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Buchcover: Monika Weitze: Edith und das Monster

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Edith und das Monster von Monika Weitze

erschienen bei Bohem Press

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 4 Jahren]

Wer das erste mal „Edith und das Monster“ von Monika Weitze in der Hand hält, wird vorschnell „nur“ eine freche, nette Erzählung über ein kleines Mädchen und ein schwarzes, struppiges Monster vermuten. Weit gefehlt, denn diese Monster-Geschichte aus dem Hause bohem press liefert mehr Erziehungsberatung als so mancher „pädagogische Ratgeber“ – nicht für Kinder, für Sie liebe Eltern…

„Eines Morgens sah Edith zwischen ihren Pullovern ein kleines Monster sitzen.“ Ohne große Vorgeschichte oder Einleitung stehen wir schon mittendrin in Ediths Zimmer. Hier begegnen sich Edith und das Monster und beginnen sich in einem ersten Dialog kennen zu lernen. Edith gibt dem Monster auch gleich einen Namen – Paulchen – und auf den folgenden Seiten erleben wir Edith, wie sie das Monster umsorgt, es hegt und pflegt. Das Monster ist immer sehr hungrig und benötigt reichlich Nahrung. Edith muss also für regelmäßigen Nachschub sorgen. Dieser auffällig erhöhte Lebensmittelverbrauch verwundert Ediths Mutter, die sich damit an Ihren Zeitung lesenden Mann wendet, der allerdings nichts Besorgnis erregendes im Verhalten von Edith entdecken möchte: „Das ist wahrscheinlich ein Wachstumsschub“.

Das Monster wächst und wächst, Edith zieht es regelrecht groß. Natürlich braucht das immer größer werdende Monster auch immer mehr Nahrung und wieder wendet sich die Mutter an Ihren Mann. In der zweiten Begegnung erleben wir auch die ersten Disharmonien zwischen den beiden, nachdem Ediths Mutter ihren Mann anspricht und er wieder nur eine lapidare Antwort gibt. Doch Ediths Mutter beginnt keine vertiefende Diskussion und wendet sich stattdessen der Hausarbeit zu. Selbst als Ediths Mutter das Monster in Ediths Zimmer entdeckt und ihrem Mann davon berichtet, zeigt er kaum eine Reaktion – und auch sie widmet sich daraufhin der Bügelwäsche.

Eines Tages aber ist die Verzweifelung der Mutter so groß, dass sie aufgelöst im Bett neben ihrem Mann sitzt. Erst jetzt legt er seine Zeitung zur Seite und hört seiner Frau zu. Gemeinsam schauen Sie sich daraufhin das Monster in Ediths Zimmer an und wissen, dass sich nun etwas ändern muss. Sie beginnen endlich wieder miteinander zu reden.

Am folgenden Tag verlässt das Monster schließlich das Haus, da es zu groß geworden ist und hinterlässt ein zerstörtes Treppenhaus. Edith ist sehr traurig, doch Ihre Eltern trösten sie als sie von der Arbeit kommen und erzählen ihr auch von den gemeinsamen Gesprächen und versprechen ihr, dass sie von nun an mehr Zeit miteinander verbringen werden.

Die Geschichte von Monika Weitze präsentiert zwei unterschiedliche Handlungsebenen, in denen sich die jeweiligen Hauptdarsteller zunächst nicht begegnen. Da sind zum einen die Eltern: den Vater erleben wir Zeitung lesend, jeden Ansatz von Kommunikation im Keim erstickend. Die Mutter erkennt zwar die wachsenden Probleme, flüchtet aber noch in Ihre Haushaltspflichten. Und da ist Edith, die ihre eigene Welt konstruiert – ja konstruieren muss, da sie bei ihren Eltern kein Gehör findet und es keine Gemeinsamkeiten und Gespräche mehr in der Familie gibt. Das schwarze Monster repräsentiert entsprechend die wachsende Problematik in der Familie.

Monika Weitze hebt in ihrer Geschichte in keinem Moment den Zeigefinger, wir Eltern werden uns ganz sicher auch so angesprochen fühlen und wünschen uns nur zu gern, uns nicht allzu sehr in dem Verhalten der Eltern zu erkennen. Stattdessen gelingt der Autorin in einem wirkungsvollen Spannungsbogen, die Erzählung von Anfang bis Ende stets mit einer gewissen Portion Leichtigkeit und Humor zu versehen und sie dennoch geschickt mit der nötigen Ernsthaftigkeit auszustatten. So bleibt „Edith und das Monster“ das, was es ist – ein Kinderbuch, mit spürbarem Tiefgang zwar aber ohne jede Schwere. Das ist teilweise auch den sehr dynamischen Illustrationen von Lucia Scuderi zu verdanken, die mit kräftigen Strichen und flächiger Kolorierung auch einen Hauch von Kinderzeichnung versprühen, dabei aber manchmal durch ihre grobe Struktur und die teils dunkle Farbgebung etwas distanziert erscheinen.

Edith und das Monster wirken als Charaktere immer sympathisch und freundlich, die beiden haben Spaß zusammen und sind am Ende auch traurig, dass sie sich trennen müssen, wenn gleich die zuhörenden Kinder sicher verstehen werden, daß das Monster am Ende viel zu groß ist und es dafür von nun an in der Familie wieder viel schöner wird. Die Eltern von Edith wirken anfangs etwas befremdlich in ihrer Erscheinung, das liegt vor allem an der Mimik und den Körperproportionen, die ihre ganz eigene Betonung erhalten. Erst passend zum Ende der Geschichte löst sich der befremdliche Ausdruck und auch die Eltern passen sich nun der harmonischen Stimmung an.

Jüngere Kinder werden schwer die eigentlichen elementaren Aspekte und Zusammenhänge der Geschichte erkennen und so eignet sich „Edith und das Monster“ als schnelle und einfache Unterhaltung nur bedingt.

Allen Eltern und Erzieherinnen, die das Interesse oder einen Anlass haben sich gemeinsam mit den Kindern dem Thema Familie in dieser Form zu nähern, wird dieses Buch genügend anregenden Gesprächsstoff bieten, ein motivierender Begleiter sein und nicht zuletzt eine Erinnerung darstellen warum wir Kinder haben, nämlich um für sie da und ihnen nahe zu sein.

Nun, wie geht die Geschichte aus? Ediths Mutter möchte beim Abendbrot gleich von Edith wissen: „Versprich mir, dass du nie wieder ein Monster züchtest.“ Die Antwort von Edith ist eindeutig: „Mal sehen.“ – denn an ihr liegt es nicht allein und das zerstörte Treppenhaus mahnt vor zu schnellem Vergessen.

Fazit:

Monika Weitze liefert uns, den Eltern, in einer eindrucksvollen Erzählung unser alltägliches Monster ins Haus und Kindern eine Geschichte über ein Monster, dass nicht nur nett ist, sondern auch viel verändern kann, wenn es nur gesehen wird… Viele von uns wird dieses Buch sicher motivieren den eigenen Alltag einmal etwas kritischer zu betrachten, die Familie wieder als starke Gemeinschaft zu sehen und den einen oder anderen Tag vielleicht ein wenig kindgerechter zu gestalten. Das wäre dann sicherlich auch das größte Lob für die Autorin.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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