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Buchcover: Britta Teckentrup: Die kleine Maus und die große Mauer

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die kleine Maus und die große Mauer von Britta Teckentrup

erschienen bei arsEdition

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Sind Mauern fest und unverrückbar? Oder ist es doch möglich, mit Mut und Neugier auf die andere Seite zu gucken und gar die mächtige Mauer zu überwinden?

Die kleine Maus lebt gemeinsam mit anderen Tieren schon immer und seit sie denken kann innerhalb einer großen Mauer. Für sie und für die anderen Tiere ist das ganz normal, doch eines Tages fängt sie an, darüber nachzudenken, ob es auf der anderen Seite der Mauer weitergeht und wenn ja, wie es dort wohl ausehen mag. Doch keins der Tiere, das sie dazu befragt, war jemals außerhalb dieser festen Grenze. Schlimmer noch, keins der Tiere zeigt überhaupt Interesse daran, die Welt auf der anderen Seite der Mauer zu erkunden. Bär, Fuchs und Katze sind zufrieden mit ihrem Leben, so wie es ist.

Die kleine Maus ist enttäuscht. Soll das wirklich alles gewesen sein? Muss sie ihren Forscherdrang an dieser Stelle bereits beenden? Die Lage wäre recht aussichtslos, wenn nicht plötzlich ein kleiner Vogel aus der Sphäre außerhalb der Mauer die Tiere innerhalb der Mauer besucht. Natürlich ist er ein Exot, doch die Maus ergreift mutig die Chance und bittet ihn, sie auf die andere Seite mitzunehmen. Gefragt, getan: schnell klettert die kleine Maus auf den Rücken des Vogels und fliegt mit ihm über die Mauer.

Was sich ihr dahinter zeigt, ist weit mehr, als sie sich je gewagt hätte zu träumen: ein farbenprächtiges Land mit blühenden Pflanzen in Hülle und Fülle, die alles in den Schatten stellen, was sie jemals innerhalb ihrer Mauern gesehen hat. Die kleine Maus ist überwältig von so viel Üppigkeit und Farbenpracht und möchte diese neuen Eindrücke schnellstmöglich mit ihren Freunden hinter der Mauer teilen Doch als sie die Mauer sucht, scheint sie gar nicht mehr da zu sein und selbst ihre ehemals so desinteressierten Freunde sind nach ihrer Erzählung auch bereit, sich in das neue Land vor zu wagen.

Angst, eine gewissen Skepsis und Vorsicht Neuem und Unbekannten gegenüber sind sicher wichtig und hilfreich, wenn es darum geht, größere negative Erfahrungen zu vermeiden. Die damit einhergehenden Einstellungen, Denkroutinen und Weltbilder geben zum einen Struktur, Halt und Orientierung, verhindern aber zum anderen, Neues aufgeschlossen entdecken zu können und den eigenen Horizont zu erweitern. Jeder von uns kennt Situationen, in denen er sich dabei ertappt, in eingefahrenen Denkmustern zu stecken. Doch der Umgang damit ist sehr unterschiedlich: dabei bleiben, denn schließlich war es „schon immer so“? Oder doch mal was Neues wagen, etwas Ungewöhnliches, Unerwartetes zulassen, neue Impulse akzeptieren und Althergebrachtes und Gewohntes hinterfragen? Dafür braucht es Mut und Neugier und manchmal auch einen Anreiz oder Hilfe von außen, jemanden, der an die Hand nimmt und den Weg in das andere Denken begleitet.

Offenheit und Aufgeschlossenheit sind natürlich allzeit aktuelle Themen mit einer wechselnden Brisanz. Doch ist es ein Thema für Kinderbücher? Sind Kinder nicht grundsätzlich offen und freuen sich über jedes Kind, mit dem sie im Sandkasten spielen können, egal, wie es aussieht und woher es kommt? Das mag zwar so sein, doch die äußere Prägung lässt Kinder schnell zu Skeptikern werden, die erstmal lieber nicht den Kontakt zu anderen Kindern suchen und auf Distanz gehen. Daher kann es durchaus hilfreich sein, immer wieder und mit verschiedenen Mitteln dazu zu ermuntern, die eigenen Denkgrenzen zu durchbrechen, neugierig, aufgeschlossen und frei zu bleiben, Dinge zu hinterfragen und verstehen zu wollen. Und sich auch mal auf ein Abenteuer einzulassen, mit Selbstvertrauen und Mut in die Welt hinaus zu gehen und sich Unbekanntem zu stellen. Denn auch darum geht es in diesem vielschichtigen Buch.

Britta Teckentrup vermittelt diese wichtige Botschaft sehr plastisch mit Hilfe einer kleinen Maus, die den ganzen anderen, großen Tieren, die mit ihr innerhalb der Mauer leben, zeigt, dass es noch etwas anderes gibt, etwas Neues, dass das eigene Leben bereichert. Die Handlung ist mit einfachen und wenigen Sätzen beschrieben und von collagenartigen Illustrationen im bewährten atmosphärischen Stile Britta Teckentrups begleitet. Auch wenn der Kontrast zwischen der Welt innerhalb der Mauern und außerhalb der Mauern stark ist und die Neuentdeckung hinter der Mauer eindeutig farbenfroher und lebenswerter aussieht, ist es ihr doch gelungen, auch das alte Leben vergleichsweise attraktiv und lebenswert darzustellen und damit auf eine Abwertung zu verzichten.

Fazit:

Wer neugierig bleibt, Dinge hinterfragt, aufgeschlossen ist und ein bisschen Mut mitbringt wird viele schöne Entdeckungen machen und den eigenen Horizont stetig erweitern. Und wer einmal verzagt, nimmt sich die kleine Maus zum Vorbild, die sich und den anderen Tieren die sie umgebende Mauer eingerissen hat.

Claudia Goldammer

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