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Buchcover: Jakob Wegelius: Sally Jones - Mord ohne Leiche

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Sally Jones - Mord ohne Leiche von Jakob Wegelius

erschienen bei Gerstenberg

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*
Nach Sally Jones: Eine Weltreise in Bildern aus dem Jahr 2009, erzählt die kluge Gorilladame ein weiteres spannendes Abenteuer – ein Abenteuer und ein Krimi zugleich, denn obwohl es keine Leiche gibt, wird ihr „Chief“ bester Freund Henry Koskela wegen Mordes verurteilt. Sally verliert alles, ihr Heim – die „Hudson Queen“ – ihren Freund und damit ihre Sicherheit. Zu allem Überfluss wird Sally noch gesucht. Nirgendwo ist sie noch sicher, noch will ihr jemand helfen. Bis sie sich schließlich Ana anvertraut ...

Am Ende des sehr turbulenten ersten Abenteuers – mit dem zum Teil schweren Schicksal – hat Gorilladame Sally Jones endlich ihren Platz in der Welt gefunden. Und zwar an der Seite des gutmütigen und sehr fähigen Seemannes Henry Koskela. Der Finne schätzt seine Maschinistin sehr und die beiden sind auf ihrer „Hudson Queen“, einem kleinen Dampfschiff, sehr glücklich. Doch dann stranden sie in Lissabon, sie erhalten keinen neuen Auftrag und müssen abwarten. Das Geld geht ihnen aus und sie übernehmen Gelegenheitsarbeiten, um sich über Wasser zu halten. Dann kommt eines Tages ein junger Mann in ihre Stammkneipe und bietet ihnen ein verlockend lukratives Geschäft an. Doch sowohl Koskela als auch Sally Jones ist nicht ganz wohl dabei. Als sie weitab im Landesinneren, in der der Finsternis die eigentümliche Ladung laden sollen, weigert sich Koskela. Doch die offensichtlichen Verbrecher bedrohen den Kapitän und zwingen ihn zum Transport. Da es stockfinster ist, läuft die „Hudson Queen“ auf Grund und schlägt leck. Die Ladung – Waffen – explodiert und das Schiff sinkt. Koskela und Sally Jones können gerade noch fliehen.

Auf dem Weg zur nächsten Polizeiwache lauert ihnen der junge, nervöse Mann wieder auf. Es ist Alphonse Morro, der den „Chief“, wie Sally Jones ihren Kapitän Koskela liebevoll nennt, mit einer Pistole bedroht. Doch Morro bringt es nicht über sich zu schießen und flieht. Als Koskela ihm nachsetzt, um ihn zur Rede zu stellen, stürzt dieser in den Hafen und verschwindet in den Fluten. Die angeblichen Zeugen behaupten, Koskela habe den Mann geschlagen und dann in das Hafenbecken gestoßen. Der Chief wird verhaftet und Sally Jones muss um ihr Leben rennen, denn einer ganze Horde Verfolger ist ihr auf den Fersen, die den Affen tot oder lebendig einfangen will. Angeblich ist Sally Jones ein gemeingefährliches Tier. Sally versteckt sich mehrere Tage auf einem vor Taubendreck starrenden Dachboden, bis sie endlich Vertrauen zu Ana Molina fasst, die jeden Abend so wunderschön am offenen Fenster singt. Sie nimmt Sally Jones auf und begreift schnell, wie klug die Gorilladame ist. Auch Signor Fidardo – der Instrumentenbauer – begreift das letztendlich, trotz seines anfänglichen Missfallen. Die drei werden Freunde – eine kleine verschworene Familie. Sie sind füreinander da und beide Menschen merken, dass Sally Jones großen Kummer hat. Sie nehmen Kontakt zu Henry Koskela auf, der zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt wurde. Nach und nach lüften Ana und Signor Fidardo Sally Jones Geheimnis. Als durch ein Zufall herauskommt, dass Alphonse Morro doch noch am Leben ist, weiß Sally Jones, dass sie ihn suchen muss, um die Unschuld des Chiefs zu beweisen. Ihre Reise führt sie schließlich bis nach Indien zu einem mächtigen und reichen Maharadscha. Nicht freiwillig, denn viele Menschen wollen Kapital aus dem klugen Affen schlagen und haben keinerlei Skrupel dabei. Und so kommt es, dass Sally Jones an den Maharadscha verschenkt wird. Auch hier – wie auch unterwegs – gibt es zahlreiche Feinde, die dem klugen Gorilla auf sehr niederträchtige Art schaden wollen. Doch der Maharadscha ist nicht dumm und sieht das Potential in Sally Jones. Und schon bald werden sie Freunde, nicht dass der eitle Patriachat das jemals zugeben würde, doch er genießt ihre Gesellschaft sehr. Sie spricht nicht, aber sie versteht alles. Und sie kann alles – sogar Flugzeuge reparieren …

