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Buchcover: Benjamin Flouw: Die goldene Funkelblume

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die goldene Funkelblume von Benjamin Flouw

erschienen bei Die Gestalten Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Ein Fuchs, der Blumen und Bücher liebt. Tagsüber ist er draußen unterwegs, abends liest er. Und eines Abends liest er von einer goldenen, wunderschönen, sehr seltenen Funkelblume. Ein Bild ist nicht dabei und keiner weiß, wie sie genau aussieht. Das will der Fuchs ändern. Und er macht sich auf die Suche.

Ein Fuchs als Hobbybotaniker, der Pflanzen über alles liebt. Und Bücher. Abends liest er in seinen Blumenbestimmungsbüchern, immer auf der Suche nach neuen, schönen, interessanten Pflanzen. Und eines Abends liest er über die seltene goldene Funkelblume. Ein Bild ist nicht dabei, denn, so heißt es in Fuchs` Buch, diese Blume zählt zu der Familie der Gutversteckten, sie soll in den hohen Bergen wachsen, aber keiner wisse, wie sie wirklich aussieht. Und bereits am nächsten Morgen zieht Fuchs los, um diese seltene Blumenschönheit zu suchen.

Der Fuchs ist übrigens nur seines Aussehens nach ein Fuchs; ansonsten ist er durch und durch vermenschlicht, trägt Karohemden, geht auf zwei Beinen und isst am liebsten Brötchen mit Traubenmarmelade. Sein Fuchssein hat keinen Einfluss auf die Geschichte, genau wie das der anderen vermenschlichen Tiere, die der Fuchs im Laufe der Geschichte trifft und nach dem Weg und um Rat fragt: einen Wolf, einen Bären, ein Murmeltier. Dass Tiere Hauptpersonen in Geschichten sind, hat eine lange Tradition und in Kinderbüchern ist es fast eine Selbstverständlichkeit. In diesem Buch wirkt es allerdings ein bisschen befremdlich, vielleicht weil der Kontrast recht stark ist zwischen der vermenschlichten Tierwelt einerseits und der anderseits für ein Bilderbuch sehr wissenschaftlich und naturgetreu dargestellten Pflanzenwelt: die Blumen sind zwar eckig und leicht abstrahiert gezeichnet, aber ganz klar als ihre Art zu erkennen.

Der gesamte Illustrationsstil ist so: kantig, leicht abstrahiert, aber sehr ausdrucksvoll. Die Farben sind kräftig, erdig, natürlich und authentisch und man hat das Gefühl zusammen mit dem Fuchs unterwegs zu sein und die Natur zu erleben, den kalten Nebel, die Morgenröte, den feuchten Waldboden.

Zwischen den Bildern, die die Handlung erzählen, sind ab und an Doppelseiten eingefügt, die eher Schaubildcharakter haben: Wie eine Übersicht bestimmter Pflanzen, Waldbäume und ihre Blattformen, ein Bergmassiv, das schematisch zeigt, dass von unten nach oben immer weniger wächst. Erst kommt die Baumgrenze und dann irgendwann nur noch Felsen, Schnee und Eis. Alles nur mit der alltagssprachlichen Bezeichnung und ohne alle wissenschaftlichen vollständigen Namen, wunderbar, so bleibt das Bilderbuch Bilderbuch und wird nicht zu einer langweiligen Unterrichtsstunde über Klimazonen und heimische Vegetation. Auch wenn sich echten Fachleuten die Fußnägel kringeln, allein das Wort „Blume“ ist umgangssprachlich und bräuchte mindestens eine Fußnote, dass es Blütenpflanzen heißen muss; was aber auch nicht genau stimmt, weil Farne als Sporenpflanzen nicht dazugehören, aber schon auch irgendwie Blumen sind, das müsste man einschränkend erwähnen; und Bäume blühen ja auch, und Gräser & und dann unter die echten Pflanzen diese märchenhafte Funkelblume mischen &. ohje, ausschmücken, bildhaft und blumig formulieren gilt als to-tal unwissenschaftlich und normalerweise scheuen sich Sachbuchautoren davor. Lieber korrekt als gern zu lesen, schon der Kollegen wegen.

Alle Erfahrung zeigt allerdings, dass Kinder damit null Probleme haben. Einfach die Natur erleben, wie sie sich erleben lässt. Wer sich dann mehr interessiert, wird sich mehr Informationen beschaffen – wie der Fuchs. Seine Leidenschaft wirkt durchaus ansteckend. Aber auch wenn bei den kleinen Lesern der naturwissenschaftliche Eifer so gar nicht geweckt wird, können sie aus dieser Geschichte viel lernen. Wie der Fuchs seinen Weg geht, ohne seine Ziel die Blume zu finden, aufzugeben, auch und obwohl es so aussieht, als würde es sie gar nicht geben. Auch als er oben auf dem Berg angekommen ist, wirkt er nicht frustriert, sondern stellt erstmal sein Zelt auf für die Nacht und genießt den großartigen Sonnenuntergang. Und dann, im Schnee, sieht er sie, die Blume: groß, golden, aufwändig gestaltet und illustriert mit Folien und echtem Funkeln.

Er will sie pflücken, aber entscheidet sich dann, sie nur zu zeichnen. Die echte Blume soll auf dem Berg weiter funkeln, denn da gehört sie hin.

Fazit:

Ein Fuchs sucht eine Wunderblume und wandert dafür durch die ganze Welt und durch die Natur. Für ihn ein Genuss und ein Abenteuer, für die Leser eine wunderschön illustrierte Bilderreise. Zwischendurch gibt es immer wieder Einschübe von Sachwissen, über Blumen, Bäume, Vegetationszonen. Am Ende findet der Fuchs natürlich die gesuchte Pflanze und – Moral von der Geschicht’ – lässt sie stehen, statt sie zu pflücken. Sie soll dort oben weiter funkeln.

Sigrid Tinz

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