

Rico, Oskar und die Tieferschatten

von Andreas Steinhöfel

Rico, der tiefbegabte Junge, der immer ein bisschen länger denken muss als alle anderen und Oskar, der hochbegabte, der sich ohne seinen Motorradhelm keinen Schritt aus dem Haus bewegt, sind mittlerweile längst verfilmt und fortgesetzt. Und einfach liebenswert und gut.

Rigo und Rosa

von Lorenz Pauli

Rigo ist ein Leopard im Zoo, Rosa ist eine Maus. Die beiden freunden sich an und unterhalten sich 28 Geschichten lang über die großen und kleinen Dinge des Lebens. Kindgerecht und erwachsenengeeignet, mit einem freundlichen Humor und völlig unpathetischer Menschenfreundlichkeit, perfekt fürs jeden Abend Vorlesen. Und Anschauen, denn die beiden sind lebensecht gezeichnet und gleichzeitig so liebenswert, dass man sie am liebsten knutschen und knuddeln würde.

Sally Jones: Mord ohne Leiche

von Jakob Wegelius

Abenteuerkrimi um Gorilla Sally Jones und ihren zu Unrecht des Mordes verdächtigten Menschenfreund Henry Koskela – und es geht auch um Freundschaft, Gerechtigkeit und Mut. Die Sprache ist geradlinig, ausdrucksstark, bildreich und: leicht zu lesen, aber dennoch spannend, dramatisch und emotional. So soll ein Roman sein. Und ein Klassiker auch.

So weit oben

von Susanne Straßer

Ein Bär und seine tierischen Freunde stapeln sich Seite um Seite zur Räuberleiter, um einen Kuchen zu ergattern; es gelingt, aber anders als gedacht. Dicke Pappe, wenig Worte, tolle Bilder, zum tausendmal lesen und immer wieder schön finden.

Viktor und der Wolf

von Hannes Klug

Aktuell wegen des Wolf-Themas, unterhaltsam, mit viel Kinderalltag, der ein bisschen mehr zu bieten hat an Gefühl, Humor, Drama und Spannung als ein „normaler“. Mit einem Ende, das zwar Happy ist, aber nicht zu süß: „Viktor und der Wolf“ ist ein rundum gutes Buch, wie ein Familienfilm zum Vorlesen.

Dass ein, zwei dieser Titel die Liebe einer ganzen Generation auf sich vereinen, ist wohl unwahrscheinlich. Heute erscheinen jedes Jahr Tausende Titel neu, viel mehr als zu Pippis Zeiten. Aber vielleicht ist eins dabei, das dann für Ihr Kind oder Enkelkind das besonderes Buch und sein liebster Schatz in den Kindheitserinnerungen sein wird. An das es denkt, wenn es erwachsen ist und das Wort „Kinderbuch-Klassiker“ hört und sich daran erinnert, wie Oma es ihm immer vorgelesen hat und wie es sich darauf freut, es schon den eigenen Kindern und Enkelkindern vorzulesen.

Bei uns in der Familie könnte es Kuschel sein, und ihr Tagebuch einer Killerkatze (Link noch einfügen, siehe Tagebuch einer Killerkatze). Eigentlich ein knappes Büchlein für Leseanfänger aber ein großartiges Katzenvieh, geschaffen von Axel Scheffler, die Geschichte ist lieb und voll von schwarzem Humor, in einer Hörbuchfassung gelesen von Mechthild Großmann und ebenfalls klasse. Die ganze Familie hat Kuschels Standardsatz „Ja, ja, hängt mich ruhig auf“ im Ohr und die Bücher werden auf jeden Fall aufgehoben. Für die Enkelkinder.

Haben Sie auch so einen Familienklassiker? Oder einfach ein Lieblingsbuch, dass für sie absolut klassikerwürdig ist? Dann schreiben Sie uns, wir freuen uns, wenn die Liste immer länger wird.

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