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Buchcover: Helen Stephens: Als Paula den Löwen vor Oma versteckte

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Als Paula den Löwen vor Oma versteckte von Helen Stephens

erschienen bei Atlantis

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Paulas Freund ist ein Löwe. Den hält sie meist versteckt, der Rest der Menschheit könnte es ja komisch aufnehmen …Also muss Paula ihren Löwen auch vor Oma verstecken, als die für ein Wochenende anreist, um auf Paula aufzupassen. Das klappt ganz gut. Oma ist kurzsichtig – und außerdem vollauf damit beschäftigt, selbst etwas vor Paula zu verstecken. Etwas – oder jemand? – in ihrem großen Schrankkoffer ...


Unsichtbare Gefährten und andere besondere Freunde kennen wir alle, wenn nicht aus unserem eigenen Leben, dann aus Büchern und Geschichten: Karlsson vom Dach, Pumuckl oder Mein Freund Harvey sind sozusagen die Klassiker. Lustige Geschichten, wenn auch mit einem gewissen getragenen Unterton: denn, wenn sich jemand einen Freund an die Seite fantasiert, dann stimmt da doch was nicht. Dann muss der doch unglücklich sein, womöglich gar verrückt, mindestens aber allein. Oder nicht?

Oder nicht. Das sagt zumindest die psychologische Forschung zu echten unsichtbaren Gefährten – die nach verschiedenen Studien ungefähr die Hälfte bis zwei Drittel der befragten Kinder haben, zumeist im sogenannten magischen Alter zwischen drei und sechs Jahren, in dem sie noch nicht klar unterscheiden zwischen Fantasie und Realität. Kinder mit dramatischen Problemen wie Verwahrlosung, Missbrauch oder Mobbing haben aber eher selten einen; sie haben oft einfach nicht die seelische Kraft, sich einen Fantasiefreund zu schaffen. In den allermeisten Fällen sind Fantasiefreunde einfach nur Spielgefährten, mit denen die Kinder viel Freude und Abwechslung haben.

So ist es auch bei Paula, die einen Löwen als Freund hat. Als Oma für ein Wochenende kommt, um auf Paula aufzupassen, muss er sich verstecken. Denn wer weiß, ob Oma einen Löwen im Haus nicht komisch findet. Das klappt dann auch ganz gut, denn erstens ist Oma kurzsichtig und zweitens scheint sie mit den Gedanken woanders zu sein und vollauf damit beschäftigt, selber etwas geheim zu halten – ihren Bären Bärnhard nämlich, den sie in einem großen Schrankkoffer versteckt hält. Am Ende treffen natürlich alle aufeinander und haben zu viert noch mehr Spaß.
Das ist auf wenige Worte reduziert die Geschichte. Zwischendurch passiert noch viel, allein die Sequenzen, in denen Paula den Löwen zu verstecken versucht, präsentieren sich auf mehreren Seiten; und allein über dessen Gesichtsausdruck könnte man Bände schreiben: beleidigt, als Paula ihn unters Bett stopft, schmunzelnd als Oma an ihm ihren Hut und ihre Jacke aufhängt oder ihn mit dem Sofa verwechselt, pikiert, als sie ihn als Handtuch benutzt. Oder total verblüfft als Bärnhard aus dem Schrankkoffer purzelt. Der selber schaut auch ziemlich überrascht. Aber dann, nach dem ersten Schrecken und weil er ein so freundlicher Bär ist, umarmt er treuherzig und verzückt seine neuen Freunde – und weil’s so schön ist und seine„ Oma gleich auch noch mal.

Ein paar Zeilen Text pro Seite ergänzen die Bildsprache um Gedanken von Paula, Gespräche zwischen ihr, Oma, dem Löwen und Bärhnhard und um eine paar Kleinigkeiten, die für das richtige Verständnis der Geschichte wichtig sind.

Der Heimlichkeit um die Löwe und Bär, mit der in der Geschichte gespielt wird, merkt man an, dass das Klischee über Fantasiefreunde im kollektiven Gedächtnis vorhanden sein muss: Von einem unsichtbaren Gefährten sagt man den anderen besser nichts, die könnten es komisch finden . …Was ja auch stimmt. Auch wenn wir Eltern, Erzieher oder Lehrer wissen mögen, dass Kinder mit Fantasiefreund weder krank noch verrückt noch unerträglich emotional belastet sind, kann das Thema im Alltag trotzdem schwierig sein: Man macht sich vielleicht doch Sorgen. Oder ist genervt, zu jeder Mahlzeit einen Teller mitdecken zu müssen für dieses Wesen oder Ausreden a la Das war ich nicht, das war der Löwe“ aufgetischt zu bekommen. Und immer wieder muss man Freunden und Verwandten erklären, wer der Löwe ist und dass das durchaus normal ist.
Deswegen ist Paula und ihr Löwe nicht nur eine schöne lustige Alltags-und-Tier-Geschichte, sondern durchaus auch passende Lektüre, wenn ein echter Fantasiefreund in der Familie oder in der Gruppe oder Klasse ein Thema ist, weil es das Kind ins Erzählen bringen kann und ihm helfen, sich mit den eigenen Gefühlen und Gedanken auseinanderzusetzen. Und uns Erwachsene auch.

Fazit:

Als Paula den Löwen vor Oma versteckte ist ein Buch für Omas und Enkel, für alle, die einen unsichtbaren Freund haben oder hatten, für Menschen mit Fantasie, Fans von Löwen im allgemeinen und vom „Glücklichen Löwen“ im Besonderen. Und insgesamt ein rundum gutes Kinderbuch, mit allem, was fast alle Kinder mögen: Tiere, Alltagsgeschehnisse, ein Kind als Identifikationsfigur, bunte Bilder und lustige Szenen. Und eine Hommage an die Kraft der Fantasie.

Sigrid Tinz, November 2014

 

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