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Buchcover: Alexander Steffensmeier: Lieselotte bleibt wach

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Lieselotte bleibt wach von Alexander Steffensmeier

erschienen bei Sauerländer

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Es hat wohl jeder schon einmal erlebt, dass man im Bett liegt und partout nicht einschlafen kann. So geht es an diesem Abend auch der Kuh Lieselotte und auf der Suche nach Schlaf ist sie wahrlich erfinderisch …

Wie jeden Abend hat die Bäuerin den Tieren des Bauernhofs im Kuhstall eine Gutenachtgeschichte vorgelesen, nach der sich alle Tiere in ihre eigenen Ställe zum Schlafen zurückziehen. Bald schon ist es still auf dem Hof. Da bemerkt die Kuh Lieselotte, dass „sie eigentlich überhaupt nicht müde“ ist und umso munterer wird, je mehr sie versucht, einzuschlafen. Da wälzt sie sich hin und her, versucht, sich müde zu hopsen, zieht sich warme Socken an, trinkt einen beruhigenden Kräutertee und nimmt ein warmes Bad – jedoch ohne Erfolg.

Also beschließt sie, Schäfchen zählen zu gehen und da es auf dem Hof keine gibt, geht sie zur Ziege. Die ist schnell gezählt, auch gleich noch das Pony dazu, doch müde ist sie immer noch nicht. Also weiter zu den Schweinen. Da sie hier auch zwei Tiere zählt, bemerkt sie, dass es nicht verwunderlich ist, dass sie nicht einschlafen kann, denn schließlich ist sie alleine und alle anderen zu zweit. Also geht sie zur Bäuerin und darf sich diese Nacht ausnahmsweise zu ihr legen. Doch vor dem Bett ist es ihr zu hart, also schleicht sie sich nach und nach auf das Bett – erst der Schwanz, dann das Hinterteil und schließlich die ganze Lieselotte – bis das Bett zusammen bricht. Wütend verjagt die Bäuerin sie aus dem Schlafzimmer.

Im Flur fällt Lieselottes Blick auf das Telefon und kurz entschlossen wählt sie die Nummer des Postboten, um zu fragen, ob sie vielleicht bei ihm schlafen könnte. Als der Postbote nach dem dreißigsten Klingeln endlich verschlafen abhebt, hat Lieselotte vergessen, was sie eigentlich fragen wollte und legt den Hörer wieder auf. Zurück draußen auf dem Hof vernimmt sie friedliches Schnarchen aus dem Hühnerstall. Schnell wagt Lieselotte einen Blick und da es so gemütlich aussieht, überlegt sie, ob sie nicht vielleicht auch bei den Hühnern schlafen könnte? Doch, haaatschiiii, kitzeln sie der Staub und die Federn so in der Nase, dass sie mit einem lauten Niesen das Dach des Hühnerhauses davon pustet.

Schnell sucht Lieselotte das Weite und rennt zurück in den Kuhstall. Während sie dort auf die Geräusche der Nacht lauscht, schläft sie schließlich ein. Denn still ist es jetzt bei weitem nicht mehr: die Bäuerin, einmal wach, beschließt, sich einen Kaffee zu machen, als sie vom Postboten angerufen wird, der versucht heraus zu bekommen, wer so spät in der Nacht bei ihm angerufen hat. Ziege und Pony sind verängstigt und verbarrikadieren ihren Stall. Auch die Schweine wurden von Liesolottes Rastlosigkeit geweckt und können nun nicht mehr einschlafen, ebenso wie die nun heimatlosen Hühner. In all der hellen Aufregung und Umtriebigkeit liegt Lieselotte friedlich da und schläft. Bis zur nächsten Nacht …

