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Buchcover: Ronan Badel: Der faule Freund

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der faule Freund von Ronan Badel

erschienen bei Peter Hammer

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

Grün, Grün, Grün – der Einband, der Innendeckel, die Grundfarbe der ganzseitigen Illustrationen. Grün wie der Regenwald, in dem die Geschichte spielt. Auf einem der Baumriesen hoch oben im Blätterdach treffen sich vier Freunde: Faultier, Schlange, Vogel und Frosch. Während die anderen Karten spielen, baumelt das Faultier schlafend am Ast. Es schläft so tief, fest und entspannt, dass es sich nicht mal dann rührt, als der Baum gefällt und auf einen Holzlaster geladen wird …

Faultiere tragen auf den ersten Blick ihren Namen zurecht. Aber in echt stimmt es nicht so ganz: sie leben einfach sehr energiesparend. Sie bewegen sich deshalb nur langsam und bedächtig, sie schlafen viel, 20 Stunden am Tag. Was auch nicht ganz stimmt: dass Faultiere niemals den Baum verlassen, auf dem sie leben, schlafen, essen, sich paaren und Junge bekommen, selbst tote Faultiere halten sich weiter fest an ihrem Ast fest. In echt wechseln sie zu einem neuen Baum, wenn der alte leergefressen ist und generell steigen sie alle ein, zwei Wochen herab, weil sie mal für kleine Faultiere müssen. Und sie sind strikte Einzelgänger.

Insofern ist das Faultier in diesem Buch kein „echtes“: es hat Freunde – eine geringelte Schlange, einen Vogel mit einem sehr großen Schnabel und einen dicken Frosch mit roten Punkten. Und es ist wirklich faul! So dass es tatsächlich nichts merkt, als der Baum, auf dem es schläft und auf dem die anderen gerade Karten spielen, gefällt wird: der Urwaldriese kippt, das Faultier kippt mit; der Stamm wird vom Holzfäller auf den Laster geladen, das Faultier, mit festem Griff an seinen Ast gekrallt, natürlich ebenfalls. Schlange, Frosch und Vogel flüchten erst panisch, dann schauen sie erschrocken zu, was da passiert. Und die Schlange beschließt zu handeln: während der Holzfäller noch sein Werkzeug sortiert, klettert sie auf den Anhänger, macht sich lang und dünne zwischen den Stämmen. Dann braust der Laster los: fährt über schwankende Hängebrücken, durch reißende Flüsse – das Faultier schläft entspannt und tief weiter, festgeklammert an seinen Ast, der Schlange wird bei der wilden Tour durch den Regenwald himmelangstundbange. Und dann, als der Laster eine steile Uferböschung hochprescht, passiert es: der Stamm gerät ins Rutschen, fällt vom Anhänger und stürzt in den reißenden Fluss. Mit der Schlange und dem schlummernden Faultier. Wird von Krokodilen verfolgt und steuert schließlich auf einen gigantischen Wasserfall zu …

Was ich hier lang und breit beschreibe, erzählt der Autor beziehungsweise der Illustrator Ronan Badel in seinem Buch ohne ein einziges Wort, nur in Bildern. „Der faule Freund“ ist also ein Buch ohne Worte. Solche Bücher werden von uns Erwachsenen oft als anstrengend empfunden, weil man sie erstens dem Kind nicht einfach vorlesen kann (während man in Gedanken schon das Abendessen vorbereitet) und zweitens weil es Zeit, Fantasie und auch Konzentration braucht, um die Geschichte in den Bildern zu suchen. (Manchmal mehr als man zwischen Kind-aus-der-Kita-holen und Abendessen kochen aufbringen kann.)

Aber bei diesem Buch braucht davor niemand bange zu sein. Das Tropenpanorama, mal ein-, mal doppelseitig, ist eher reduziert, in der Farbwahl beschränkt es sich auf grüne und erdige Töne, die Ausstattung an Pflanzen, Tieren und Landschaft ist eher schematisch und angedeutet. Das lenkt den Blick von allein auf bestimmte Details, auf die Mimik der vier Freunde, die Bewegung durchs Bild, und diese Details erzählen die Geschichte recht eindeutig und wie von allein. Beziehungsweise animieren das Kind zu erzählen (Mama oder Papa können also durchaus zwei, drei Gedanken ans Abendbrot riskieren): Nach dem Sturzflug durch den Wasserfall wird die Schlange an Land gespült, und als sie ganz aufgetaucht ist, sehen wir, dass auch das Faultier gerettet wurde, jetzt festgeklammert an der Schlange. Noch immer schläft es tief und fest und auch den ganzen Weg, den die Schlange durch den Regenwald nach Hause kriecht. Erst als Frosch und Vogel ihren Freund knuddeln und drücken, öffnet es endlich mal ein Auge, fragend, genervt, erstaunt: „Was das denn alles soll?“

Okay, niemand sagt uns, ob die Schlange eine Boa ist oder eine Ringelnatter, der Vogel ein Tukan oder ein Ara, ob das Faultier ein Junge oder ein Mädchen ist und wie es heißt und ob es beim Schlafen schnarcht oder nicht oder ob es auch mal beim Kartenspiel mitmacht.

Aber darüber können Sie sich ja beim Abendessen unterhalten.

Fazit

Mag in diesem Buch über das Faultier, dass sein eigenes Abenteuer verschläft auch kein gedruckter Buchstabe vorhanden sein – ein „stilles“ Buch ist es ganz und gar nicht. Auf jeder Seite gibt es einige wenige Details, die ganz genau die Richtung und auch die Stimmung der Geschichte angeben – und damit Kind und Vorleser wie von allein zum Erzählen bringen. Ein kurzes Buch – klein aber fein. Und auch noch lustig.

Sigrid Tinz

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