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Buchcover: Konrad Utz: Geschichten von Drache und Bär

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Geschichten von Drache und Bär von Konrad Utz

erschienen bei Sauerländer

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Kinderbuch des Monats [08.2006]. Wir kennen sie alle, die allerdicksten Freunde: Tiger und Bär, Stanley und Laurel, Catweazle und seine Kühlwalda oder Maja und Willi… nun haben wir zwei echte Originale hinzubekommen, die die Herzen der Kinder im Sturm erobern werden: Der Drache Nurmi (Numitra Akaschang Agniradscha Kanyaprema Sadar Budhiman Bahadur, der Drache!) und der Bär (der auch einfach nur „Bär“ heißt). In so manchen Dingen sind sie sehr verschieden, doch in vielem sind sie sich einig und das vor allem in einer Sache: Sie sind die allerbesten Freunde!

Der Bär sucht eine neue Höhle und als er eine findet, fragt lieber vorsichtig, ob da wer ist. Als der Drache ein freundliches „Hallo“ rufen will, ist auch schon das Fell des Bären versengt. Denn der Drache hat ausversehen dabei Feuer gespuckt – das passiert schon mal. Und so lädt der Drache den Bären erst einmal in seine Höhle ein; zur Wiedergutmachung, zum Waldmeisterbrause trinken und um mit dem Bären ein wenig Bekanntschaft zu machen. Beide stellen fest, dass ihnen beiden zum Glück etwas fehlt: Dem Drachen fehlt ein echter, unermesslich wertvoller Schatz (denn seine paar Habseligkeiten von ein ein paar Cents und einigen Murmlen nehmen sich eher bescheiden aus) und dem Bären fehlt immer noch eine wirklich schöne Höhle – mit Tropfsteinambiente und geräumiger Decke mit Blick in den Himmel. Sie wollen sich gegenseitig helfen. Der Drache hilft dem Bären, eine schöne Höhle zu finden und der Bär verspricht dem Drachen, ihm bei der Suche nach einem echten, unermesslich wertvollen Schatz zu helfen. Und schon nimmt das erste Abenteuer seinen Lauf.

Als sie am Ende ihrer Suche beides finden, die Höhe und den Schatz noch dazu, da sieht die Welt aber plötzlich anders aus, denn Nurmi, der Drache und Bär, der Bär, wollen lieber zusammen in der Höhle von Nurmi bleiben. Damit ist die Freundschaft besiegelt. Und die ungewöhnliche Wohngemeinschaft erlebt ihn ihrem Alltag so manches, das spannend, komisch und auch rührend ist. Rührend ist zum Beispiel, wie der Drache so lange übt, „richtig“ Rauch zu machen, bis er weiß, wie er den Bienenstock einräuchert, ohne ihn abzubrennen – so kann der Bär schließlich in aller seelenruhe seinen Honig schlecken. Und wir lernen: „Denn das ist echte Freundschaft, wenn einer etwas Neues lernt für seinen Freund.“ Schließlich soll der Bär dem Drachen helfen und er opfert seinen geliebten Honig, den er über den Ritter auskippt, damit er sich eindlich einmal baden muss (denn dann schickt ihn die angebetete Prinzessin nicht noch einmal fort, um Drachen zu jagen – weil er so stinkt, der Ritter). Und wir lernen auch: „Denn das ist echte Freundschaft, wenn jemand hergibt, was er am liebsten hat.“

Und da ist noch die Geschichte mit dem Hut, „denn ein Hut ist gut“, wozu, erfahren wir durch die anstrengenden Erlebnisse des Bären. Auch die Sache mit dem großen und dem kleinen Bären am Himmel sowie die Hintergründe der Erfindung des Raclettes sind einfach köstlich!

Mit Wonne könnte ich noch so manches Abenteuer der beiden beschreiben, denn allesamt sind sie wirklich gelungen. Sie lehren einfühlsam, dass auch „Große“ ganz schöne Angst vor kleinen Dingen haben können oder sie schildern den Alltag der beiden, in dem ihre Frotzeleien untereinander einfach spaßig sind. Da wäre nämlich beispielsweise die Sache mit den Flöhen. Der Drache ahnt nämlich schon lange, warum der Bär sich so viel kratzt. Der Bär leugnet das natürlich. Er will nämlich nicht baden. Doch Nurmi wäre nicht Nurmi, wenn er das kleine Problem nicht lösen könnte. Und der Bär wäre nicht Bär, wenn er seinem Freund nicht helfen würde, Nurmis Auffassung vom „Ausleihen“ sowie die damit verbundenen Folgen mit einer gehören Portion Schlitzohrigkeit wieder auszubügeln.