Währenddessen – wie es der Zufall so will – ist Ana eine berühmte Sängerin geworden und hat sogar eine Schallplatte aufgenommen. Der Maharadscha ist hingerissen von ihrem Gesang und will die Sängerin unbedingt kennen lernen. Er lädt sie zu sich in den Palast ein. Sally Jones ist glücklich und hofft, endlich wieder nach Hause zu können – und will vorher mit Ana Alphonse Morro suchen, ihre Gefangenschaft beim Maharadscha hatte das zuvor unmöglich gemacht. Doch sowohl die Heimreise als auch der Beweis liegen zunächst in weiter Ferne. Sally Jones ist verzweifelt …

Der schwedische Autor Jakob Wegelius hat nach seinem ersten Buch über die Gorilladame Sally Jones ein weiteres, großartiges Abenteuer aufgelegt. Dieses Mal erzählt Sally Jones, was ihr widerfahren ist und schreibt dies auf ihrer Schreibmaschine auf der „Hudson Queen“ nieder. Ein paar Details aus dem ersten Buch fließen durchaus ein; Sally Jones erklärt vieles kurz, daher muss man den ersten Band nicht kennen, um in dieses neue Abenteuer zu finden. Wieder hat der Autor das Buch mit zahlreichen, wunderbaren Tuschezeichnungen ausgestattet, aber das stattliche Buch – immerhin 620 Seiten dick – ist dieses Mal keine Geschichte in Bildern, sondern ein echter Roman. Und was für einer! Die unglaubliche Geschichte spielt etwa in der Kolonialzeit – in der es noch Dampfschiffe gab und eben britische Kolonien in Indien – diese Kulisse bietet eine schöne, irgendwie auch zeitlose Atmosphäre und lässt die Geschichte umso abenteuerlicher auf uns wirken. Es ist gar nicht so leicht, diesen wechselhaften und voller Details steckenden Inhalt wieder zu geben. Sally Jones muss so viele Begebenheiten, Begegnungen und „Stromschnellen“ überbestehen, dass es schwer fällt, all das in knappen Worten zusammen zu fassen. Doch eins steht fest: Sally Jones verändert mit ihrer Freundschaft das Leben vieler Menschen, denen sie ihr Vertrauen schenkt – auf ganz und gar positive Weise! So sorgt sie – nur um ein Beispiel zu nennen – auf ihre unnachahmliche aber absolut friedliebende Art dafür, dass der furchtbare „Verlobte“, der Ana immer wieder schlägt, von einem auf den anderen Tag verschwindet. Und macht Signor Fidardo – eigentlich ein ziemlich eigenbrötlerischer, alter Mann – glücklich, weil sie ihm in der Werkstatt nicht nur Gesellschaft sondern auch fachkundige Unterstützung leistet. Voller lebendiger Details über den Maschinen- oder Instrumentenbau hat man das Gefühl, dass da wirklich jemand erzählt, der sich auskennt – aus dieser Zeit und unter den damaligen Bedingungen. Und wenn man ohnehin immer etwas Fernweh hat, dann unterhält der Roman bereits durch seine atmosphärischen Beschreibungen von Lissabon oder anderen weit entfernten Orten dieser Welt. Ein wenig schaut Wegelius auch auf die Schwächen seiner Darsteller und entlarvt die Eitlen und Geldgierigen ebenso, wie er es geschickt hinbekommt, dass man zusammen mit Sally Jones immer wieder überrascht sein darf. Denn lebensklug ist das, was Sally Jones erzählt, noch dazu.

