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Buchcover: Cas Lester: Sprichst du Schokolade

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Sprichst du Schokolade von Cas Lester

erschienen bei arsEdition

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

Schulstress, Freundinnenärger und die eigene Familie nervt auch. Doch als Nadima neu in die Klasse kommt, ahnt Josie nicht, was sie in den nächsten Wochen außerdem noch erwartet...

Josie ist in der 7. Klasse und könnte sich etwas besseres vorstellen, als sich den ganzen Tag in der Schule mit Englisch, Französisch, Mathe und Schauspielunterricht langweilen zu müssen. Schließlich hat sie eigentlich genug zu tun mit ihren drei Brüdern, ihrer Klassen-Erzfeindin Kara (mit der sie sich regelmäßig um ihre beste Freundin Lily zofft) und dem Umstand, dass sie als Legasthenikerin mit weitaus mehr Schwiergikeiten zu kämpfen hat, als alle anderen Kinder ihrer Klasse. Zudem ist Josie nicht auf den Kopf und schon gar nicht auf den Mund gefallen und eckt mit ihren frechen Sprüchen gern bei Lehrerinnen und Lehrern an, was selbstredent Ärger mt ihrer Mutter nach sich zieht.

Als eines Tages Nadima in die Klasse kommt, ist Josies Leben um ein weiteres Thema reicher. Sie schließt das schüchterne Mädchen mit dem blauen Kopftuch spontan ins Herz und ist froh, dass der Platz neben ihr noch frei ist. Doch es gibt ein Problem, wie sich schnell herausstellt: Nadima spricht kaum Englisch und die Verständigung mit ihr ist mühsam. Auch die Sprachensuche auf dem Handy bringt keine Antwort auf die Frage, welche Sprache Nadima eigentlich spricht. Aber als Josie einen Schokoriegel aus den Tasche zieht und Nadima ein Stück davon anbietet ist klar, dass die beiden die Leidenschaft für Süßes teilen. Nadima revanchiert sich auch prompt mit einem großen Stück Lokum, das alles in den Schatten stellt, was Josie bisher je in dieser Art gegessen hat.

Josie kümmert sich gern und umsichtig um Nadima, lädt sie zu sich nach Hause ein und lässt sie an ihrem Alltag teilnehmen. Anders herum erhält sie durch Nadima Einblicke in ein Leben, das sehr anders ist als ihr eigenes. Denn Nadimas Familie muss mit ganz anderen Schwierigkeiten kämpfen, als Josie sich je hätte vorstellen können. Sie erfährt, dass Nadimas Familie aus Syrien kommt und noch immer unter dem Schrecken des Krieges leidet. Viele Freunde und Verwandte haben sie verloren und auch die Strapazen der Flucht kannte Josie bislang nur aus den Medien. Zudem steht Nadimas Familie einer ungewissen Zukunft gegenüber: in Syrien hatten sie einen Süßigkeitenladen, in dem sie ihre selbst gemachten Köstlichkeiten verkauft haben. Nun, in England, müssen sie sich eine neue Existenz aufbauen, dafür eine neue Sprache sprechen und die neue Kultur kennen lernen. Josie ist tief beeindruckt und möchte Nadima und ihrer Familie unbedingt helfen. Wäre ein Verkaufsstand in der Schule nicht eine gute Idee? Doch schnell muss sie lernen, dass nicht jede gut gemeinte Hilfe auch von allen Beteiligten so verstanden wird.

Wenn Schokolade den Auftakt zu einer Freundschaftgeschichte macht, dann kann sie eigentlich nur gut werden. Schokolade ist für viele auch der Inbegriff für Geborgenheit und vor allem für einen verlässlichen Trostspender. Denn mit einem Stück Schokolade im Mund sieht vieles nicht mehr ganz so grau und hoffnungslos aus. Und damit greift Josie unbewusst zu genau dem richtigen Mittel, um Nadima den Start in der fremden Schulumgebung leichter zu machen.

Tatsächlich ist es Cas Lester gelungen, eine überraschende, ergreifende, einfühlsame und warmherzige Geschichte zu erzählen, die ohne Stereotype auskommt, damit überzeugt und sich realistisch liest. Denn die quirlige und impulsive Josie ist kein Überflieger-Mädchen, dem alles mühelos zufällt, sondern ein ganz normales Kind mit Stärken und Schwächen. In ihrer Übereifrigkeit und dem Bestreben, alles besonders gut zu machen, entstehen mitunter Missverständnisse, die sie unsensibel erscheinen lassen. Doch sie ist ein gutherziges Mädchen mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, das ihre Fehler (wenn auch zähneknirschend) einsieht und bereit und fähig ist, um Vergebung zu bitten.

Mit liebevoller Leichtigkeit erzählt Cas Lester in etwas mehr als 50 kurzen Kapiteln nicht nur eine schöne Freundschaftsgeschichte, sondern berichtet auch über ein tragisches Schicksal. Dabei dramatisiert sie weder, noch nimmt sie Nadimas Flucht auf die leichte Schulter. Es gelingt ihr, die Erlebnisse des Krieges eindrucksvoll und bewegend zu schildern, ohne dabei zu sehr auf schreckliche Details einzugehen oder diese sehr in den Fokus zu rücken. Sie erzählt für die Altersgruppe passend, was Nadima durchgemacht hat und zeichnet ein realistisches Bild der Kriegs- und Fluchtschrecken, mit denen Kinder umgehen können.

Jedes Kind wird beim Lesen wohl nachdenklich werden und eine ganz eigene Vorstellung von den Schrecken der Flucht entwickeln. Gleichzeitig vermittelt sie ein sehr positives Gefühl, denn Nadimas Familie ist froh und glücklich darüber, in Sicherheit zu sein und beginnt den Neustart in einem fremden Land und einer fremden Kultur zuversichtlich: Nadima lacht gern, sie ist begeisterungsfähig und aufgeschlossen und schnell bei den Kindern der Klasse beliebt, die ihr ohne Vorbehalte und Vorurteile begegnen und sie bereitwillig in ihre Klassengemeinschaft aufnehmen.

Schnell verbindet die zwei ungleichen Mädchen nicht nur die Leidenschaft für Süßes, sondern auch das feste Band der Freundschaft und das, obwohl sie charakterlich verschieden sind, aus zwei verschiedenen Kulturkreisen kommen und die sprachliche Verständigung anfangs kompliziert ist.

Fazit:

Nicht nur Liebe geht durch den Magen, Freundschaften mitunter auch. Und auch diese erleben manchmal Höhen und Tiefen. Doch mit Schokolade, Wertschätzung und Verständnis meistern Josie und Nadima auch schwierige Momente.

Claudia Goldammer

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