Mit „Lieselotte bleibt wach“ hat Alexander Steffensmeier bereits das vierte Buch mit den Abenteuern der beliebten Kuh Lieselotte geschrieben und illustriert. Einmal mehr beweist er auch mit dieser amüsanten Geschichte seinen Humor und seine originellen Ideen. Denn was dieses und die anderen Lieselotte Bücher so wunderbar machen, ist die Vermenschlichung der Tiere in Gestik, Mimik und Handeln, die sich vor allem in unzähligen liebevollen illustrativen Details zeigt. Es ist nicht nur eine besonders schöne Vorstellung, dass die Bäuerin ihren Tieren Gutenachtgeschichten vorliest, als wären es die eigenen Kinder. Nein, darüber hinaus wird diese Verbindung zwischen Mensch und Tier noch weiter zugespitzt, indem auch die Tiere sehr menschlich handeln und menschliche Wesenszüge besitzen: so futtern zwei Hühner beim abendlichen Vorlesen an Lieselotte gekuschelt Popcorn, ein anderes Hühnerpaar strickt einen Schal und noch ein anderes sitzt mit einem Opernglas im Wasserkasten.

Details wie diese ziehen sich durch das ganze Buch und machen jede Seite zu einer kleinen Entdeckung. So gibt es auf dem Schuppen einen Mini-Hubschrauberlandeplatz, auf dem Bauernhaus eine kleine Fabrik, sitzt Lieselotte mit Badehaube, Schwamm und Badesalz im Zuber, haben die Küken im Hühnerstall Bilder wie im Kindergarten an ihrem Schlaffach und liegen die dritten Zähne eines älteren Huhns vor ihm im Glas, während es selbst mit Haarnetz im Nest sitzt. Nach dem Hühnerstall-Desaster nimmt ein Hühnerpolizist die Aussagen der Betroffenen zu Protokoll und ein anderes Huhn wird mit Blutdruckmessgerät ärztlich versorgt, während bereits im Flutlicht der Baustellenscheinwerfer ein neues Dach per Kran auf den Hühnerstall gehoben wird.

Die illustrative Detailfülle ist wirklich beeindruckend und macht das Buch zu einem kleinen Schatz mit Raum für immer wieder neue Entdeckungen. Die Illustrationen unterstreichen das Absurde der Handlung und sind somit eine wichtige humorvolle Komponente. Das menschliche Agieren der Tiere scheint selbstverständlich zu sein und gerade darin liegt der leise Witz, der auch für kleine Kinder bereits gut fassbar ist und sie zum Lachen bringt.

Ein Großteil der Illustrationen ist von einer angenehm bunten Farbigkeit, die das quirlige Leben auf dem Bauernhof unterstreicht. Vier Doppelseiten fallen jedoch aus dieser Farbigkeit heraus und sind vorwiegend in dunklen, nächtlichen Tönen gehalten.

Alexander Steffensmeier bedient sich in der Geschichte um die Kuh Lieselotte vor allem der Sprache der Bilder. Die textlichen Passagen sind kurz, einfach verständlich und in einer emotionalen und stimmungsvollen Sprache geschrieben. Die Leser erfahren aus ihnen die Geschichte aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers und können so auch sprachlich an den Gedanken und der Gefühlswelt aller Tiere teilhaben. Dabei beschränkt sich Steffensmeier im ersten Teil des Buches vor allem auf die Schilderung der Taten und Gedanken Lieselottes, um daran anschließend, sobald Lieselotte sich im Stall zurecht gekuschelt hat, auf die anderen handelnden Personen und Tiere einzugehen. Dadurch erlebt der Betrachter zunächst hauptsächlich Lieselotte ohne jedoch über die Folgen ihres nächtlichen Herumtreibens aufgeklärt zu werden. Der dadurch entstehende Spannungsbogen wird erst im zweiten Teil aufgelöst, wodurch die Geschichte nicht nur lustig sondern auch noch spannend ist.

Fazit:

Das Minenspiel, das Alexander Steffensmeier seinen Darsteller ins Gesicht zeichnet, ist einfach umwerfend komisch! Genauso witzig wie Geschichte einer schlaflosen Lieselotte, die erst dann in einen tiefen Schlummer fällt, als alle anderen wach sind. Zusammen mit den vielen, besonderen Details und den liebevollen Charakteren ein Bilderbuch, bei dem kein Augen trocken bleibt.

Claudia Goldammer

 

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