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Buchcover: Tomoko Ohmura: Bitte anstellen!

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Bitte anstellen! von Tomoko Ohmura

erschienen bei Moritz

geeignet für Kinder im Alter ab 2 Jahren

in mein Bücherregal

Warten, warten, warten, wie oft am Tag muss man das im Kinderleben? Und immer ist es laaang-wei-lig. Warten – dass tun auch die fünfzig Tiere in diesem Buch, der Größe nach durchnummeriert vom Frosch über die Robbe bis hin zum Elefanten, geduldig in einer Reihe – und ihnen dabei zuzusehen ist ganz und gar nicht langweilig.

Warten ist eine klassische Situation im Kinderleben und der Klassiker unter den Wartesituationen ist: im Wartezimmer. Für ein Kind, das in fremdriechender Atmosphäre sitzt und nicht weiß wohin mit sich -vor Langeweile, Schmerzen oder juckendem Ausschlag oder nicht weiß, wohin mit seiner Angst vor dem was da noch alles kommen mag an Spritzen und gummibehandschuhten Ärztehänden – ist Ablenkung alles.

Ablenkung hilft, das ist nachgewiesen. Kinder, die Geschichten hören, haben weniger Angst und Schmerzen. Und zum Ablenken eignet sich wie fast immer im Leben ein gutes Buch. Die bei Ärzten ausliegenden Mein-Körper-und-das-passiert-beim-Kinderarzt-Klapp-und Aufklärungsbücher sind da gar nicht mal soo hilfreich.

Erstens sind sie oft einfach schlecht: biedere Gesundheitsbroschüren-Sprache auf das heruntergebrochen, was wohlmeinende Krankenkassenfunktionäre für Kleinkind-Niveau halten. Und auch wenn das Buch gut ist: wird unser Kind mitten in der Lektüre aufgerufen, vielleicht an der Stelle, wo der kleine Junge noch verängstigt und verzweifelt weinend im Wartezimmer sitzt, wird es nie erfahren, dass im Behandlungszimmer ein freundlicher Arzt wartet und alles gut wird. Aufklärung ist gut und wichtig, keine Frage, braucht allerdings Zeit und Raum und findet am besten mal zu Hause in Ruhe. Auch wir mündige erwachsenen Patienten wollen im entscheidenden Moment auch einfach nur noch hören, dass es nicht wehtun und alles gut gehen wird.

Ablenkung also: perfekt dafür ist dieses Buch mit dem Titel Bitte anstellen! Klar ist, die Thematik streift den Anlass durchaus, geht es doch ums Warten. Aber dann ist die Wartesituation auch schon vergessen, und man ist mitten in der Geschichte: 50 Tiere stehen Seite um Seite hintereinander, durchnummeriert vom Frosch auf der ersten Seite mit der Nummer 50 bis zum Elefanten ganz am Anfang der Schlange mit der Nummer 1. Auf jeder Doppelseite sind jeweils immer eine Handvoll zu sehen, zu zählen, zu benennen. Und wie in einer echten Warteschlage sind da nervende Kleine, die wissen wollen wann sie endlich da sind, genervte Große, die um Ruhe flehen; andere versuchen die Stimmung aufzulockern und sich die Zeit zu vertreiben, die Hyäne spielt „Guckuck und Weg“ mit dem greinenden Kängurubaby, Waschbär und Fuchs vertreiben sich die Zeit mit Hochsprungwettbewerben, Hund und Affe wetten, wer wohl gewinnen mag. Panda, Hirsch und Gorilla spielen Wörterstrecke: Häschenschule-Schulkinder-Kindergeburtstag-Geburtstagstorte, Kamel und Krokodil gäääääähnen &.

Die Tiere sind benannt und durchnummeriert, dazu gibt es kleine Sprechblasendialoge, mehr Text ist es nicht. Man kann es nicht in einem Rutsch durchlesen, muss es aber eben auch nicht. Sondern kann unterbrechen, um die Fahrkarte zu zeigen, beim Kellner Essen zu bestellen, mit dem Friseur zu besprechen, ob hier oder nach noch kürzer oder fransiger. Und man kann jederzeit aufhören, wenn das Essen kommt oder die Ausstiegshaltestelle. Denn natürlich eignet sich das auch für alle anderen Wartesituationen, ob beim Frisör, im Zug, im Restaurant.

Schön natürlich, wenn man die Tierschlange bis zum Schluss – oder besser bis zum Anfang – schafft: da geht’s rund, auf einer Aufklappseite erfahren wir, worauf alle so geduldig-ungeduldig warten: Wellenreiten-Hüpfen-Springen auf dem Rücken von Tier Nummer 51, einem riesigen Wal.

Und wenn es mal wieder etwas länger dauern sollte, dann stellen wir uns auch gerne nochmal zum Frosch ganz hinten in die Schlange und fangen das Buch von vorne an. Es bietet sich genauso gut an, sich Zeit zu nehmen, in die Situationen einzutauchen und mit eigenen Erlebnissen zu vergleichen; man kann die Spiele nachspielen und variieren und sich neue ausdenken: „Ich sehe was, was du nicht siehst“, „Teekesselchen“, „In meinen Koffer packe ich“. Man kann den Tieren Namen geben, ihre Geräusche nachmachen, überlegen, welche man schon in echt gesehen hat. Und bei jedem Durchgang entdeckt man in den klaren, bunten Bildern neue Details und zählt vielleicht auch mal beim Krokodil die Zähne. Bis man dran ist, tatsächlich oder erst mal nur im Buch, beim großen Finale, dem wilden Karussellritt auf dem Wal.

Fazit:

Die fünfzig Tiere in diesem Buch warten und warten und warten – genauso ungeduldig, gelangweilt, genervt und aufgekratzt wie Kinder es tun würden. Und den Kindern wiederum macht es großen Spaß, den bunten Haufen – oder besser: die bunte Reihe – zu betrachten, zu benennen, zu zählen. Wieder und wieder, bis sie dran sind oder da und natürlich auch einfach so. Langeweile kommt da jedenfalls nicht auf. Und damit ist dieses zeitlose und genderneutrale Buch der perfekte Klassiker für den „Nerv-Klassiker“ des Alltags: Wartesituationen

Sigrid Tinz

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