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Buchcover: Tor Bringsvaerd: Der kleine Papagei, der ganz allein...

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der kleine Papagei, der ganz allein... von Tor Bringsvaerd

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter 0-99 Jahre

Auf keinen Fall „nur“ ein Buch für Kenner oder Glaubensanhänger ist das vorliegende Buch mit den fünf Tiergeschichten aus dem Buddhismus. Es sind vielmehr spannende Tiergeschichten über die „Vorleben“ Buddhas, die jedem, egal aus welchem Kulturkreis oder welcher Glaubensrichtung er entstammt, eine gute Unterhaltung bieten aber auch essentielle Inhalte vermitteln können.

Die einfache und dennoch tiefe Weisheit hinter den Geschichten und ihre leichte Erzählweise stehen ganz für sich und werden durch die zauberhaften Illustrationen ideal begleitet.Wie auch die Gleichnisse aus der Bibel, so sind auch die Tiergeschichten aus dem Buddhismus besonders für Kinder interessant.Denn sie sind in einer bildhaften Sprache geschrieben, die es ihnen ermöglicht, die Welt besser zu begreifen. Ihre Inhalte haben eine tiefere Botschaft über Menschlichkeit, Mut, Verantwortung und Nächstenliebe.

Manchmal helfen Geschichten, um wirklich schwierige Fragen behandeln zu können. Kinder wachsen – und mit ihnen ihr Wissensdurst nach den Zusammenhängen zwischenmenschlicher Beziehungen und den Geschehnissen in unserer Welt.

Ein alter Bettelmönch unter einem großen Feigenbaum erzählt die Geschichte vom König über achtzigtausend Affen, der Buddha einmal war. Dieser Affe lehrte den König Brahmadatta, was es bedeutet, ein guter, ein gerechter Herrscher zu sein. Der König über achtzigtausend Affen opferte sein eigenes Leben für sein Volk, indem er seinen Körper als Teil einer Brücke nutzte, um sein Volk vor den Pfeilen der Soldaten Brahmadattas in Sicherheit zu bringen. Dieser selbstlose Affenkönig hat den Menschenkönig tief beeindruckt und ihm gezeigt, dass der Stärkere die Verantwortug für die Schwächeren übernehmen soll.

Wir kehren zum Feigenbaum zurück und die Gruppe von Kindern und Erwachsenen um den weisen Mann wächst. Dann erzählt er die Geschichte, wie Buddha einmal ein kleiner Papagei war, der mit den wenigen Wassertropfen, die er mit seinem Schnabel tragen konnte, versuchte, einen Waldbrand zu löschen. Er riskierte mit jedem Mal sein Leben, aber der kleine Vogel gab nicht auf. Ein göttlicher Adler machte sich zunächst lustig über die Erfolglosigkeit dieses Unterfangens. Aber dann ist das mächtige Wesen beschämt und begreift, wieviel Mut der kleine Vogel aufbringt und gar nicht ans Aufgeben denkt.

Das göttliche Wesen schickt nun Regen und der Wald mit seinen Bewohnern sind gerettet. „Gebt niemals auf!“ Ermahnt der Geschichtenerzähler. „Es geht vielleicht nicht immer so gut aus wie in unserer Geschichte vom kleinen Papagei, aber die Vernunft darf unsere Liebe zu anderen Lebewesen niemals Grenzen setzen!“

Eine weitere Geschichte, die einen – und im wahrsten Sinne des Wortes – Bogen zu unserer heutigen, westlichen Esskultur spannt, in der Massentierhaltungen und „Fleischberge“ zum Alltag gehören, ist die Geschichte, als Buddha ein Hirsch war. Sie erzählt von dem goldenen Hirschen Banyan, auf den das Los des „Jagdopfers“ gefallen ist. Aber der jagende König möchte den schönen Hirschen nicht töten und bietet an, ihn zu verschonen, wenn er ihm einen anderen Hirschen seines Rudels gäbe. Aber Banyan weigert sich – er weigert sich auch, irgendein anderes Tier für sich opfern zu lassen. Zum Schluss überzeugt Banyan den König, dass es grundsätzlich falsch ist, andere Lebewesen zu töten.

Etwas traurig und für unseren unvorbereiteten Verstand verklärt, wirkt die nachfolgende Gesichte vom Elefanten. Der Mönch erzählt diese Gesichte auf die Frage eines Erwachsenen hin, wie weit die Fürsorge für andere Lebewesen denn gehen soll. Der Elefant, der in einer Oase in der Wüste lebte, opfert sich und seinen Leib um eine Gruppe von Flüchtlingen, die in der Wüste umherirrten, nicht verhungern zu lassen. Die Menschen zögern zunächst, das Opfer anzunehmen, bis sie vestehen, dass es ein sinnloses Opfer des Elefanten gewesen wäre, wenn sie es nicht annehmen würden.

Passenderweise fragen die Kinder nun den alten Mönch , ob er auch eine lustige Geschichte kenne und so fährt der Mönch fort, ausgerechnet „vom Untergang der Welt“ zu erzählen und nicht nur die Kinder in der Geschichte werden sich wundern, wie so eine Gesichte lustig sein kann. Aber sie ist es in der Tat. Sie ist eine Parodie auch auf unsere heutige Gesellschaft, in der es genügt, ein Gerücht in die Welt zu setzen um es dann durch weitererzählen „wahr“ werden zu lassen.