Wegelius lässt seiner Geschichte Zeit, sich zu entwickeln und dazu gehört auch der Alltag, der wieder in Sally Jones Leben Einzug hält. Das ist wohltuend und ich finde es immer wieder schön, wenn ein Autor es schafft, viele kleine Ereignisse so zusammen zu bringen, dass sich schließlich alles zum Guten fügt und die Protagonisten ihr persönliches Glück finden, ganz neben dem Hauptthema. Etwas Glück, Geborgenheit und aufrichtige Freundschaft auf dem Weg ist auch eine Verschnaufpause für die Leser/innen und das lässt sie noch tiefer in Sally Jones´ Geschichte gleiten. Weil sie einfach sehr menschliche, wenn auch skurrile Charaktere hervorbringt. Die, mal liebenswert, aber auch mal bösartig, die Geschichte glaubhaft und lebendig machen.

Und Sally Jones – die Hauptperson dieses Abenteuer-Kriminalromans – kennt die Menschen gut; aber sie ist niemals bösartig, egal wie schlecht sie sie bisher behandelt haben mögen. Und da gibt es einige. Sie aber ist klug und besonnen und kann sich ihre größten Neider auf intelligente Weise vom Leib halten. Auch wenn die Erzählweise von Wegelius eher ruhig und besonnen wirkt, schließlich ist dies Sally Jones´ Naturell, gibt es immer etwas, das man unbedingt in Erfahrung bringen muss. Wofür man Sally im Auge behalten will, wissen will, dass es doch am Ende noch gut ausgeht. Ich habe die Art, wie Wegelius erzählt, sehr genossen. Die Sprache ist ein wenig der damaligen Zeit um 1900 angepasst, wirkt aber nicht altbacken, sondern eher so, wie sie für einen echten Abenteuerschmöker sein soll. Ausdrucksstark, bildreich und reich an Eindrücken. Die Sätze sind geradlinig, kaum verschachtelt und meist knapp gehalten. Das macht den Text sehr leicht zu lesen und dennoch büßt er nichts an Spannung, Dramatik oder Emotionalität ein. Im Gegenteil.

Sein Roman eignet sich mit seinen zahlreichen Kapiteln daher auch sehr gut zum Vorlesen – sogar für ältere Zuhörer/innen, da kann man sich sehr gut abwechseln und austauschen. Denn es ist immer wieder verblüffend, welche Wendung die Geschichte nimmt und wohin es Sally Jones – die so mutig und treu für ihren Chief kämpft – in die Welt treibt.

Stimmungsvoll wird dies alles durch die schönen Illustrationen von Wegelius auch in Szene gesetzt. Angefangen von der wunderbaren Weltkarte auf dem Vorsatzpapier, die sich auf der letzten Umschlagseite noch fortsetzt. Hier sieht man die Route, die Sally Jones bisher genommen hat – das erste Abenteuer eingeschlossen. Das finde ich sehr informativ, denn zwischendurch ist es gut, sich noch einmal auf dem Globus zu orientieren. Sehr gut zur Orientierung dienen auch die ganzseitigen Portraits der Hauptdarsteller auf den ersten Seiten, bevor die Geschichte beginnt. Hier kann man immer wieder zurückblättern und sehen, wer nun wer ist. Zu Anfang eines jeden Kapitels, dessen Überschrift die nächsten Geschehnisse zusammenfasst, gibt es jeweils eine entsprechende Illustration. Zusammen mit dem schönen, geheimnisvollen Cover hat es alles, was ein echter Schmöker braucht. Und die Reise mit Sally Jones lohnt sich – unbedingt!

Fazit:

Der Abenteuerroman über die Gorilladame Sally Jones ist wahrlich ein Abenteuer und ein Krimi! Aber es geht auch um Freundschaft, Gerechtigkeit und Mut. Einmal angefangen, kann man mit diesem Abenteuer voller überraschender Wendungen nicht mehr aufhören und man will es auch nicht – besonders wegen Sally Jones. Weil sie so liebenswert ist und weil Jakob Wegelius ihr eine sehr angenehme und berührende Erzählstimme verleiht. Ein Buch, das alle Abenteurer ab 10 Jahren begeistern wird.

Stefanie Eckmann-Schmechta, Oktober 2016

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