Die Leidenschaften der beiden sind sehr verschieden. Der eine liebt Honig – das ist ganz klar der Bär – aber der andere hat besonders großen Appetit auf Prinzessinnen – naja, er ist eben ein Drache. Doch sie wären keine Freunde, wenn sie sich auch in diesen Dingen nicht auch unterstützen würden. So ist der Bär, gutmütig wie er ist, ehe er sich´s versieht schon dabei, eine Prinzessinnenfalle mit dem Drachen zu bauen. Eine sehr eigenwillige Falle, die direkt im Maul des Drachen endet. Dieses Ende, nämlich der Drache, hat aber letztlich Maulsperre und die Prinzessin hat irgendwie alles ganz falsch verstanden…

Auf wunderbar unbeschwerte Weise schildert Konrad Utz in seinen elf kurzweiligen Episoden vom Leben der beiden Individualisten. Dabei strotzen seine Geschichten nur so vor Fantasie. Und es zeigt sich immer wieder seine herausragende Begabung, die vielen witzigen Details seiner Geschichten zu einem überraschenden Plot mit wahrem „Aha-Effekt“ zu verknüpfen. Diese sind von einer derart unwiederlegbaren, kindlichen Logik, dass es selbst uns Erwachsenen in Erstaunen versetzt. Doch was die Geschichten noch unwiderstehlicher macht, ist ihr liebevoller Unterton. Dabei ist in Nurmis und Bärs Welt nichts unmöglich – nicht einmal der Flug zu Mond. Der ist natürlich nicht aus Honig, sondern aus Käse und wie so häufig, finden wir auch hier die knappen – und eben liebvollen – Anmerkungen des Autors, die ein wenig klingen, als würde er dabei mit den Achslen zucken. So weiß ja jeder, dass der Mond aus Käse ist, aber was hat es für einen Sinn einen Bären, der versessen auf Honig ist, vom Gegenteil zu überzeugen? Gutmütig, herzlich und humorvoll sind unsere beiden Helden. Sie kennen einander schon sehr gut und wissen, wann es keinen Sinn macht, mit dem anderen zu diskutieren – vor allen Dingen wenn es um Prinzessinnen oder Honig geht.

Die kleinen philosophischen Schätze, die Konrad Utz in seine Geschichten gekonnt einflechtet überraschen nicht. Denn Konrad Utz, derzeit Gastprofessor für Philosophie in Fortaleza (Brasilien), studierte katholische Theologie und Philosophie in Tübingen und in Pune (Indien). Konrad Utz verzichtet dabei ganz auf kitschige Freundschaftsbekundungen der beiden Helden oder auf moralische Unterstreichungen seiner wunderschön klaren und kindgerechten Philosphie. Und wenn er etwas klarstellt, so stets auf eine wohltuend gelassene, humorvolle Weise, die Kinder ernst nimmt und ihnen zutraut, die Dinge selbst zu erkennen.

Die s/w-Illustrationen von Daniel Napp, selbst Kinderbuchautor und ein vielfach ausgezeichneter Illustrator, könnten nicht besser auf unsere Helden zugeschnitten sein. Sie spiegeln dieselbe Leichtigkeit wieder, die auch die Geschichten auszeichnet. Mit kräftiger Schraffur und der unwiderstehlichen Mimik der Darsteller sind sie allein oft schon der Garant für ein herzliches Lachen. Es ist schon erstaunlich, wie es Daniel Napp gelingt, mit den wenigen Strichen so viel an Körpersprache und Mimik der beiden wiederzugeben.

Und weil der Abschied am Ende doch ziemlich schwerfällt, schenkt uns Konrad Utz noch ein Bären- und ein Drachenlied. – Aber wir hoffen doch, dass wir noch mehr Abenteuer vom Drachen Nurmi und dem Bären zu lesen bekommen.

Fazit:

Sie sind einfach herrlich, die Geschichten von Drache und Bär! Es hat das Potential zu einem echten Lieblingsbuch, das ich nicht nur Freunden von Märchen und Abenteuern wärmstens ans Herzen legen kann. Sie sind auf so besondere Weise humorvoll und gut erzählt, dass man nur hoffen kann, dass Konrad Utz nach seinem ersten Kinderbuch noch viele weitere folgen lässt.

Stefanie Eckmann-Schmechta


Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

silvia tell meint:
Mein Sohn hat nach der zweiten Geschichte erklärt, dass es ihm nicht reicht, das Buch aus der Bücherei auszuleihen, er möchte es selbst haben, damit er es gaanz oft vorgelesen bekommen kann!
Gibt es eine Fortsetzung davon?
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