Buddha, in der Verkörperung eines stattlichen Löwen, schafft es, wieder Ordnung und Ruhe in die vollkommen panische Tierwelt zu bringen. Warum eine regelrechte Massenhysterie ausbrach? Ganz einfach: Ein (Angst-) Hase hat sich in die Angstvision hineingesteigert, die Welt könne untergehen – und als neben ihm eine Frucht zu Boden fiel, verlor er die Nerven. Er dachte, es sei das erste Tosen des Weltuntergangs. Der Hase rennt um sein Leben, denn was anderes könnte ein Hase zu seinem Schutze tun? – und ruft allen zu, dass das Ende der Welt nun nahe sei. Eine Tiergattung erzählt es der anderen und es herrscht das größte Durcheinander. Der Löwe, der nicht hinnehmen will was alle glauben, kann zurückverfolgen wer dieses dumme Gerücht in die Welt gesetzt hat. Er trägt schließlich den betreffenden Hasen auf dem Rücken zu der Stelle, wo der vermeindliche Untergang begann …ganz ähnlich wie ein fürsorglicher Vater wickelt er den „Fall“ mit dem Hasen gemeinsam auf und alle – auch der Hase selbst – müssen dann darüber lachen, dass es nur Fallobst war und nicht der Untergang der Welt …

Und die Moral von der Geschicht: Wir sollen uns nicht unnötig sorgen und keinen Fragen nachgrübeln, auf die es keine Antwort gibt. Gerade die letzte Geschichte ist besonders leicht und mit einem gewissen Augenzwinkern erzählt. Ihre Botschaft finde ich besonders positiv und tröstlich. Insofern, dass es in Ordnung ist, auch Dinge einmal als gegeben hinzunehmen. Wir alle grübeln viel zu viel. Kinder verstehen das sicherlich besonders gut und können auch darüber lachen, denn der eine oder andere ist ihnen auch bestimmt schon einmal als„;Angsthase“; vorgekommen.

Der Autor, Tor Age Bringsvaerd, zählt zu den bekanntesten Schriftstellern Norwegens und es ist ihm gelungen, die buddhistischen Tiergeschichten so nachzuerzählen, dass sie für Kinder unseres Kulturkreises verständlich sind. Die Auswahl der Geschichten scheint ebenso gelungen, denn sie stellt eine gute Mischung aus Spannung, Gefühl und Humor dar. Die Geschichten wirken ruhig und behutsam erzählt, sie verkomplizieren nichts und können dennoch viel erklären.

Sehr passend sind daher auch die Illustrationen, die ebenso leicht und dem inidschen Zeichnstil entsprechend angelegt sind. Sie sind zauberhaft in ihrer Darstellung voller opulenter Verzierungen und ihrer gleichzeitigen Zartheit. Sie sind manchmal sehr kräftig und detailgenau, manchmal aber sind sie schemenhaft, fast transparent. Alles in warmen und und leuchtenden Farben angelegt, strahlen die Illustrationen vor dem überwiegend gelblichen Hintergrund eine zeitlose Nostalgie aus. Die Tiergesichter des Buddhas sind ganz in typisch indischer Darstellungsform sehr schön und bergen auch einen stark geprägten menschlichen Ausdruck in sich.

Dabei sind die Illustrationen von Stella East, die übrigens auch die Original-Ausgabe von Jostein Gaarders Weihnachtsgeheimnis illustriert hat, auf wohltuende Art anders. Filigran und ursprünglich zeigen sie sehr viele indischer Merkmale und haben dennoch eine ganz eigene, unübersehbare Symbolik, die wunderbar mit der erzählten Geschichte Hand in Hand geht. Die Leuchtkraft mancher Illustrationen ist bestechend aber ebenso auch schemenhaft angelegte Darstellungen haben einen sehr starken Reiz und wirken bereits beim Betrachten wohltuend und besänftigend.

Als besonderes Bonbon, das ich persönlich sehr begrüße, ist ein kurzer Text über die Lehren des Buddhismus im hinteren Teil des Buches. Damit können sich interessierte Kinder und Erwachsene erste Hintergründe des buddhistischen Glaubens erschließen, Vergleiche zur christlichen Religion anstellen oder einfach das Allgemeinwissen aufbessern. So oder so bleibt es jedem frei, diesen Teil zu lesen. Ich möchte dies aber empfehlen; es ist in aller Kürze sehr gut erklärt und kann einen guten ersten Überblick verschaffen. So finden wir die „Vier heiligen Warheiten“ und den „Mittleren Weg“ – alles in konzentrierter Form wiedergegeben, liefert das Kapitel auch viele grundsätzliche Hintergründe des Glaubens.

Fazit:

Philosophischer und spannender können Fabeln nicht daherkommen und wer sie noch nicht kennt, der sollte sich schnell ein Exemplar besorgen, um diese ansonsten leergebliebene Lücke an Schönen und friedfertig- hilospophischen Gedanken zu füllen. Nicht nur die Geschichten vermögen es langfristig zu beeindrucken, auch die Illustrationen haben ihren ganz eigenen Zauber, der dieses Buch zu einer hochwertigen Gesamtkomposition macht. Es bleibt ein wirklich gutes Gefühl, wenn man sich mit diesem Buch beschäftigt. Und das ist schon ein sehr großes Kompliment an ein Buch mit einem so alten Hintergrund.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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